Schweres Unwetter Land unter in Starnberg

Die Autofahrer quälen sich beim Gewitterregen auch in der Starnberger Moosstraße durch die Fluten und brauchen viel Zeit und Geduld, um ihr Ziel zu erreichen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Das Gewitter legt den Verkehr in der Kreisstadt und ihrer Umgebung lahm. Am Pilsensee muss die Suche nach einem Vermissten eingestellt werden.

Von Astrid Becker und Christian Deussing, Starnberg

Es ist eine wahre Sturzflut, die sich am Dienstagabend über die Kreisstadt und ihre unmittelbare Umgebung ergießt. Ersten Informationen zufolge sollen binnen einer Stunde etwa 40 bis 45 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sein. Die Feuerwehr ist an diesem Abend von 17.30 Uhr an im Dauereinsatz. Zeit, umfangreich Auskunft zu geben, hat sie nicht: "In Starnberg und Umgebung herrscht Land unter", sagt Anton Graf, Sprecher der Kreisbrandinspektion, nur kurz und knapp.

Gewitter und starker Regen hatten zuvor zu vielen Überschwemmungen in den Straßen und Unterführungen geführt. Die Feuerwehrleute müssen etliche Keller wieder auspumpen. Der Verkehr kommt in der Kreisstadt zeitweise komplett zum Erliegen. Wie die Polizei mitteilt, geht zeitweise am Tutzinger-Hof-Platz in der Hauptstraße in Richtung Weilheim gar nichts mehr, weil das Wasser nicht mehr in den Gullys ablaufen kann. Der neue Verkehrskreisel an der Staatsstraße zwischen Söcking und Perchting wird gegen 18.15 Uhr wegen der Wassermassen gesperrt. Am Maxhof-Kreisel wird daher der Verkehr umgeleitet. "Das ist das größte Problem, das wir derzeit haben", sagt Graf gegen 19.15 Uhr. "Ein Ende ist nicht abzusehen." Das Technische Hilfswerk Starnberg (THW) liefert Sandsäcke in das Stadtgebiet aus - es geht wohl darum, die Wassermassen einzudämmen und die Anlieger zu schützen.

Auch im Starnberger Gewerbegebiet stehen die Moosstraße und teilweise auch die Petersbrunner Straße unter Wasser. "Das ist wie ein Fluss", sagt ein entnervter Autofahrer, der im Stau stecken blieb. In Percha bilden sich um diese Zeit lange Staus in Richtung Autobahn. Zudem kommt es teilweise zu massiven Behinderungen in Gauting im Bereich der Pippinplatz-Unterführung wegen der Überschwemmungen. Hier soll sich die Lage aber relativ schnell wieder beruhigt haben. Auch in Gilching muss die Feuerwehr ausrücken: Die Unterführung an der Römerstraße ist überflutet, und viele Keller, unter anderem im Herrschinger Weg, müssen ausgepumpt werden. Mehr als 20 Mal rückt die Feuerwehr innerhalb kürzester Zeit aus - unter anderem auch in Maising, Krailling und Pöcking.

Besonders tragische Szenen spielen sich am Pilsensee ab: Hier müssen 40 Einsatzkräfte der Wasserwacht Pilsensee sowie die Schnelleinsatzgruppen von Seefeld und Grafrath gegen 16 Uhr wegen der Sturmhauptwarnung die groß angelegte Suche nach einem vermissten Angler einstellen. "Uns blieb keine andere Wahl, wenn wir uns nicht selbst in Gefahr bringen wollten", so Einsatzleiter Ludwig Zitzelsberger weiter. Der 60-Jährige gilt auch am Dienstagabend noch als vermisst.