Münchens OB-Kandidat Reiter und der FC Bayern Günstige Verbindung

Der FC Bayern spendierte Münchens Wirtschaftsreferent Dieter Reiter Ticket, Flug und Hotel für das Champions-League-Finale in London, obwohl städtische Mitarbeiter keine Geschenke annehmen dürfen. Doch das kümmert den SPD-Oberbürgermeisterkandidaten nicht, im Gegenteil.

Von Silke Lode und Frank Müller

Dieter Reiter ist ein leidenschaftlicher Fan des FC Bayern München, daraus macht der Wirtschaftsreferent und OB-Kandidat der SPD keinen Hehl. Deshalb überraschte es zunächst nicht, dass nicht Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), seit Jahrzehnten ein Löwen-Anhänger, sondern Reiter nach London zum Champions-League Finale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund gefahren ist. Doch wie die Süddeutsche Zeitung nun erfahren hat, hat Reiter sich vom FC Bayern zu weit mehr als dem Besuch im Wembley-Stadion am 25. Mai einladen lassen. Der SPD-Politiker bestätigt, dass ihm auch der Flug, die Übernachtung und die Feier nach dem Spiel von dem Fußballklub bezahlt worden sind. Reiter sei nicht als offizieller Vertreter der Stadt nach London gereist, heißt es aus dem Wirtschaftsreferat - sondern auf persönliche Einladung.

Reiter hält die Angelegenheit für unproblematisch: "Ich habe das getan, was man von mir als Wirtschaftsreferent erwarten kann: Die Einladung eines renommierten Unternehmens angenommen. Und ich habe das getan, was man als Beamter tut: Ich habe meinen Vorgesetzten, den Oberbürgermeister, um Erlaubnis gefragt."

Ude bestätigt, dass er Reiters Reise genehmigt hat - und nicht nur die. Auch der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, Lorin Maazel, und deren Intendant Paul Müller durften ihre Einladungen annehmen. Ude argumentiert mit einem "Jahrhundertereignis" - und damit, dass die Einladungen "im Zusammenhang mit einem Engagement für Veranstaltungen des FC Bayern" stünden.

Die Philharmoniker hatten für die Bayern vor der Triple-Chance eigens ein Ständchen aufgenommen, das im Internet ein großer Erfolg war. Reiter hat sich dafür eingesetzt, dass das Finale in München bei Public-Viewing-Veranstaltungen gezeigt werden durfte. Auch bei anderen Projekten arbeitet er regelmäßig mit dem FC Bayern zusammen.

Geschenke sind genehmigungspflichtig

Die London-Reise steht allerdings im Gegensatz zu den Richtlinien, die für städtische Mitarbeiter gelten - und damit zumindest für Dieter Reiter und Paul Müller. So sind alle Geschenke, die mehr als 15 Euro wert sind, genehmigungspflichtig. Die Annahme von Flugtickets ist grundsätzlich verboten, Hotelkosten dürfen nur bezahlt werden, wenn jemand als Moderator oder Referent an einer Veranstaltung teilnimmt.

Diese Regeln gelten auch für städtische Spitzenbeamte wie Reiter - das hat OB Ude vor gut einem Jahr klargestellt. Bewirtungen seien "im angemessenen Rahmen" in Ordnung, ansonsten hatte Ude "das nötige Fingerspitzengefühl" angemahnt. Die Einladung des FC Bayern dürfte indes eine vierstellige Summe wert sein, allein für das Bankett nach dem Spiel haben Selbstzahler 400 Euro berappt.

In prominenter Gesellschaft

Reiter war nicht der einzige bayerische Politiker im Wembley-Stadion. Ebenfalls angereist waren Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Markus Rinderspacher. Beide gingen mit ihren Reisekosten allerdings völlig anders um.

Seehofer, der alleine reiste, ließ nach Auskunft der Staatskanzlei den Flug selbst über sein Büro buchen, der Hotelaufenthalt sei vom FC Bayern arrangiert worden. Der Club stellt hierfür der Staatskanzlei eine Rechnung. Beide Posten übernimmt damit der Steuerzahler, wie es bei dienstlichen Reisen Seehofers üblich ist. Das VIP-Ticket für Seehofer habe die Uefa zur Verfügung gestellt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war von Uefa-Präsident Michel Platini ins Stadion eingeladen worden, laut einem Sprecher hat der Fußballverband aber keine weiteren Kosten für sie übernommen.

Rinderspacher war zwar auch im Stadion, aber privat. Er sei mit seinem Sohn nach London gefahren und habe sich selbst um Tickets, Flug und Hotel bemüht und alles privat bezahlt, so der SPD-Politiker. Dass die Spitzen von Stadt und Staat bei einem solchen Anlass präsent seien, halte er grundsätzlich für legitim. Zur London-Reise seines Parteifreundes wollte er sich aber nicht äußern. Dieter Reiter selbst zeigt sich unbeeindruckt davon, dass andere Politiker sich über das Spiel hinaus nicht haben einladen lassen: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagt Reiter. "Im Gegenteil - ich bin stolz, dagewesen zu sein."

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