Alter Baum Nachbarn organisieren Menschenkette gegen die Abholzung

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Die Bürgerinitiative lässt sich von der gescheiterten Petition nicht entmutigen - und plant eine neue Protestaktion zum Erhalt des Klinik-Parks in Wolfratshausen.

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Die mächtige Baumhasel im Park der Wolfratshauser Kreisklinik, deren ausladende, noch belaubte Äste am Donnerstag mit einer dicken Schicht Schnee bedeckt waren, ist ein Anblick erhabener Schönheit. Zahlreiche Nachbarn aber blicken in diesen Tagen mit Sorgen auf den großen alten Baum. Schließlich soll er nach den Plänen des Kreistags einem Gesundheitszentrum weichen, das die Zukunft der Kreisklinik durch Synergie-Effekte sichern soll. Vergangenen Sommer hat der Landkreis das Grundstück per Erbpacht dem Bauherren überlassen, der Münchner Schütz-Gruppe. Und die könnte nun den Baum fällen lassen. Bis Ende Februar ist das laut Naturschutzgesetz zulässig. Danach müssen Fällungen aus Gründen des Vogelschutzes bis Ende September unterbleiben.

"Es ist jetzt eine haarige Zeit", sagt Hans Schmidt, Grünen-Stadtrat in Wolfratshausen und unmittelbarer Nachbar des Klinikparks. Er beobachte das Geschehen dort "besonders wachsam", sagt er. Sollten er und seine Mitstreiter dort auffällige Aktivitäten bemerken, würden sie sofort eine Telefonkette starten. "Im Zweifelsfall rufen wir die Leute zusammen und bilden eine Menschenkette um den Baum", kündigt Schmidt an.

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Schmidt gehört zur Bürgerinitiative zur Rettung des Klinik-Parks, die im vergangenen Sommer innerhalb von zwei Wochen 834 Unterschriften gegen die Fällung des seltenen Baumes gesammelt hat. Eine entsprechende Petition hat er am Mittwoch im bayerischen Landtag vorgetragen, der sie jedoch abgelehnt hat. Der Landtag dürfe sich nicht in kommunale Angelegenheiten einmischen, lautete die Begründung. Immerhin kam der Petitionsausschuss jedoch der Bitte nach, eine Empfehlung an den Landkreis auszusprechen, die "ehrwürdige Baumhasel nicht anzutasten".

Ob die jedoch fruchtet, ist fraglich. Denn zu dem voraussichtlich vierstöckigen Gebäude, das die Schütz-Gruppe dort für eine psychiatrische und psychosomatische Tagesklinik des Bezirks, diverse Arztpraxen und eine private Intensivpflegestation für dauerbeatmete Patienten errichten will, gibt es zwar bislang nur eine formlose Voranfrage - ein Bauantrag liegt noch nicht vor. Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) hat jedoch schon verlauten lassen, dass eine Variante als Verlängerung des rückwärtigen Klinik-Trakts in West-Ost-Richtung mit dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde weitgehend abgestimmt sei. Gebaut würde also genau dort, wo sich der Baum befindet.

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Zwar böte auch die Grünfläche davor reichlich Platz für die geforderten 650 Quadratmeter Grundfläche. Dort aber befindet sich der Hubschrauberlandeplatz. Der ist, so sagt es Niedermaier, "sakrosankt für die Kreisklinik". Vorschläge, den Landeplatz auf dem Dach eines Neubaus neu zu errichten, hält Niedermaier für unrealistisch. Der jetzige Landeplatz genieße "quasi Bestandsschutz", ein Genehmigungsverfahren für einen neuen Luftlandeplatz sei sehr schwierig. Das habe er auch schon der Bürgerinitiative erklärt. Die Entscheidung für das Gesundheitszentrum im Kreistag sei Ergebnis eines Abwägungsprozesses, erklärt Niedermaier. Und der sei "für die Zukunft der Klinik und der Region und gegen den Baum" entschieden worden. Auch wenn der sehr alt und selten sei.

Schmidt aber bezweifelt Niedermaiers Aussagen. Er habe noch am Dienstag mit einem Sprecher der Schütz-Gruppe geredet. Der habe ihm gesagt, dass die Planungen noch lange nicht abgeschlossen seien und "auch noch nicht entschieden wurde, ob überhaupt gebaut wird". Niedermaier streue "den Bürgern Sand in die Augen, damit sie Ruhe geben", sagt Schmidt. "Wenn wir warten, ist alles zu spät." Zumal der Wolfratshauser Bauausschuss in der Sache nur angehört werde und keine Entscheidung treffe. Von der Schütz-Gruppe war am Donnerstag keine Stellungnahme zu erhalten.