Überzeugende Botschafterin Die hundertprozentige Bierkönigin

Die 23-Jährige Lena Hochstraßer genießt nicht nur die Reisen und anderen Annehmlichkeiten, sie geht in dem Amt förmlich auf. Nebenbei bedient die Romanistikstudentin aus Höhenrain noch im Münsinger Gasthof Limm.

Von Astrid Becker

Die beiden älteren Herren am Nebentisch im Münsinger Gasthaus Limm sind schwer beeindruckt. "So eine nette junge Frau, so charmant, so natürlich", schwärmen sie. Dann fällt ihr Blick auf die Postkarte, die vor ihnen auf dem Tisch an den Blumenschmuck angelehnt steht. "Mei, das sind ja Sie." Erschrocken nehmen die beiden Männer erst einmal einen großen Schluck aus ihren Weingläsern. Bier hätte auch recht gut zu dem bestellten Gulasch gepasst, kontert die so angesprochene Dame. Die junge Frau heißt Lena Hochstraßer und spricht aus berufenem Munde. Sie ist die amtierende Bayerische Bierkönigin - und ganz nebenbei bedient sie auch noch in dem Lokal.

Im vergangenen Mai hatte sich die mittlerweile 23-jährige Romanistikstudentin aus Höhenrain gegen ihre sechs Mitbewerberinnen im Wettbewerb um den Bierthron durchgesetzt. Eine ganze Menge hat sie seither erlebt, und "es ist noch viel schöner, als ich dachte", sagt sie. Gleich einen Tag nach ihrer Wahl hatte sie bereits ihren ersten Auftritt auf einem Volksfest in Markt Indersdorf - in dem Dirndl mit blauem Samtoberteil, das sie schon beim Finale im Deutschen Theater trug. Es stammt von der Münchner Trachtendesignerin Elisa Berzaghi-Freymann, die die Bierköniginnen in Bayern ausstattet. Eine Woche später durfte Lena Hochstraßer sie in ihrem Atelier aufsuchen, um sich dort das "G'wand" - wie es im Bairischen heißt - für ihre Amtszeit auszusuchen. Allein dies dürfte die Herzen manch' junger Frau höherschlagen lassen. Auch Lena Hochstraßer hat dies genossen, ebenso wie die Tatsache, dass sie als Bierkönigin einen Einser-BMW als Dienstfahrzeug zur Verfügung gestellt bekam.

Die Bierkönigin mit ihrer Mutter Josefine im Münsinger Gasthof Limm.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Doch das Wichtigste für sie sind nicht die äußerlichen Annehmlichkeiten dieses Amtes; es ist das, um was es geht, das Bier. Denn dieses Getränk ist ihre Leidenschaft. "Schon immer", sagt sie. Und wer sie über Bier erzählen hört, nimmt ihr das auch ab. Zum Beispiel, wenn sie sagt, sie wünsche sich für die Zukunft, dass die Brauer nicht nur mit den verschiedenen Hopfensorten experimentierten, sondern auch mit Braugerste. Im Juli habe sie an der Braugerstenrundfahrt ins Lechfeld (bei Augsburg) teilgenommen und sich dort über die verschiedenen, noch nicht zugelassenen Sorten informiert, die dort testweise angebaut würden: "Sehr spannend, auch wenn es bei der Gerste immer auch darauf ankommt, wie sie gedarrt und gemälzt wird."

Ums Bier ging es auch immer in ihren Treffen mit bayerischen Politikern wie Horst Seehofer, Ilse Aigner oder Helmut Brunner. Und ums Reinheitsgebot. Überrascht habe sie, wie sehr sogar die Politik daran festhalte: "Das ist toll und wichtig für unser Bier im ganzen Land, denn das ist ein besonderes Alleinstellungsmerkmal", findet sie. Doch am meisten schwärmt sie von ihren Brauereibesuchen, die sie so oft wie möglich absolviert. "Ich frag' den Braumeistern dann immer Löcher in den Bauch, und die wundern sich dann immer, was ich alles wissen will." Neulich erst habe ihr einer ganz viel über "Enzymatik" erzählt: "Der hat mich dann dauernd gefragt, ob er mich damit nicht langweilt. Dabei war das total spannend."

Aus dem Bilderbuch einer Bierkönigin: Lena Hochstraßer beim Fest der 100 Biere.

(Foto: privat)

Ein wenig wundert sie sich daher darüber, warum sie nie auf die Idee gekommen ist, selbst Brauwesen zu studieren. Denn wenn es nach ihr ginge, würde sie sich gern auch über ihre Amtszeit hinaus weiter mit Bier beschäftigen - wie ihre sieben Vorgängerinnen, die, wie Lena Hochstraßer sagt, alle dem Bier verbunden geblieben seien. Die eine als Braumeisterin, die andere als Bedienung auf der Wiesn, die eine als Frau eines Brauereidirektors, die andere in einem Tourismusverband, in dem es auch sehr stark um dieses Thema geht.

