Artenschutz So baut man ein Bienen-Hotel

Alle helfen mit: Lilo und Nele bekommen ein wenig Unterstützung von ihrem Vater Sebastian Paradiek beim Zusammennageln der Bretter.

(Foto: Nila Thiel)

Die kleinen und lebenswichtigen Bestäuber sind bedroht. Dabei braucht es nicht viel, damit sie sich wohlfühlen - ein paar Bretter, Schilf und vielleicht Tannenzapfen. Das schaffen sogar Kinder.

Von Florine Pfleger, Gauting

Noch passiert es in weiter Ferne. Mit Wattebäuschchen balancieren sie zwischen den Ästen und tupfen getrocknete Pollen in die Blüten, um sie zu bestäuben. "Menschliche Bienen" nennt man die Hilfsarbeiter in China, im Land der Extreme, das so gar nichts mit Deutschland tun hat. Oder doch?

Jürgen Schade erzählt davon in Gauting, wo der Grünen-Sprecher am Bahnhof Insektenhotels baut, um auf das große Bienensterben vor unseren Türen aufmerksam zu machen. "Das Bewusstsein ist zwar schon stark gestiegen, muss aber noch weiter steigen", sagt Schade. Schaffen will er das heute mit echter Handarbeit statt mit einem Vortrag. Die Insektenhotels sollen später Waldbienen und anderen Tieren als Nistmöglichkeit dienen.

Kaffee und Kuchen stehen auf der einen, die Hotelbauer auf der anderen Seite. Der zehnjährige Felix ist einer der jüngeren Mithelfer. Zwei Insektenhotels stünden schon in seinem Garten, erzählt er, aber beide seien vom Discounter. Dort bekommt man sie ab 9,99 Euro, was ungefähr dem Preis der selbst zusammengezimmerten entsprechen soll. Mehrere Wochen lang hat Schade mit seiner Frau Heidi Köbele Schilf, Holz, Tannenzapfen und Schneckenhäuser gesammelt, um sechs Hotels damit zu füllen. Die Holzwände hat er im Laden besorgt.

Insektenhotel selbst gemacht.

(Foto: Nila Thiel)

Wichtig sei beim Bau vor allem, dass die Löcher zum Einnisten nicht zu faserig seien, denn daran können sich Bienen die Flügel verletzen. Außerdem der Maschendraht vor dem Haus als Schutz vor pickenden Vögeln. Zu Hause hat Schade bereits eines zum Test gebaut, die elfjährige Nachbarin Emily hat ihn dabei beobachtet, jetzt hantiert sie neben Max. Auch in der Schule sei das Bienenproblem schon besprochen worden, sagt sie.

Neben Insektenhotels kann man den Bienen auch auf andere Weise Gutes tun: kein ständiges Rasenmähen, keine schädlichen Pflanzenschutzmittel, Blumen pflanzen, die Bienen mögen. Samen für solche Blumen hat Schade auf dem Holztisch neben dem Kaffee ausliegen, außerdem ein Haufen Flyer. Die zeigen das, was sich im Großen ändern muss: die Agrarpolitik und vor allem das, was die Bienen in Scharen killt - Pestizide. Drei Gifte der Gruppe der Neonicotinoide seien zwar von der EU verboten worden, sagt die Kreis- und Gemeinderätin der Grünen, Anne Franke, das seien aber nur die übelsten. Diese Mittel griffen das Nervensystem der Bienen dermaßen an, dass sie vor Orientierungslosigkeit nicht nach Hause fänden und dann verhungerten.

Jürgen Schade ( v.l.), Heidi Köbele, Matthias Ilg und Anne Franke bohren die Schlupflöcher für die Insekten ins Holz.

(Foto: Nila Thiel)

Der Ruf der Grünen geht Richtung EU. In Berlin träumt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von Bienenstöcken auf den Dächern der Ministerien. Jeder könne ein Insektenhotel in seinem Garten, auf dem Balkon oder Hausdach einrichten. Wenn es dabei bleibt, können wir China näher kommen, als es uns lieb ist.