Silvesternacht Köln reagiert mit mehr Überwachung

  • Nach den sexuellen Belästigungen und Diebstählen in Köln sind noch keine Verdächtigen gefasst.
  • Kölns Oberbürgermeisterin Reker und Polizeipräsident Albers kündigen nach einer Krisensitzung umfassende Maßnahmen zum Schutz des Karnevals an.
  • Vor dem Dom versammeln sich am Dienstag mehrere hundert Menschen, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren.

Die Angriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln haben deutschlandweit Entsetzen und Betroffenheit ausgelöst. 90 Anzeigen sind bisher bei der Kölner Polizei eingegangen. "Wir gehen davon aus, dass noch weitere hinzukommen", sagte ein Polizeisprecher.

Die Stadt Köln will auf die Vorfälle umgehend mit schärferen Sicherheitsvorkehrungen reagieren, insbesondere mit Blick auf den anstehenden Karneval. "Es ist unglaublich und nicht tolerierbar, was in der Silvesternacht passiert ist", sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker am Dienstagnachmittag nach einer Krisensitzung mit dem Polizeipräsidenten Wolfgang Albers. Jetzt müsse die Stadt dafür sorgen, dass so etwas nie wieder vorkomme. "Wichtig ist, dass wir uns das Karneval-Feiern nicht nehmen lassen", sagte die parteilose Politikerin.

Albers kündigte für den Karneval verstärkte Polizeipräsenz an. Sowohl zivile als auch unformierte Beamte sollen demnach die Feiernden schützen. Außerdem sollen Albers zufolge erstmals mobile Videoüberwachungs-Anlagen zum Einsatz kommen.

Am Dienstagabend kamen auf dem Domplatz in Köln mehrere hundert Menschen zusammen, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren.

"Sexualdelikte in massiver Form"

Am Silvesterabend hatten sich auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz der Polizei zufolge etwa 1000 Männer versammelt, die Pyrotechnik auf Passanten schossen. Aus der Menge lösten sich offenbar immer wieder Gruppen von Männern, die Frauen umkreisten, bedrängten und bestahlen. Polizeipräsident Wolfgang Albers sprach von "Sexualdelikten in sehr massiver Form" und einer Vergewaltigung. Der volle Umfang der Übergriffe sei jedoch erst am nächsten Tag klargeworden.

Dass es Angriffe gab, hätten die Einsatzkräfte auf dem Platz ab etwa 0.45 Uhr gewusst, sagte der Leitende Polizeidirektor Michael Temme. Sie hätten sofort reagiert, indem sie unbegleitete Frauen auf die Gefahr aufmerksam gemacht und bis zum Bahnhof geleitet hätten. Die ersten Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gingen zwischen 1 Uhr und 1.30 Uhr bei der Kölner Polizei und der Bundespolizei ein, sagte der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, der Deutschen Presse-Agentur.

"Keine Erkenntnisse über die Täter"

Polizeipräsident Albers zufolge wurden bislang keine Verdächtigen festgenommen. "Wir haben keine Erkenntnisse über die Täter", erklärte er am Dienstagnachmittag. Die Opfer seien nicht in der Lage, Tatverdächtige zu beschreiben oder zu identifizieren, wofür er auch Verständnis habe. Die Polizei versuche nun, die Berichte zu ordnen und Videomaterial auszuwerten.

Allerdings seien nach den Beobachtungen der Polizeikräfte vor Ort und vor allem junge Männer im Alter von 18-35 Jahren anwesend gewesen, die vor allem aus dem nordafrikanischen Raum zu stammen schienen. Das bestätigten auch Zeugen. Aber, so Albers im Hinblick auf die zurvor genannte Zahl von 1000 Personen auf dem Bahnhofsvorplatz: "Es gibt keine 1000 Täter", sondern es gebe "eine Gruppe von 1000 Menschen, aus der heraus die Taten begangen wurden." 90 Anzeigen bedeuteten auch nicht 90 Straftätern. Die Zahl der Täter lasse sich aus den Anzeigen nicht ersehen.

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Albers bestätigte, dass die Polizei Personen überprüft habe, die sich mit Flüchtlingspapieren oder Asylanträgen ausgewiesen hätten. "Dass Personen überprüft werden, bedeutet nicht, dass sie Tatverdächtige sind", sagte Albers.

Auch Oberbürgermeisterin Rekers erklärte, es sei unzulässig, mit einer möglichen nordafrikanischen Herkunft von mutmnaßlichen Tätern sofort eine Flüchtlingsgruppe zu verbinden.

Polizei Hamburg: "Ungewöhnliches Phänomen"

Im Vergnügungsviertel St. Pauli wurden Frauen in der Silvesternacht nach einem ähnlichen Muster wie in Köln ausgeraubt und belästigt. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei Hamburg. Die Opfer seien zwischen 18 und 24 Jahre alt. "Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die Opfer im Gedränge zum Teil gleichzeitig von mehreren Männern in unterschiedlicher Gruppengröße mit südländischem oder arabischem Aussehen angegangen worden sein", teilte die Polizei Hamburg mit. Die Frauen seien an der Brust oder im Intimbereich angefasst worden, anschließend hätten sie festgestellt, dass ihnen Wertgegenstände wie Geldbörsen oder Smartphones fehlten.

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"Wir kennen das Antanzen als Taschendiebstahltrick", so der Sprecher, "das, was an Silvester passiert ist, ist allerdings ein ungewöhnliches Phänomen." Problematisch seien die schlechten Personenbeschreibungen, "die Opfer konnten sich schwer auf eine Täteranzahl festlegen, es gibt Beschreibungen zwischen 20 und 40 Personen", sagte der Sprecher. Die Ermittler bitten daher insbesondere auch um Film- oder Fotoaufnahmen, die Besucher in dem Bereich von den Vorfällen gemacht haben. Die Fälle in Hamburg hätten aber nicht das Ausmaß der Vorfälle in Köln, sagte der Polizeisprecher.