Prozess Mafiöses System auf dem Wertstoffhof

Nach einer Polizeirazzia im Frühjahr 2014 mussten zahlreiche Wertstoffhöfe erst einmal geschlossen bleiben.

(Foto: Florian Peljak)
  • Acht frühere Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs München müssen sich vor dem Amtsgericht wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit in 64 Fällen verantworten.
  • Zwei Hehler wurden bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt.
  • Der Korruptionsskandal an den zwölf Münchner Wertstoffhöfen war bei einer Polizeirazzia im Frühjahr 2014 ans Licht gekommen.
Von Susi Wimmer

"Entweder mitmachen, oder Du wirst keine Freunde hier haben." So in etwa funktionierte die Wertstoffhof-Mafia, die jahrelang auf Münchner Höfen brauchbare Gegenstände abzweigte und an Gebrauchtwarenhändler verkaufte. Zwei Hehler wurden bereits vom Gericht zu Bewährungsstrafen verurteilt, nun stehen acht Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs München vor dem Amtsgericht.

Sie müssen sich wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit in 64 Fällen verantworten. Drei Männer zeigten sich zum Auftakt der Verhandlung geständig und kamen mit Bewährungs- beziehungsweise Geldstrafen davon. Gegen den Rest der Gruppe wird gesondert verhandelt.

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Acht Angeklagte, acht Rechtsvertreter - der Saal im Amtsgericht war am Montagmorgen gut gefüllt. Doch kaum begonnen, zogen sich Gericht, Verteidiger und die Staatsanwältin zu einem Gespräch zurück. Mit dem Ergebnis einer Teileinigung. Bei einem Geständnis werde man zwei der Angeklagten zu Bewährungsstrafen von acht bis zwölf Monaten sowie 60 bis 90 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilen, den Dritten zu einer Geldstrafe von 90 bis 150 Tagessätzen. Mit den anderen Angeklagten sei es zu keiner Einigung gekommen, gegen sie werde am 30. Januar weiter verhandelt.

Wie das System funktionierte, schilderte der Angeklagte David R. Er begann seine Arbeit im Jahr 2008 am Wertstoffhof in Nymphenburg. "Da war es schon so." Er bekam zusätzlich zum Gehalt von seinem Chef im Wertstoffhof Geld zugesteckt. Das Geld kam von den beiden Gebrauchtwarenhändlern. Die standen in gutem Kontakt mit den Mitarbeitern auf den Wertstoffhöfen, vor allem mit den Platzwarten.

"Die Händler kamen etwa zwei bis drei Mal in der Woche, haben in den Containern geschaut, was brauchbar ist und haben dann mit dem Platzwart über den Preis verhandelt", erzählt der 29-Jährige. Dass er bei seiner Einstellung unterschrieben habe, dass er kein Geld annehmen und die angelieferten Waren nicht verkaufen dürfe, das sei ihm schon bewusst gewesen. "Aber die haben mir ganz schnell klar gemacht, dass ich mir Feinde machen werde, wenn ich nicht mitspiele."

Das System hat sich geändert

Ob Fotoapparate, Handys, Mini-Stereo-Anlagen, Skier, Kühlschränke oder Kinderwägen: Zwischen Dezember 2012 und März 2014 machten die Händler auf den Wertstoffhöfen ein gutes Geschäft. Gut 4400 Euro verdienten sie laut Staatsanwaltschaft im Monat, bei ihren Besuchen ließen sie auf den Wertstoffhöfen etwa 250 Euro für die Mitarbeiter zurück, die diese dann untereinander aufteilten.

Der Korruptionsskandal an den zwölf Münchner Wertstoffhöfen war bei einer Polizeirazzia im Frühjahr 2014 ans Licht gekommen. Seitdem hat sich an den Sammelstellen einiges geändert. Auf den Höfen wurden Videoanlagen zur Überwachung installiert, außerdem sollen die Mitarbeiter regelmäßig rotieren.

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