Kunst Glaube, Fliege, Hoffnung

Mission Spitzbogenfenster: Markus Lüpertz, 76, und Gerhard Schröder, 74, (hier bei der Vorstellung eines Kunstwerks in Duisburg, 2016) sind gut bekannt.

(Foto: imago/Reichwein)
  • Die evangelische Marktkirche in Hannover bekommt ein neues Kirchenfenster - ein Geschenk des Altkanzlers Gerhard Schröder.
  • Auf dem Werk des katholischen Künstlers Markus Lüpertz sollen eine weißgewandete Figur und mehrere Fliegen zu sehen sein.
  • Schröder verfügt angeblich über Sponsoren für das etwa 100 000 Euro teure Projekt.

Politik und Religion sind zwei ganz verschiedene Dinge, deshalb darf man auch ruhig ein bisschen misstrauisch sein, wenn die Politik der Religion Präsente macht. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) schenkt der Marktkirche in Hannover ein neues Kirchenfenster. So ein Fenster ist nicht billig, weil es meist ziemlich hoch ist und ziemlich bunt. Das Fenster, das Schröder der evangelischen Marktkirche vermachen möchte, soll bald das mittlere der drei großen Fenster an der Südseite sein. Denn dort, an der Südseite haben sich die Hannoveraner einst zur Lehre Martin Luthers bekannt. Das war am 26. Juni 1533 und damals hieß die Pastorin der Marktkirche noch nicht Hanna Kreisel-Liebermann.

Heute heißt die Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann und sie freut sich sehr über das Geschenk. Erstens ist Schröder nicht irgendwer, sondern Ehrenbürger von Hannover. Zweitens hat der Altkanzler in ihrer Kirche schon mal eine sogenannte Bürgerpredigt gehalten, und drittens wäre es doch eine tolle Sache, wenn das Glasfenster bereits am 31. Oktober eingebaut wäre, dann möchte Niedersachsen nämlich seinen neuen Feiertag feiern, den Reformationstag. Das Fenster würde also "Reformationsfenster" heißen.

Eine hessische Glaskunstmanufaktur, die bereits Verglasungen für die Sixtinische Kapelle in Rom gefertigt haben soll, arbeitet gerade an der Umsetzung. Entworfen wurde das Fenster von Markus Lüpertz, den nicht nur die Hannoversche Allgemeine Zeitung einen "Starmaler" nennt. Lüpertz hat bereits Fenster für die französische Kathedrale Saint-Cyr-et-Sainte-Julitte in Nevers entworfen, für eine Kölner Dominikanerkirche, für die Lübecker Marienkirche und die Dorfkirche in Landsberg-Gütz. Gerhard Schröder wiederum ist mit Lüpertz gut bekannt, möchte das Künstlerhonorar selbst übernehmen und verfügt für die 100 000 Euro, die für Material, Herstellung und Einbau des zwölf Meter hohen Spitzbogenfensters veranschlagt werden, angeblich über Sponsoren.

Der Künstler konvertierte zum Katholizismus

Die genaue theologische Deutung des bräunlich-dunklen Fensterentwurfs steht noch aus. In einer weißgewandeten Figur sehen Kirchenvorsteher wahlweise Jesus, Luther oder den Altkanzler. In kleiner Runde soll sich Lüpertz dazu bereits geäußert haben, aber eben nur in kleiner Runde. Zudem sind auf dem Fenster mehrere Fliegen abgebildet. Vermutlich eine Anspielung auf die Legende, wonach Luther auf der Wartburg mit dem Tintenfass auf etwas warf, das er für den Teufel hielt. Womöglich war es eine Fliege. Kreisel-Liebermann nennt das Kunstwerk "attraktiv und spannend für die Stadt". Offensichtlich hat sie mit der Schenkung kein Problem - im Gegensatz beispielsweise zum ehemaligen Kölner Kardinal Joachim Meisner, dem ein von Gerhard Richter neugestaltetes Fenster im Dom zunächst gar nicht gut gefiel.

Lüpertz, 76, durfte in Schröders Auftrag bereits im Jahr 2001 ein Wandbild für das Bundeskanzleramt schaffen. Der Künstler ist einst zum Katholizismus konvertiert. Schröder ist evangelisch und könnte noch in diesem Jahr heiraten, vermutlich in der Marktkirche. Es wäre seine fünfte Ehe.

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