Rekonstruktion Ein Täter, 58 Kugeln - der Amoklauf in München

Was genau passierte am Freitagabend rund um das Olympia-Einkaufszentrum? Wie plante David S. seine Tat? Woher kam die Waffe? Eine Rekonstruktion des Amoklaufs von München.

Von Lars Langenau

Freitag, 19.30 Uhr, U-Bahnstation Olympiazentrum. Menschen laufen schreiend auseinander. Vermummte Spezialeinsatzkommandos machen Jagd auf mehrere Attentäter. Ein Mann berichtet völlig aufgelöst von "fünf Tätern, die mit Kleinwaffen" gerade an ihm vorbeigelaufen seien. Sie hätten "eher europäisch ausgesehen als arabisch".

Der Informationsstand um diese Uhrzeit: Wohl ein Terroranschlag, viele Tote und Verletze, mehrere Täter und die noch flüchtig.

Es war ein Abend voller Panik und falscher Informationen. Langsam wird klar, was sich genau an diesem Freitagabend im Münchner Norden zugetragen hat.

Die fünf "Täter" an der U-Bahnstation Olympiazentrum waren Zivilpolizisten, die sichtbar bewaffnet unterwegs waren - und von dem Passanten für Terroristen gehalten wurden. Die Devise der Polizei lautete: nicht umkleiden, einschreiten. Weder die Polizei, noch die Medien oder die Anwohner wussten zu diesem Zeitpunkt, was sich in München gerade abspielt.

Die U-Bahnstation Olympiazentrum liegt Luftlinie mehr als einen Kilometer von den Tatorten entfernt.

Der Amoklauf des David S. beginnt im McDonald's in der Hanauer Straße. Um 17:52 Uhr gehen die ersten Notrufe bei der Polizei ein. David S. tötet hier mit einer Handfeuerwaffe fünf Menschen. Er läuft, mit der Waffe in der Hand, auf die Hanauer Straße und erschießt vor dem Schnellrestaurant zwei weitere Personen.

Eltern nicht vernehmungsfähig

Etwa eine Stunde später taucht von dieser Szene im Internet ein Video auf. Aufgrund dieses Videos geht der Vater des 18-Jährigen zur Polizei und benennt seinen Sohn als den Amokläufer. Bis heute sind seine Eltern nicht vernehmungsfähig, sagt Robert Heimberger, Präsident des Landeskriminalamts.

In diesem Video erkennt der Vater seinen Sohn.

(Foto: oH)

Ein paar Schritte vom Schnellrestaurant entfernt erschießt David S. vor dem Elekrogeschäft Saturn einen weiteren Menschen. Er läuft über die Straße in das benachbarte Olympia-Einkaufszentrum. 60 bis 70 Meter feuert er keinen weiteren Schuss ab - bis er an der Rolltreppe seinen letzten Mord begeht. Dann verliert sich zunächst seine Spur.

Um 20:11 Uhr geht die Münchner Polizei noch immer davon aus, dass es drei Attentäter gibt. Dann zeigt ein neues Video David S. auf dem Dach eines Parkhauses. Er diskutiert mit einem Anwohner, der auf einem Balkon steht, und feuert einen Schuss ab.

Eine Aufnahme des Attentäters David S. vom Balkon eines Wohnhochhauses, das auf dem Gelände des OEZ steht.

(Foto: Twitter)

Dann verlässt David S. das Parkdeck Richtung Norden und stößt auf eine zivile Polizeistreife. Einer der Polizisten schießt auf ihn, trifft aber nicht. Daraufhin erschießt sich David S. in der Henckystraße selbst.