500 Jahre Reformation Katholiken und Protestanten sind ähnlicher, als sie denken

Eine neue Studie belegt: Viele Protestanten glauben heute auch an ursprünglich katholische Überzeugungen.

(Foto: dpa)
  • Eine Studie hat herausgefunden, dass sich die christlichen Konfessionen in der Wahrnehmung mehr ähneln, als es viele Gläubige wohl vermuten.
  • So haben europäische Katholiken und Protestanten nichts mehr dagegen, wenn ein Angehöriger der jeweils anderen Glaubensgruppe ihr Nachbar wird.
  • In Westeuropa wurden mehr als 24 000 Menschen in 15 Ländern befragt, in den USA nahmen etwa 5000 Personen an der Umfrage teil.

500 Jahre ist es her, dass Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll, und so feiern die Protestanten in diesem Jahr den runden Geburtstag der Reformation. Die gute Nachricht zum Fest: Hat die christliche Glaubensfrage vor 400 Jahren noch zu verheerenden Kriegen und Verfolgung auf dem europäischen Kontinent geführt, sind 2017 (fast) alle Freunde.

Das zumindest geht aus einer Studie des Pew Research Centers anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation hervor. Die Meinungsforscher befragten Katholiken und Protestanten in Westeuropa und den USA nach gefühlten und gelebten Gemeinsamkeiten und Unterschieden - und fanden heraus, dass sich die christlichen Konfessionen in der Wahrnehmung mehr ähneln, als es viele Gläubige wohl vermuten. In Deutschland sagen sogar 78 Prozent der Protestanten und immerhin 58 Prozent der Katholiken, dass die Religionen gleichartig seien.

24 Prozent der Deutschen gehören keiner Religion an

Das schönste Ergebnis der Studie mag heute vielleicht selbstverständlich klingen, doch das war es über Jahrhunderte nicht: Europäische Katholiken und Protestanten haben nichts dagegen, wenn ein Angehöriger der jeweils anderen Glaubensgruppe ihr Nachbar oder sogar ihr Familienangehöriger wird (in Deutschland: 97 beziehungsweise 98 Prozent der Gläubigen).

Das liegt womöglich daran, dass die Religion im Leben vieler Gläubiger einen kleineren Stellenwert einnimmt. So sind in Deutschland, dem Land, in dem Luther lebte und wirkte, 28 Prozent der Bevölkerung protestantisch, 42 Prozent katholisch und 24 Prozent gehören keiner Religion an - doch in beiden Konfessionen geben lediglich zwölf Prozent der Befragten an, dass Religion einen großen Stellenwert für sie besitzt. Zehn Prozent der Protestanten beten täglich, sieben Prozent gehen einmal in der Woche in den Gottesdienst. Bei den Katholiken ist das Verhältnis von Betenden und Kirchgängern genau umgekehrt.

Zum Vergleich: In den Niederlanden sagen 51 Prozent der Protestanten, dass Religion sehr wichtig für sie sei, 58 Prozent beten täglich, 43 Prozent gehen mindestens einmal pro Woche in die Kirche. Bei den Katholiken sind die Portugiesen Spitzenreiter; 39 Prozent geben an, dass Religion ihnen viel bedeute. Das am wenigste religiöse Land in Europa ist übrigens die Schweiz: Nur sieben Prozent der Protestanten und elf Prozent der Katholiken räumen der Religion einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein.

Ähnliche Ergebnisse in den USA

Zu den Ergebnissen kam das Pew-Forschungszentrum anhand zweier separater Umfragen, die es in den vergangenen Monaten unter anderem telefonisch durchgeführt hatte. In Westeuropa wurden so mehr als 24 000 Menschen in 15 Ländern befragt, in den USA nahmen etwa 5000 Personen an der Umfrage teil.

Ein entscheidendes Kriterium für die Forscher war auch, ob die Gläubigen ihrer Überzeugung nach die ewige Erlösung nur durch ihren Glauben oder durch eine Kombination von Glauben und guten Taten erreichen können. Ersteres ist in seinem Ursprung eine protestantische Annahme, letztere eine katholische. Heute aber gehen die meisten Protestanten in Westeuropa davon aus, dass ihre Erlösung von beidem abhängt, also vom Glauben und von guten Taten.

In den USA lieferte die Studie ähnliche Ergebnisse: Der Großteil der Protestanten ist der Meinung, dass die untersuchten christlichen Konfessionen sich mehr ähneln als unterscheiden. So geht etwa mehr als die Hälfte der US-amerikanischen Protestanten davon aus, dass sie Glauben und gute Taten brauchen, um in den Himmel zu kommen. Eine Annahme, gegen die ihre Glaubensvorfahren vor etwa 400 Jahren in den Krieg gezogen waren.

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