Terror in Paris Zehntausende trauern um Opfer

  • Drei Männer haben einen Anschlag auf die Redaktionsräume der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris verübt. Sie sind auf der Flucht, aber offenbar bereits von der Polizei identifiziert und lokalisiert.
  • Mindestens zwölf Menschen wurden bei dem Terrorakt getötet.
  • Das Magazin ist bekannt für den Abdruck provokanter Mohammed-Karikaturen. Eine Zeugin berichtet, die Angreifer hätten sich zu al-Qaida bekannt.
  • Am Mittwochabend gedachten in Paris, Marseille und Städten Europas Zehntausende der Toten.

Anschlag in Paris - Täter offenbar identifiziert

Zwei schwer bewaffnete Männer haben am Mittwoch den Sitz der Zeitung in Paris überfallen, dabei wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft mindestens zwölf Menschen getötet und mehrere schwer verletzt. Aus Polizeikreisen verlautete am Mittwochabend, man habe drei Verdächtige im Alter von 18, 32 und 34 Jahren identifiziert. Noch sind die Täter auf der Flucht, doch nach ihnen wird gefahndet. In der nordfranzösischen Stadt Reims, gut 100 Kilometer östlich von Paris, durchsuchten Spezialeinheiten ein Wohngebäude.

Der Zeitung Le Figaro zufolge handelt es sich bei den beiden älteren Männern um zwei Brüder. Beide seien französische Staatsangehörige mit algerischen Wurzeln; die Nationalität des jüngeren Mannes ist offenbar nicht bekannt. Der älteste Täter sei bereits mehrfach verurteilt worden, wegen seiner Kontakte zu einem dschihadistischen Netzwerk im Irak.

"Barbarische Tat"

In Paris wurde nach der Tat die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einer "außergewöhnlich barbarischen Tat". Der Präsident erklärte den Donnerstag zum Staatstrauertag. Um zwölf Uhr werde es im ganzen Land eine Schweigeminute geben. Außerdem sollen alle Landesflaggen für drei Tage auf Halbmast gesetzt werden.

"Frankreich hat aus der ganzen Welt Solidarität und Mitgefühl erfahren. Wir werden Antworten finden auf diesen kriminellen Akt, der uns heute getroffen hat", so der Präsident. Nichts dürfe die freie Gesellschaft spalten. Die Journalisten und Zeichner von Charlie Hebdo seien "heute unsere Helden", so der Präsident.

Spontane Gedenkversammlungen in Frankreich und Berlin

In der französischen Hauptstadt versammelten sich am Mittwochabend Zehntausende Menschen, um der Opfer zu gedenken. Auf dem Place de la République im Zentrum von Paris kamen nach Angaben der Zeitung Le Monde mindestens 35 000 Menschen zusammen. "La République contre le fanatisme" - zu deutsch: "Die Republik gegen den Fanatismus", stand auf ihren Schildern. Auch in Marseille, Toulouse, Nantes und Lyon gingen mehrere Tausend Menschen auf der Straße. Auch in Berlin gingen etwa 300 Menschen aus Solidarität mit den Opfern am Brandenburger Tor auf die Straße. Vor der französischen Botschaft legten zahlreiche Passanten Blumen nieder.

Auch in Toulouse kommen Tausende zusammen.

(Foto: dpa)

Was über den Tathergang bekannt ist

Der Anschlag ereignete sich am Morgen kurz vor 11.30 Uhr. Nach Angaben der Polizei drangen mindestens zwei vermummte Männer mit Kalaschnikows und einem Granatwerfer bewaffnet in die Räume der Zeitung Charlie Hebdo ein, die im 11. Arrondissement liegen. Es habe danach einen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften gegeben. Bei ihrer Flucht hätten die Angreifer einen Polizisten angeschossen und später einen Fußgänger überfahren. Die Täter riefen nach Angaben von Zeugen: "Wir haben den Propheten gerächt" und "Allah ist groß".

Zeichnerin Corinne Rey alias "Coco" sagte der Zeitung L'Humanité, sie sei vor der Tür des Gebäudes von zwei maskierten und bewaffneten Männer bedroht worden. "Sie wollten hinein. Ich habe den Code eingegeben. Sie schossen auf (die Zeichner; Anmerkung der Redaktion) Wolinski, Cabu, das dauerte fünf Minuten. Ich habe mich unter einem Schreibtisch versteckt." Ihren Angaben zufolge sprachen die Angreifer perfekt französisch und bekannten sich zu al-Qaida.

Die Journalistin Elsa Vigoureux vom Nouvel Observateur berichtete, die beiden Angreifer seien von einem Auto am Tatort abgesetzt worden, das von einem dritten Mann gefahren wurde. Das Auto sei noch nicht identifiziert worden. Nach dem Anschlag wurden sie demnach von einem Wagen - man weiß nicht, ob es der gleiche ist - abgeholt und fuhren in Richtung der Porte Pantin. Dort sollen sie das Auto verlassen und einen fremden Wagen gestohlen haben. Sie sollen nach Osten gefahren sein und Paris verlassen haben.

Das sind die Opfer des Anschlags

"Charlie Hebdo": Ihre Gedanken zum Anschlag auf die Satirezeitschrift?

Zwei Männer haben einen Anschlag auf die Redaktionsräume der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris verübt. Mindestens zwölf Menschen kamen durch Schüsse ums Leben. Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Nach Informationen aus Justizkreisen ist unter den Toten auch der Herausgeber von Charlie Hebdo, der Zeichner Stéphane Charbonnier, bekannt als "Charb". Auch seine Kollegen Jean Cabut, Georges Wolinski und Bernhard Velhac, bekannt als "Cabu", "Wolinski" und "Tignous", sind tot. Sie wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einem Überlebenden des Anschlags identifiziert. Inzwischen, so meldet es Le Figaro, ist auch der bekannte Karikaturist Philippe Honoré als einer der Toten ausgemacht. Das Portal Mashable hat eine Aufstellung der bisher bekannten Todesopfer ins Netz gestellt.

Unter den Toten sollen außerdem zwei Polizisten sein. Einer von ihnen war nach Angaben der Ermittler zum Schutz von Charb abgestellt. Der Chefredakteur hatte in der Vergangenheit mehrfach mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Schlagzeilen gesorgt. Mindestens elf Menschen seien verletzt worden, sagte Generalstaatsanwalt François Molins, der für Ermittlungen wegen Terrorismus zuständig ist. Vier Personen seien so schwer verletzt, dass sie in Lebensgefahr schwebten.

Das Abendland ist nicht zu retten

Frankreich im Jahr 2022: Ein Muslimbruder ist französischer Präsident, humanistisch gesinnte Islamisten regieren das Land. Michel Houellebecqs neuer Roman "Unterwerfung" verspottet die völkische Gesinnung, die das Abendland vor dem Islam retten will. Von Thomas Steinfeld mehr ... Literaturkritik

Diese vier Zeichner sind unter den Getöteten (v.l. oben): Jean Cabut ("Cabu"), Bernhard Verlhac ("Tignous"), (v.l. unten) Herausgeber Stéphane Charbonnier ("Charb") und Georges Wolinski ("Wolinski").

(Foto: AFP)