Erdbeben im Himalaya Mehr als 1300 Tote bei schwerem Erdbeben in Nepal

  • Ein heftiges Erdbeben hat Nepal erschüttert: Die Behörden rechnen mit mehr als 1300 Toten aus allen Regionen des Landes mit Ausnahme des äußersten Westens.
  • Die Erdstöße der Stärke 7,9 brachten Häuser zum Einstürzen und rissen Straßen auf. Der Dharahara-Turm und der Durbar-Platz in Kathmandu sind zerstört. Beide zählten zum Weltkulturerbe der Unesco
  • Der internationale Flughafen in der Hauptstadt ist geschlossen.

Behörden sprechen von mehr als 1300 Toten

Ein heftiges Erdbeben hat Nepal sowie Teile von Indien, Bangladesh und Pakistan erschüttert. Es sind mindestens 1340 Tote zu befürchten, teilte die Polizei mit. Ein Polizeisprecher sagte, es seien aus allen Regionen mit Ausnahme des äußersten Westens Nepals Opfer gemeldet worden. Die Kommunikation mit den entlegeneren Regionen des gebirgigen Landes war so schwierig, dass Informationen über die Lage nach dem Erdbeben erst allmählich eintrafen.

Die Bewohner Kathmandus helfen, Überlebende zu bergen.

(Foto: Getty Images)

Besonders in der Hauptstadt Kathmandu und der bei Touristen beliebten Stadt Pokhara werden zahlreiche Tote und Verletzte befürchtet. Das ganze Ausmaß der Zerstörung in Nepal sei noch nicht auszumachen, heißt es aus dem Innenministerium.

Das Epizentrum des Bebens mit der Stärke 7,9 lag etwa 80 Kilometer nordwestlich von Nepals Hauptstadt Kathmandu. Die Erdstöße dauerten je nach Ort zwischen einer halben Minute und zwei Minuten.

Bilder der Zerstörung

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Das Land hat den Notstand ausgerufen. Die Regierung stellte nach offiziellen Angaben umgerechnet 4,5 Millionen Euro für die Rettungsmaßnahmen bereit. Nepal habe außerdem die internationale Gemeinschaft um humanitäre Hilfe gebeten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Erste Hilfsmaßnahmen sind inzwischen angelaufen: Indiens Luftwaffe will mehrere Flugzeuge mit Nahrungsmitteln, Rettungsausrüstung, Spürhunden und Ärzten schicken. Die russische Regierung hat ebenfalls angekündigt, 50 Rettungskräfte sowie Technik in die Katastrophenregion zu entsenden.

Größte Zerstörungen in Kathmandu

In Nepal stürzten zahlreiche Häuser ein, darunter viele historische Gebäude. Straßen rissen auf, so dass der Verkehr zum Erliegen kam. Vor allem alte Häuser und historische Tempel in Kathmandu seien betroffen, sagte der Autor Kashish Das Shrestha, der Augenzeuge der Katastrophe wurde. Die Bewohner der 700 000-Einwohner-Stadt seien auf die Straßen geflüchtet.

Der kulturell wichtige Durbar-Platz im Zentrum Kathmandus - ein Unesco-Weltkulturerbe - sei nicht mehr wiederzuerkennen, sagte der Autor. Er twitterte Bilder, auf denen nur noch Holzhaufen zu sehen sind, wo einst historische Gebäude standen. Der neunstöckige Dharahara-Turm sei zusammengestürzt, nur noch wenige Meter eines Gerüsts ragen in den Himmel.

Internationaler Flughafen geschlossen

Nepals einziger internationaler Flughafen in Kathmandu ist wegen des Erdbebens geschlossen worden, weshalb aus dem Ausland auch kein Personal und keine humanitären Güter eingeflogen werden können. Alle Flüge würden ins indische Neu-Delhi umgeleitet, sagte ein Polizist.

Tote auch in Indien und Bangladesch

Indische Behörden sprachen von 34 Toten in ihrem Land, jeweils zwei in den Bundesstaaten Bihar und Westbengalen. In Bangladesch starb nach offiziellen Angaben eine Frau im Distrikt Pabna. 25 Textilarbeiterinnen seien außerdem verletzt worden, als sie aus ihrer Fabrik in Savar nahe der Hauptstadt Dhaka flüchteten. Aus Pakistan wurden zunächst keine Toten gemeldet.

Bergsteiger am Mount Everest von Lawine getroffen

Zahlreiche Bergsteiger sind von einer Lawine am Mount Everest in den Tod gerissen worden. Allein das Expeditions-Team der indischen Armee habe 13 Leichen aus dem Basislager ins Tal gebracht, teilte die Armee mit. Es handele sich um ausländische Bergsteiger. Die Suche und Rettungsaktion dauere an, deshalb könne die Zahl der Toten noch steigen. Die Lawine ging in der Nähe des Everest-Basislangers ab, wo sich derzeit Hunderte Bergsteiger auf den Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt und die umliegenden Gipfel vorbereiten.

Rettungsarbeiten sind angelaufen

Indiens Ministerpräsident Narendra Modi schrieb auf Twitter, die Regierung sammle Informationen und arbeite daran, die Betroffenen in Indien und Nepal zu unterstützen. Die Sicherheitskräfte seien rausgeschickt worden, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen und den Bedürftigen zu helfen, sagte ein Polizeisprecher.

Auch die Hilfsorganisation Humedica hat den Betroffenen des Erdbebens in Nepal rasche Hilfe zugesagt. Man werde sofort ein medizinisches Einsatzteam auf den Weg bringen, teilte die Organisation aus Kaufbeuren mit. "Unsere Erfahrung zeigt, dass es bei Beben dieser gewaltigen Stärke sofort zu handeln gilt", sagte der Leiter der Not- und Katastrophenhilfe, Raphael Marcus, laut Mitteilung. Weil viele Menschen in sehr instabilen Häusern lebten, könne das Erdbeben für die Region weiterhin schlimme Folgen haben.

In der gebirgigen Region gibt es immer wieder schwere Erdbeben. Im Jahr 2011 kamen bei einem Beben der Stärke 6,9 im Nordwesten Indiens und Nepals 110 Menschen ums Leben.