Runder Tisch zur S7-Verlängerung Staatsregierung zeigt sich offen für Tunnellösung

Die Bahn-Planer sollen bei der S7-Verlängerung die Variante des Wolfratshausers Hans Gärtner prüfen. Innenminister Herrmann stellt weiteres Geld des Freistaats in Aussicht.

Von Matthias Köpf

Eine S-Bahn im Bahnhof Wolfratshausen. Fährt sie bald bis Geretsried?

Die bayerische Staatsregierung gibt den Planern der S 7-Verlängerung nach Geretsried den Auftrag, eine vom Wolfratshauser Hans Gärtner vorgeschlagene Variante mit einem Gleistrog unter der Sauerlacher Straße zu prüfen und deren Kosten zu schätzen. So haben es am Mittwochabend die Teilnehmer des Rundem Tischs vereinbart, den Ministerpräsident Horst Seehofer im Sommer in Wolfratshausen versprochen hatte. Innenminister Joachim Herrmann stellte am Runden Tisch erstmals in Aussicht, dass sich der Freistaat an den zusätzlichen Kosten für eine Trog- oder Tunnellösung beteiligen könnte. Über konkrete Zahlen wurde noch nicht gesprochen.

Herrmann könne sich eine staatliche Beteiligung an den Tunnel-Mehrkosten "vorstellen, sofern sich auch die Städte Wolfratshausen und Geretsried und der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beteiligen", heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung. Nach Angaben mehrerer Teilnehmer richten sich viele Hoffnungen darauf, dass die Sauerlacher Straße eine Staatsstraße ist und der Freistaat so zusätzliches Geld für eine Lösung ausgeben könnte, die im Interesse eines reibungslosen Straßenverkehrs ohne die bisher geplante Bahnschranke auskommt. Eine solche Lösung wird in Wolfratshausen vehement gefordert, galt aber bisher für ein steuerfinanziertes Vorhaben als zu teuer.

Die Pläne, die das Wolfratshauser SPD-Mitglied Hans Gärtner vor einigen Wochen erstmals öffentlich präsentiert hat, ernteten am Runden Tisch hohe Anerkennung und wären wohl deutlich billiger zu verwirklichen als die Trog-Variante der Bahn-Planer. Doch auch Gärtners Lösung mit einem eingleisigen S-Bahn-Trog und oberirdischem Industriegleis nach Geretsried käme nach Auffassung des Runden Tischs auf ein Nutzen-Kosten-Verhältnis, das eine alleinige Finanzierung durch Bund und Land nicht zuließen.

Als Ausweg steht nun im Raum, dass beide für die Verlängerung direkt nur so viel Geld ausgeben, wie für die umstrittene Schrankenlösung mit dem nötigen Nutzen-Kosten-Faktor über dem entscheidenden Wert 1,0 nötig wäre. Die Geld für die Mehrkosten käme aus anderen staatlichen Töpfen, vom Landkreis und von den Städten, die das niedrige Zinsniveau für Kredite nutzen könnten. Beispiel für eine solche Finanzierung gewünschter Extras durch eine Kommune gebe in München und dem Umland mehrere.

All dies soll nach Angaben des CSU-Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber bei einem weiteren Treffen in zwei bis drei Monaten nochmals besprochen werden. Bis dahin sollen die Bahn-Planer Gärtners Ideen vertiefen und die Kosten schätzen. Dabei wird es allein um den Tiefbahnsteig unter der Sauerlacher Straße gehen. Dagegen verwarf der Runde Tisch den Gedanken, die Gleise mit einem Damm über eine abgesenkte Königsdorfer Straße zu führen, wodurch Gärtner einen Teil der Mehrkosten wieder hereinholen wollte.

Ein Straßentrog und ein - inklusive Lärmschutz - mehrere Meter hoher Bahndamm seien nicht vermittelbar, hieß es in der Runde. Ihr schien laut Ministeriums-Mitteilung eine durchgängige "Tieferlegung der Bahngleise unter die Sauerlacher Straße hinaus bis zur Königsdorfer Straße zielführend."

Allerdings läuft längst das Planfeststellungsverfahren für eine Verlängerung mit Schranke. Die zuletzt für den Frühsommer erwartete Erörterung der mehr als 700 Einwendungen verschiebt sich nun mindestens ins dritte Quartal, ein Beschluss ist für das laufende Jahr nicht mehr zu erwarten. Die Gärtner-Variante könnte als Änderung in das Verfahren eingehen. Dann wäre eine neuerliche Bürgerbeteiligung mit Gelegenheit zum Einspruch notwendig.