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Studie:Gähn-Forschung

Loungemusik oder Bier - Bei Schlafstörungen hilft jedem anderes

Gerecht bezahlt, gut geschlafen.

(Foto: Franziska Koark/dpa)

Wer sich schlecht bezahlt fühlt, findet nachts keine Ruhe. Dabei spielt die absolute Höhe des Gehalts keine Rolle. Schlafraubend ist allein Ungerechtigkeit. Solcher Alltagsfragen nehmen Ökonomen sich immer öfter an.

Geld ist mehr als einfach nur Geld. Wer das glaubt, darf sich durch eine neue Studie bestätigt fühlen. Demnach wirkt sich das Geld, das jemand für seine Arbeit erhält, stärker auf den Alltag aus als bisher bekannt. Wer sich unfair entlohnt fühlt, schläft schlechter. Die Chance, dass ein Arzt Schlafstörungen diagnostiziert, ist dann sogar um bis zu 36 Prozent höher.

Was Menschen nachts Ruhe finden lässt, interessierte Ökonomen lange Zeit kaum, stellt Studienautor Christian Pfeifer von der Uni Lüneburg fest. Obwohl sich Volkswirte seit Gary Becker und den Sechzigern mit dem Alltag beschäftigten, ignorierten sie den Schlaf. Das änderte sich erst in den vergangenen Jahren, sagt Pfeifer. So zeigten Forscher, dass Menschen nachts kürzer ruhen, wenn sie viel arbeiten. Und: Überlastung, stupide Tätigkeiten und Konflikte mit der beruflichen Rolle behindern das Einschlafen.

Der Lüneburger Ökonom ergänzt die Gähn-Forschung nun um einen weiteren Aspekt. Er nahm sich deutsche Daten aus dem Sozio-Ökonomischen Panel von 2009 bis 2013 und analysiert: Wer sich unfair entlohnt fühlt, erreicht seltener eine normale Nachtruhe von sieben bis neun Stunden. Je mehr Stunden einer pro Woche arbeitet, desto größer das Problem.

Pfeifers Befunde haben potenziell gravierende Konsequenzen. Denn zahlreiche Untersuchungen belegen, was Schlafmangel auslösten kann: Lkw-Fahrer nicken häufiger am Steuer ein, Ärzte pfuschen mehr und Arbeitsunfälle nehmen zu. Außerdem steigert zu kurze Nachtruhe die Gefahr, etwa an Herzleiden und Kreislaufbeschwerden zu erkranken.

Dazu kommt, dass unfair empfundenen Löhnen in der Wissenschaft weitere Nachteile zugeschrieben werden, seit zum Beispiel die heutige US-Notenbankchefin Janet Yellen die Debatte in den Neunziger Jahren eröffnete. So behaupten jüngere Studien, ungerechte Bezahlung mache dicker und unproduktiver. Und sie erhöhe das Risiko für hohen Blutdruck, Diabetes und Herzkrankheiten.

Pfeifers Erkenntnisse legen nahe, dass es gar nicht so schwierig wäre, das zu vermeiden. Denn ob jemand gut schläft, hängt nicht mit der absoluten Höhe seines Lohns zusammen, sondern nur damit, ob der als gerecht empfunden wird. Bekanntlich ist der Unterschied zwischen Topmanagern und Normalverdienern zuletzt immer größer geworden. Wenn eine Firma die Differenzen reduziert, ohne insgesamt mehr für Löhne auszugeben, würden Normalverdiener besser schlafen. Und wären produktiver.

© SZ vom 24.09.2015
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