Lena Hochstraßer hat sie alle kennengelernt -erst vor kurzem traf sie bei der Grünen Woche in Berlin wieder einmal mit Tina-Christin Rüger aus Oberfranken zusammen, einer ihrer Vorgängerinnen. Mit ihr posiert sie sogar in einem Video auf Facebook, in dem beide unter anderem Craft-Biere letztlich als bayerische Tradition preisen. Darunter seien ja auch handwerklich gebraute, alte Bierstile zu verstehen, die es in Bayern schon immer gebe. Die Pflege sozialer Medien gehört eben auch zu ihren Aufgaben - ebenso wie das Vermarkten neuer Biertrends.

Hochstraßer auf dem Victoria Peak in Hongkong Island.

(Foto: privat)

Einer der wichtigsten Jobs dürfte aber das Anzapfen sein. So gehörte ein Anzapftraining am Beginn ihrer Amtszeit zum Programm. Zwei Schläge braucht sie mittlerweile nur mehr, dann fließt der Gerstensaft aus dem Fass. "Das mache ich total gern", sagt Hochstraßer, die ihre Kunst auch schon mal in Peking und Beirut unter Beweis stellte. Gerade ihr Aufenthalt mit Vertretern der deutschen Botschaft in der libanesischen Hauptstadt habe sie "mächtig beeindruckt". Die Menschen dort beschreibt sie als "unglaublich" liebenswürdig und weltoffen: "Da sitzen dann in einem Café drei Frauen - die eine ist vollständig in eine Burka gehüllt, die andere trägt Kopftuch, die Dritte Minirock - und rauchen gemeinsam Shisha." Und außerdem liebten die dortigen Einheimischen Bier über alles. Ganz verrückt seien sie danach, erzählt sie. Überhaupt nach Bayern. Ein libanesischer Opernsänger, der bei einem offiziellen Festakt in Beirut gesungen habe, sei sogar so begeistert gewesen, dass er die gesamte Delegation im Anschluss noch in sein "Opern Pub" entführte: "Das war mitten in der Nacht. Da ging es dann in seine Disco irgendwo im Hinterland in den Bergen." Lustig sei das gewesen, sagt sie.

Überhaupt verwendet sie das Wort "lustig" in ihren Erzählungen sehr oft. Egal, ob es um das "Oktoberfest mit Hafenblick" in Hongkong geht oder den Besuch des australischen Bierbloggers Tim Charody - mit ihm machte sie einen Abstecher zu "Kuchlbauers Bierwelt" in Abensberg: "Am Ende war er völlig fertig und musste noch zu einem anderen Termin. Da haben wir auf der Rückfahrt erst einmal eine Halbe Bier getrunken." Denn auch das gehört dazu: Bier, sagt die 23-Jährige, müsse man "wirklich" mögen in diesem Job. Und offenbar auch einiges darüber wissen. Denn eine Bierkönigin muss auch Bierverkostungen leiten können - zum Beispiel in Singapur, der letzten großen Reise in ihrem Amt, die die Höhenrainerin im März antreten wird. Im Mai stehen schon wieder Neuwahlen an: "Irgendwie schon ein bisschen traurig", sagt sie. Aber die Erinnerung wird bleiben, an Menschen, die sie sonst nicht getroffen hätte, an einzigartige Erlebnisse und ihr eigenes dunkles Weißbier, das sie zusammen mit drei ihrer Vorgängerinnen, Sabine-Anna Ullrich, Tina-Christin Rüger und Babsi Schmid, der ehemaligen Hallertauer Hopfenkönigin Sabrina Schmalhofer und der Bayerischen Milchkönigin Sonja Wagner, sowie der Bayerischen Milchprinzessin Melanie Maierhaben im Tölzer Mühlfeldbräu gebraut hat.

Eine Braugersten-Rundfahrt im Lechfeld.

(Foto: privat)

Derzeit wird es im Gasthof Limm ausgeschenkt. Die Postkarte mit der Bayerischen Bierkönigin, die dort auf dem Tisch steht, wirbt dafür. Die beiden Herren wollen diese Karte unbedingt mit nach Hause nehmen. Mit dem Autogramm der Bayerischen Bierkönigin. Als Dankeschön für die Signatur versprechen sie, das nächste Mal auch das "Bier der Hoheit" zu probieren. Es ist ihnen anzusehen, dass sie darauf hoffen, es von Lena Hochstraßer persönlich kredenzt zu bekommen. Möglich ist das: Die Bierkönigin bedient noch etwa einmal in der Woche dort. Mehr Zeit hat sie dafür im Moment nicht.