Seehofer in Israel Gedenken im Land der Opfer

Die Erinnerung soll gepflegt werden: Bei einer Feier in Israel bekräftigt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer die Pläne für eine Gedenkstätte. Damit setzt er Münchens OB Christian Ude unter Druck.

Von Mike Szymanski

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat am Rande der Gedenkfeier in Israel den Angehörigen und Überlebenden des Olympia-Attentats von 1972 erneut die Errichtung einer Gedenkstätte in München zugesagt. "Die Erinnerung und das Gedenken an den barbarischen Akt müssen weiter gepflegt werden", sagte Seehofer. "Wir werden als Freistaat Wert legen auf diesen Gedenkraum", ungeachtet der Bedenken, die die Stadtspitze gegen das Projekt hat. Am Abend wollte Seehofer vor mehreren hundert Teilnehmern einer Gedenkfeier in Tel Aviv sprechen und einen Kranz niederlegen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer mit Kippa beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem.

(Foto: dpa)

Mit dem Gedenkakt in Israel findet die Aufarbeitung des Attentats nun im Heimatland der Opfer ihre Fortsetzung. Am 5. September 1972 waren palästinensische Terroristen ins olympische Dorf eingedrungen und hatten israelische Athleten als Geiseln genommen. Der Anschlag endete auf dem Flughafen von Fürstenfeldbruck in einem Blutbad. Dort war vergangene Woche bereits der Opfer in einer bewegenden Zeremonie gedacht worden.

Mit seinem Vorstoß in Israel setzt Seehofer Münchens OB Christian Ude (SPD) unter Druck. Ude ist bislang zurückhaltend, was einen Gedenkraum angeht. Bislang gebe es "weder einen Standort, noch ein Konzept, noch einen Träger, noch eine Finanzierung", sagte er kürzlich. "Wir sollten jetzt nicht über Finanzen reden, sondern über Konzepte", erklärt dagegen Seehofer. Er könne nicht verstehen, wieso sich die Stadtspitze nun überrascht zeige, mit welcher Vehemenz die Idee in Angriff genommen werde. "Vom Grundsatz her" sei das Vorhaben mit allen abgesprochen worden.

Einen Rückzug von der Idee einer Gedenkstätte kann man sich nach diesen Festlegungen kaum noch erlauben. Die Atmosphäre ist ohnehin angespannt. Angehörige der Opfer und Vertreter der jüdischen Gemeinden hatten im Zuge der Gedenkfeiern bereits das Vorgehen der Sicherheitsbehörden sowie den Umgang des Internationalen Olympischen Komitees mit dem Attentat scharf kritisiert. Wie sehr die Erinnerungen an den brutalen Überfall heute noch die Israelis aufwühlen, bekam Seehofer bei seiner Reise zu spüren. Parlamentspräsident Reuven Rivlin sagte: "Ich möchte mich bedanken, dass sie mit einer Zeremonie der israelischen Sportler gedacht haben." Das deutsch-israelische Verhältnis wird derzeit durch eine ganze Reihe von Streitthemen wie den Waffengeschäften der Bundesregierung und der Debatte um die Beschneidungspraxis in Deutschland strapaziert. Rivlin wollte ebenfalls auf der Gedenkfeier am Abend sprechen.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), der Seehofer auf seiner Reise begleitet, soll die Arbeit an einer Gedenkstätte nun koordinieren. Er kündigte an, einen Fachbeirat gründen zu wollen. Dieses Gremium soll ein Konzept für die Gedenkstätte erarbeiten, in der die Biografien der Opfer im Mittelpunkt stehen werden. Er könne sich vorstellen, israelische Historiker in diese Runde aufzunehmen, sagte Spaenle.

Dem Wunsch der Angehörigen nach Offenlegung sämtlicher Akten zum Attentat sei er nachgekommen, indem er sich in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel dafür eingesetzt habe, erklärte Seehofer. Innenminister Joachim Herrmann und Justizministerien Beate Merk bat er, zu prüfen, inwieweit der Freistaat Dokumente offenlegen könne.