Parkraumquartiere Stadtrat weist sieben zusätzliche Parklizenzgebiete aus

Wohin mit dem Auto, wenn es keine Parkplätze gibt? Die Situation soll sich zumindest in einigen Teilen der Stadt bald verbessern.

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  • Leichter parken - aber nicht überall: Der Stadtrat weist sieben zusätzliche Lizenzgebiete aus, in denen die Anlieger bevorzugt werden.
  • Anderenorts müssen die Anwohner weiter lange um den Block kurven und auf neue Untersuchungen hoffen.
  • Viele Beschwerden könnten die Sache allerdings beschleunigen.
Von Renate Winkler-Schlang

Schlimmer als mit dem Auto im Stau zu stehen ist für einen Fahrer nur, es am Wohnort nirgends abstellen zu können. Die Zahl der Autos steigt, Parkraum vermehrt sich kaum. Weil der Suchverkehr alle nervt, die Stadt auch wegen des Feinstaubs private Fahrten reduzieren will, die Innenstadt für den Wirtschaftsverkehr aber immer noch erreichbar sein muss, gibt es Parklizenzgebiete.

Die Parklizenz gilt als eines der wichtigsten Instrumente der Münchner Verkehrspolitik. Bezirksausschüsse, mit massenhaft Anwohnerbeschwerden konfrontiert, rufen immer wieder nach neuen Lizenzgebieten, in denen die Anlieger bevorzugt werden. Der Stadtrat hat nun die vom Planungsreferat erarbeitete aktuelle Fortschreibung des Programms verabschiedet, ein dickes Papier.

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Die 62 existierenden Parklizenzgebiete umfassen 75 500 Plätze am Tag und 77 500 in der Nacht. Ging es dabei bisher nur um Gebiete innerhalb des Mittleren Rings, zeigt sich nun zunehmend auch außerhalb des Rings der Bedarf nach einer ordnenden Hand, sei es in Stadtteilzentren oder aber direkt an der Grenze zum Ring, wo sich Verdrängungseffekte bemerkbar machen. Neue Gebiete aber sind nur dort zulässig, wo mangels privater Stellflächen und aufgrund des erheblichen Parkdrucks in einem Quartier "regelmäßig" die Nachfrage das Angebot übersteigt. Auch in Großstädten darf eine Zone nicht breiter oder länger sein als einen Kilometer. Nach umfangreichen Untersuchungen und Zählungen hat das Planungsreferat Prioritäten gesetzt.

Das kommt

Die Untersuchungsgebiete Alte Heide, Rotkreuzplatz I und II und Thalkirchen erfüllen die nötigen Kriterien. Die Gegend um den Rotkreuzplatz etwa ist laut der Studie "flächendeckend überlastet". Rotkreuzplatz I wird umfasst von Südlicher Auffahrtsallee, St.-Gallener-, Dom-Pedro-Straße, Landshuter Allee, Leonrod-, Wendl-Dietrich- und Renatastraße; Rotkreuzplatz II von Wendl-Dietrich-Straße, Rotkreuzplatz, Leonrodstraße, Landshuter Allee, Arnulf- und Renatastraße.

Auch in Thalkirchen kurven die Autos oft vergebens auf der Suche nach einer Lücke, auf Privatgrund ist ebenfalls kein ausreichendes Angebot vorhanden. Lizenzgebiet wird der Bereich Am Isarkanal, Fraunberg-, Münchner Straße, Greinerberg, Axel-von-Ambesser-Straße. Alte Heide ist ein Gebiet, in dem bisher oft eine Parkscheibe gefordert ist, doch das reicht offenbar auch nicht, um Fluktuation zu gewährleisten. Lizenziert werden Bereiche innerhalb Domagk-, Ungerer-, Guericke-, Fröttmaninger und Grünecker Straße.

Das Gebiet Schönstraße muss, da größer als einen Kilometer, unterteilt werden in Nord und Süd. Nord wird umfasst von Candidstraße, Candidplatz, Auer Mühlbach, Örtlinweg und Isar; Süd von Örtlinweg, Auer Mühlbach, Mörike-, Siebenbrunner-, Alemannenstraße und Isar. Auch rund um den Wettersteinplatz wird, obwohl hier die Einrichtung einer Anwohnergarage geprüft wird, eine Lizenzierung empfohlen.

Das wird zurückgestellt

Die Überprüfung der Gerberau in Allach soll erst nach Bebauung des MAN-Parkplatzes erfolgen. Harthof I und II erfüllen derzeit die Bedingungen nicht, das Quartier soll aber wieder genau angeschaut werden, wenn man die Auswirkungen des FIZ, des Forschungs- und Innovationszentrums von BMW, messen kann. In Pasing sind zwar die Bauarbeiten im Zentrum abgeschlossen, doch erfahrungsgemäß dauert es eine geraume Zeit, bis sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer umgestellt hat, daher soll auch über Pasing Nord und Süd erst später entschieden werden.

In Bogenhausen sind die Holbeinstraße und Mühlbaurstraße stundenweise überlastet, die Parkstadt Bogenhausen würde die Kriterien nicht erfüllen, doch nur mit ihr könnte insgesamt ein sinnvoller Zuschnitt entstehen. Also wird alles vertagt - was auch im Sinne des Bezirksausschusses und einer Einwohnerinfoversammlung war. Am Scharfreiterplatz in Giesing wartet man die Entwicklung des Agfa-Geländes ab, und auch in Milbertshofen sollen neuere Daten erhoben werden. Das also sind Viertel, in denen die Stadt die Lage beobachtet und sich die Bewohner immerhin langfristig Hoffnung auf Besserung machen können.

Hier werden die Kriterien nicht erfüllt

Die rechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt werden hingegen in den Untersuchungsgebieten Auensiedlung, Carl-Orff-Bogen, Fürstenried-West, Gern, Harnierplatz/Frankplatz, Klinikum Schwabing, Laimer Platz, Milbertshofen II, S-Bahnhof Allach und Olympia-Einkaufszentrum. Meist gibt es dort eine ausreichende Zahl privater Stellplätze. Daher sieht die Stadt keinen Handlungsbedarf.

Hier besteht "besonderer Handlungsbedarf"

Es kommt jedoch vor in München, dass in Neubaugebieten zwar eine ausreichende Zahl von Parkplätzen eingeplant worden ist, aber dennoch hoher Parkdruck besteht - etwa durch angrenzende Firmen oder wegen U- und S-Bahn-Haltestellen. Innerhalb des Mittleren Rings sind dies Rosa-Luxemburg-Platz, Arnulfpark, Ackermannbogen und Bavariapark. Diese werden so weit wie möglich bestehenden, benachbarten Lizenzarealen zugeschlagen: Vergrößert werden also dadurch die Gebiete Ebenau, St.-Vinzenz-Viertel und Marsfeld, Winzererstraße, Herzog-Ernst-Platz, Ridlerstraße und Theresienhöhe.

Außerhalb des Mittleren Rings besteht Handlungsbedarf in der Parkstadt Schwabing und bald auch im Domagkpark. Lizenzgebiete sind hier rechtlich nicht erlaubt, man will sich mit Parkscheiben- und Parkgebührenpflicht behelfen.

Doch damit ist das Programm längst nicht am Ende, die nächste Fortschreibung des Katalogs ist bereits ins Auge gefasst. Maßgeblich für die Auswahl neuer Untersuchungsgebiete ist laut Stadt "die vorhandene Beschwerdelage vor Ort". In fast jedem Stadtbezirk außerhalb des Rings deuten sich schon weitere Park-Brennpunkte an - eine Mammutaufgabe.

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