Utting Ammersee: Dada-Protest gegen Polizeibootshaus

"Tatort Dampfersteg": Worum es geht, wird nicht so ganz klar - Fakt ist, dass sich die Holzhausener ihren Humor nicht nehmen lassen wollen.

(Foto: Georgine Treybal)
  • Seit 14 Jahren sucht das Innenministerium einen Standort für ein Bootshaus für die Wasserpolizei am Ammersee.
  • Das Bootshaus soll nun 100 Meter vom Ufer Holzhausen entfernt liegen. Der Ort fürchtet um seine Erholungsschifffahrt.
  • Mit einer dadaistischen Faschings-Performance haben die Gegner nun ihre Positionen noch einmal klargemacht.
Von Armin Greune, Utting

Auch wenn sich das Polizeibootshaus an ihrem Dampfersteg wohl nicht mehr verhindern lässt - die Holzhauser sind noch lange nicht bereit, die Entscheidung des Bayerischen Innenministeriums für den Bau duldsam hinzunehmen. Mit einer fantasievollen Faschings-Performance machten die Gegner am Wochenende erneut ihre Positionen klar und trugen Argumente gegen das Vorhaben des Ministeriums vor. Mehr als 50 Protestierende hatten sich für einen Video-Drehtermin am "Tatort Dampfersteg" versammelt.

"Herr, lass Hirn regnen", fleht ein als Priester verkleideter Bootshausgegner mit seinem Plakat. Ein achtjähriger Bub im Asterix-Kostüm sammelt statt Römerhelme Polizeimützen, tatkräftig von Spiderman mit dem Netz unterstützt. Die Holzhauser Landwirtsfamilie Wilhelm probt einen neuen Bauernaufstand. Einem Kapitän, den seine Kopfbedeckung als Kommandanten eines russischen U-Boots ausweist, werden rosa Plüsch-Handschellen angelegt.

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Und beim "Probe-Anketten" am Steg üben ein Eisbär und ein rotes Riesenkaninchen schon einmal für den Maximal-Widerstand. "Wir wollten die Zähne wieder auseinanderkriegen und auch einmal über uns selber lachen", erklärt Daniel Fusban von der Initiative www.dampferstegholzhausen.de die leicht dadaistische Performance. Und verspricht noch weitere humorvolle Aktionen gegen das umstrittene Bootshaus, die dann gegebenenfalls mit Videos im Internet dokumentiert werden.

Zweieinhalb Jahre lang haben die Initiative und der Holzhauser Verein "Unser Dorf" gekämpft und dabei 2280 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Zu einer Gemeinderatssitzung, bei dem Polizei, Innenministerium und Staatliches Bauamt ihre Bootshauspläne vorstellten, fanden sich vor einem Jahr 250 protestierende Bürger im 430-Seelen-Dorf Holzhausen ein.

Die Kritik reichte dabei von der generellen Ablehnung der Polizeipräsenz auf dem Ammersee bis zur Infragestellung der Standortwahl. Vor allem aber wurde in Zweifel gestellt, warum das Polizeiboot WSP 7 unbedingt eine Behausung braucht - nachdem es 13 Sommer lang offen am Dießener Dampfersteg vertäut war. Die Behördenvertreter argumentierten, dass die Wasserschutzpolizei auch in den Wintermonaten einsatzbereit sein müsse und keine Verschmutzungen ihres Boots mehr befürchten wolle.

Der Uttinger Gemeinderat votierte gegen das Bootshaus - das Projekt ist aber gar nicht auf die Zustimmung der Kommune angewiesen, weil es sich auf außermärkischem Gebiet 100 Meter weit im Ammersee befindet. Im November forderte Utting in einem Brief an Innenminister Joachim Herrmann ein "nachhaltiges Nutzungskonzept", um sicherzustellen, dass der Steg auch mit Polizeibootshaus noch für Seenschifffahrt und Erholungssuchende geöffnet bleibt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung verlas Bürgermeister Josef Lutzenberger die Antwort. Darin sichert der Minister dies zu und schreibt wörtlich: "Die Nutzung durch die Polizei wird an der bisherigen Nutzung des Stegs nicht ändern."

Fusban hegt dennoch weiter Zweifel: "2005 hat man schon gesagt: Das Bootshaus brauchen wir nicht. Dieses Versprechen ist auch nicht eingehalten worden." Die Initiative hat daher Briefe an Ministerpräsident Horst Seehofer, Heimatminister Markus Söder und Landtagspräsidentin Barbara Stamm formuliert. Darin wird laut Fusban gefordert, dass "der Baukörper auf ein erträgliches Maß gestutzt wird und der öffentliche Zugang durch eine eindeutige Grunddienstbarkeit garantiert wird."

In der Gemeinderatssitzung am 23. Februar, die abermals ins BVS-Bildungszentrum Holzhausen verlegt wird, sollen nun die konkreten Baupläne vorgestellt werden. Für sie zeichnet der Uttinger Architekt Wolf-Eckart Lüps verantwortlich, der selbst mehrmals gegen das Bootshaus Stellung bezog und nun wenigstens das Schlimmste verhindern möchte.

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