Ministerin über Brand in Textilfabrik in Bangladesch Feuer "war kein Zufall"

Für die Tat soll einer der Männer 190 Euro kassiert haben: Nach der Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch hat die Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen. Sie wollten gerade ein weiteres Feuer legen. Die Regierung hat versprochen, alle Fabriken ohne Notausgänge zu schließen.

Zwei Tage nach der verheerenden Brandkatastrophe mit mehr als hundert Toten scheint die Ursache für das Feuer in einer Fabrik bei Dhaka gefunden zu sein: Brandstiftung. "Es war kein Zufall", sagte Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina im Parlament in Dhaka. Zwei Männer seien festgenommen worden, einer habe gestanden, für die Brandstiftung 20.000 Taka (etwa 190 Euro) erhalten zu haben.

Es gebe Bilder von Überwachungskamers, auf denen die beide Männer zu sehen seien, als sie am Sonntag versucht hätten, ein weiteres Feuer in einer Textilfabrik in der Nähe zu legen. "Diejenigen, die hinter dem Sabotageakt stecken, werden ebenfalls gefasst werden", sagte Hasina weiter, die den Dienstag zum landesweiten Trauertag erklärte. Alle Textilfabriken im Land, die Millionen Menschen beschäftigen, sollen geschlossen bleiben.

Bei dem Brand waren am vergangenen Samstag mindestens 110 Menschen ums Leben gekommen. Das Feuer war in einem neunstöckigem Gebäude in einem Industrieviertel am Rande der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Insgesamt seien 110 Leichen geborgen worden, teilten die Behörden mit.

Die Textilarbeiter appellierten an die Behörden, die exakte Zahl der Toten zu ermitteln. Sie vermissten nach wie vor viele ihrer Kollegen. Einige Arbeiter hätten sich tödlich verletzt, als sie in Panik aus den Fenstern gesprungen seien und starben später im Krankenhaus. Von 200 weiteren Menschen ist die Rede, die beim Brand verletzt worden seien. Bei den Todesopfern handelt es sich vornehmlich um Arbeiterinnen, die von den Flammen eingeschlossen wurden.

Tausende Arbeiter protestieren auf den Straßen von Bangladesch

Der Großbrand hat Proteste von Tausenden Arbeitern auf den Straßen ausgelöst. Die Menschen prangerten die oftmals schlechten Produktionsbedingungen an. Sie bildeten Barrikaden rund um die betroffene Fabrik und forderten mehr Arbeitssicherheit.

So habe die 2009 erbaute, neunstöckige Tazreen-Fabrik nur eine Baugenehmigung für drei Etagen gehabt - was der Inspekteur für Fabriken in Bangladesch, Habibul Islam, bestätigte. In dem Werk, das zur Tuba-Gruppe gehört, lassen europäische Konzerne wie C&A, Ikea oder Carrefour produzieren.

Die Regierung will künftig alle Fabriken schließen, die nicht über ausreichende Notausgänge verfügen. "Das ist nicht hinnehmbar", sagte Arbeitsminister Rajiuddin Ahmed. Wenn es bei dem Brand funktionierende Notausgänge gegeben hätte, hätten nicht so viele Menschen sterben müssen.

Der Verband der Textilhersteller und -exporteure in Bangladesch versprach neben einer Entschädigung für die Angehörigen der Toten, auch die Kosten für die medizinische Behandlung der Verwundeten zu übernehmen. Jede Familie, die einen Toten zu beklagen hat, solle 1230 Dollar (umgerechnet 948 Euro) erhalten.