Schlafschule Wo man Schlafen lernen kann

Bei der Lichttherapie blendet Fachkrankenschwester Andrea Häßlein vom Max-Planck-Insitut am Scheidplatz die Schlafschüler mit 10 000 Lux.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Schlaflosigkeit ist eines der häufigsten Anzeichen für eine Depression.
  • In einem Max-Planck-Institut lernen Patienten, was sie dagegen tun können.
Von Victoria Michalczak

"Ich erzähle jetzt mal, was ich weiß", beginnt Andrea Häßlein die Sitzung und teilt einige Blätter aus. Dann zeigt die Fachkrankenschwester für Psychiatrie auf ein Gerät neben sich, das aussieht wie ein abgesägtes weißes Surfbrett in einer Ladestation. Nachdem sie einiges vom Blatt vorgelesen hat über das Schlafhormon Melantonin, dreht Häßlein am Drehknopf des Geräts. 10 000 Lux blenden die Anwesenden in dem modernen, schmucklosen Konferenzraum in der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychatrie am Scheidplatz.

Die Tageslichtlampe dient der Lichttherapie. Die Patienten mit depressiven Erkrankungen, die hier um den hellen Steintisch herumsitzen, haben Schlafstörungen, eines der häufigsten Symptome für eine Depression. Jeden Tag sollen sie morgens spazieren gehen oder sich vor eine der Tageslichtlampen auf den Stationen setzen, davon werde der Schlafrhythmus besser, erklärt Andrea Häßlein.

Acht Teilnehmer sind an diesem Tag in die Schlafschule gekommen, zwei Frauen und sechs Männer. Alle Altersstufen sind vertreten, vom Teenager bis zur Seniorin. Sie alle wollen hier lernen, ihre Schlafstörungen zu bewältigen. Eine Frau berichtet, sie habe ihrem Arzt gezielt von der Klinik im Max-Planck-Institut erzählt. "Ich hatte im Internet schon von der Schlafschule gelesen und wollte unbedingt mitmachen", sagt die 39-Jährige.

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Sie war bereits vor dem Klinikaufenthalt wegen ihrer Depression krankgeschrieben, schon länger plagten sie Schlafstörungen. Aber dann, in den letzten Wochen, war es schon viel, wenn sie zwei Stunden Schlaf pro Nacht bekam. "Da habe ich es nicht mehr ausgehalten. Mich hat das fertiggemacht", sagt die zierliche Person mit leiser Stimme.

Seit sechs Wochen ist sie nun in der Klinik und besucht immer dienstags und donnerstags die Treffen der Schlafschule. Tatsächlich kann sie jetzt endlich wieder ein- und durchschlafen. Sie hält sich an die Tipps aus dem Seminar und will das auch nach dem Klinikaufenthalt beibehalten, zum Beispiel nicht mehr mit dem Partner im Bett streiten oder abends noch lange am Bildschirm sitzen.

Schlafen ist oft gar nicht so leicht, wie es aussieht.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Andrea Häßlein kommt jetzt zum zweiten Teil des Vortrags, der sogenannten Schlafhygiene. "Haben Sie davon schon einmal etwas gehört?", fragt sie in die Runde? "Geduscht ins Bett gehen?", witzelt ein Teilnehmer. Nicht ganz. Schlafhygiene bezeichnet die Angewohnheit, das Bett und das Schlafzimmer ausschließlich zum Schlafen zu benutzen. Dadurch soll man es auch nur mit Schlaf assoziieren und in der Folge leichter einschlafen. Außerdem solle man nachts nicht auf die Uhr sehen, das führe wiederum zu Stress.

Vier Tage am Stück ohne Schlaf - und trotzdem nicht müde

Auch der nächtliche Gang zum Kühlschrank beim Aufwachen sei nicht förderlich, heißt es auf dem Informationsblatt zur Schlafhygiene. Zweimal wöchentlich findet der Kurs statt, die Module dauern jeweils zwei Wochen und behandeln verschiedene Themen, zum Beispiel Schlafstufen, Schlafmythen, Powernapping oder Medikamente als Einschlafhilfen. Zum Schluss gibt es eine praktische Übung zur Entspannung.

Ein junger Mann erzählt, er habe vier Tage am Stück nicht geschlafen. Daraufhin sei er zu seinem Psychiater gegangen, und der habe ihn in die Klinik geschickt. "Ich war aber gar nicht müde", erzählt der 19-Jährige. "Ich habe eine Manie, da fühlt man sich auch gut und ist ganz wach", erklärt er. Anfangs hat er dann auch in der Klinik nur zwei bis drei Stunden pro Nacht geschlafen. Erst langsam wird es besser. Er ist zum ersten Mal im Kurs.

"Manche Sachen fand ich schon hilfreich", findet der junge Mann. Eine andere Patientin sagt, die Schlafschule mache ihr richtig Spaß, deshalb möchte sie auch alle vier Module besuchen. Sie lobt die persönliche Betreuung durch Andrea Häßlein. Die habe ihr besonders geholfen: "Zu Anfang in der akuten Phase war sie ja wirklich nahezu täglich bei mir. Das fand ich toll."

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