Architekt der Limburger Bischofsresidenz Kein Wort zu den Kosten

Der Bischofssitz sollte nicht protzig werden, sondern so geraten, dass er "in 100 Jahren noch voller Würde ist" - das war der Plan des Architekten der Limburger Bischofsresidenz, Michael Frielinghaus. Architektonisch geglückt ist der Bau, doch zu den horrenden Kosten schweigt sich Frielinghaus aus.

Von Gerhard Matzig

Der Bart ist ab. Vierzig Jahre lang wurde Michael Frielinghaus, 62 Jahre alt, Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und Chef eines großen, deutschlandweit bekannten Architekturbüros, nicht ohne diesen sehr besonderen, indianajoneshaften Bart gesehen. Dieser verlieh dem ohnehin jugendlich wirkenden Frielinghaus immer etwas leicht Abenteuerliches.

Auf Drängen seiner Frau und seiner beiden Kinder, die mit ihm zusammen im hessischen Städtchen Friedberg leben, so erzählt das der Architekt, habe er sich vor einigen Tagen rasieren lassen. Was nun seltsam zeichenhaft wirkt, denn Frielinghaus ist auch der Architekt des Bischofs Tebartz-van Elst. Er baute dessen offenbar viel zu luxuriös geratene Residenz in Limburg. Der Mann wird derzeit von der Öffentlichkeit äußerst kritisch gesehen; man könnte fast von einem Akt des Rasiertwerdens sprechen.

Frielinghaus hat 1977 sein Diplom an der Technischen Hochschule in Darmstadt gemacht. Gleich danach fing er als begabter Entwerfer in einem Friedberger Architekturbüro an; er konzentrierte sich zunächst vor allem auf Sportstätten. Den Rest kann man sehr geradlinig erzählen: Er ist heute der Chef dieses Büros - mit ein paar Dutzend Mitarbeitern. "Deutschlands Architekt Nummer eins": So hieß es einmal in einem Artikel über ihn, denn seit 2007 steht er an der Spitze des Berufsverbands. In diesen Tagen aber ist er unfreiwillig: der Architekt Nummer eins zum Thema Kostenexplosion.

Architektonisch geglückt

"Kein Wort zu den Kosten", sagt er am Telefon. Man erwischt ihn im Auto, "unterwegs zu einer anderen Baustelle". Er telefoniert ungern, denn der Reporter will vor allem wissen, wie man um Himmels, mutmaßlich sogar um des Bischofs willen 31 Millionen Euro verbauen kann, obwohl es ursprünglich nur 5 Millionen sein sollten - für ein, jenseits des Skandals, sehenswertes, architektonisch geglücktes und sich selbstbewusst in die Altstadt einfügendes Ensemble.

Dieses besteht aus Diözesanmuseum, Kapelle, Park, Büro-, Konferenz- und Privaträumen, dazu aus einem mondänen bischöflichen Sinn für räumliche Qualitäten, aus jeder Menge Muschelkalk und schwarzem Basalt - und ganz offenbar aus viel zu vielen Millionen Euro. Wobei man sich fragt, ob die Baukosten nicht seit Jahren dem Bauherrn bekannt gewesen sein müssten - doch: "Kein Wort zu den Kosten".

Sagen wir so: Wer den Architekten Frielinghaus kennt, der als BDA-Präsident seit vielen Jahren auf überzeugende Weise dafür plädiert, Architekten nicht als verantwortungslose, kostenunsichere Künstler zu begreifen - sondern als seriöse Fachleute, die rechnen können, der würde sich sehr wundern, stellte sich das Ganze als Versehen heraus. Es ist fast tragisch: Der Bischofssitz, "kein Protzbau", wie Frielinghaus betont, sollte so geraten, dass er "in 100 Jahren noch voller Würde ist". Das kann gelingen, aber vorerst ist er noch voller offener Fragen.