Bistum Limburg Architekt belastet Bischof Tebartz-van Elst

Mehr als 30 Millionen Euro für die neue Bischofsresidenz in Limburg: Tebartz-van Elst habe von Anfang an gewusst, "was da an Kosten auf ihn zukommt", sagt Chefplaner Michael Frielinghaus. Diese Aussage nährt die Vermutung, dass der Bischof die Öffentlichkeit und die Finanzkontrolleure bewusst falsch informiert hat.

Von Matthias Drobinski, Gerhard Matzig und Klaus Ott

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird in der Affäre um Prunk und Verschwendungssucht beim Bau seiner Residenz und des neuen Diözesan-Zentrums nun auch vom Architekten des Projekts schwer belastet. Michael Frielinghaus sagte am Wochenende der Süddeutschen Zeitung, der Bischof habe als Bauherr von Anfang an gewusst, "was da für Kosten auf ihn zukommen".

Frielinghaus sagte, er habe sich bereits bei einer Pressekonferenz im Dezember 2010 über die damals vom Bischöflichen Stuhl genannte Bausumme in Höhe von 5,5 Millionen Euro gewundert. Der Bauherr, also der Bischof und seine engsten Mitarbeiter, hätten gewusst, "dass die Baukosten tatsächlich bei 31 Millionen Euro liegen". Die damals genannte Zahl hätte "deutlich unter der Summe" gelegen, "die der Bauherr und alle am Projekt beteiligten Planer kannten".

Diese Stellungnahme des Architekten nährt die Vermutung, dass der Limburger Bischof die Öffentlichkeit, viele Mitarbeiter und die Finanzkontrolleure jahrelang über die Kosten für das Projekt falsch informiert hat. Frielinghaus sagte der SZ, er habe oft mit dem Bischof über den Bau gesprochen. Der Bischof kannte die Kosten. Die ungefähre Höhe habe nie außer Frage gestanden. "Es gab also keine Kostenexplosion. Der Bau verlief planmäßig, es gab kaum Überraschungen."

Ein Sprecher des Bistums erklärte: "Wir können diese Aussagen nicht bestätigen und warten den in Aussicht gestellten Prüfbericht ab." Ende vergangener Woche hatte das Bistum erklärt, Tebartz-van Elst erwarte das Ergebnis der Untersuchung "mit großer Gelassenheit". Der Bischof weist den Vorwurf zurück, die Unwahrheit gesagt oder gar gelogen zu haben.

Er sei "betroffen über die Eskalation", lässt Tebartz-van Elst mitteilen

Tebartz-van Elst ist am Sonntag nach Rom geflogen; Augenzeugen sahen ihn Medienberichten zufolge auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn als Gast der Billigflug-Linie Ryanair. Ein Bistumssprecher bestätigte, dass sich der Bischof in Rom zu Gesprächen aufhalte. Er habe deutlich gemacht, "dass die Entscheidung über seinen bischöflichen Dienst in den Händen des Heiligen Stuhls liegt"; er sei "betroffen über die Eskalation" und bedaure, "dass viele Gläubige im Bistum und darüber hinaus unter der gegenwärtigen Situation" litten.

Am Sonntagabend ist auch Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Bischofskonferenz, in Rom eingetroffen. Er will Donnerstag Papst Franziskus die Lage in Limburg erläutern, die sich zur Belastung für die gesamte Kirche in Deutschland entwickelt hat. Tebartz-van Elst sieht sich zusätzlich dem Vorwurf ausgesetzt, falsche eidesstattliche Erklärungen abgegeben zu haben; die Staatsanwaltschaft Hamburg stellte einen Antrag auf Strafbefehl.

Viele Katholiken fordern den Rücktritt des Bischofs, unter ihnen nun auch der emeritierte Weihbischof Gerhard Pieschl. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge hat sich selbst der Kölner Kardinal Joachim Meisner vom Limburger Bischof distanziert, den er bisher unterstützt hat; Meisner hat als Metropolit die Aufsichtspflicht über die Provinz. Ein Sprecher wollte dies nicht bestätigen. Der Kardinal beobachte "die Vorgänge sehr aufmerksam".