München Wie das Radfahren in der Stadt sicherer werden soll

Bei der Umfrage der Polizei schnitt die Kreuzung Berg-am-Laim-Straße/Leuchtenbergring am schlechtesten ab.

(Foto: Robert Haas)
  • Fast jeder zweite Schwerverletzte bei einem Verkehrsunfall war im vergangenen Jahr ein Radfahrer.
  • Polizei und Kreisverwaltungsreferat wollen besonders heikle Straßen und Kreuzungen deshalb sicherer machen.
  • Dazu sollen eine grüne Welle für Radfahrer und spezielle Vorfahrtregelungen getestet werden.
Von Andreas Schubert

Dass die Radler in München immer mehr werden, verwundert nicht: Das Rad ist ein Verkehrsmittel, mit dem man einigermaßen verlässlich vorwärts kommt, während sich auf den Straßen die Autos stauen. Es verpestet die Luft nicht und die Kosten halten sich in Grenzen. Und Bewegung, schon klar, ist überdies gesund.

Doch dass die Zahl der Radfahrer jedes Jahr steigt, merkt auch die Münchner Polizei. "Jeder dritte Verkehrsteilnehmer, der im letzten Jahr in München bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde, war mit dem Fahrrad unterwegs", sagt Polizeivizepräsident Werner Feiler. "Bei den Schwerverletzten war sogar beinahe jeder zweite ein Radfahrer."

Rechtsabbiegen als tödliche Gefahr

Jeder siebte Unfall, bei dem ein Radfahrer oder Fußgänger in München verletzt wird, passiert dabei. Deshalb hat die Polizei nach besonders gefährlichen Stellen gefragt - und mehr als tausend Antworten bekommen. Von Martin Bernstein mehr ...

Zur Statistik: Die Zahl der Radunfälle ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen, von 2542 auf 2506. 214 Radler wurden dabei schwer verletzt, drei kamen ums Leben. Bei 51,6 Prozent dieser Unfälle trugen Radler die Hauptschuld. Sie hatten die Vorfahrt missachtet, waren als "Geisterradler" entgegen der Fahrtrichtung oder über rote Ampeln gefahren. Wenn Autofahrer schuld waren, hatten sie entweder Fahrradfahrer beim Öffnen der Autotüren oder beim Rechtsabbiegen übersehen.

Letzteres ist ein besonders heikles Thema. Die Polizei hat dazu eigens in einer Online-Umfrage eruiert, wo es in der Stadt am häufigsten zu brenzligen Situationen kommt. Besonders unfallträchtig ist etwa die Kreuzung der Berg-am-Laim-Straße zum Leuchtenbergring, wo 2016 vier Radunfälle passiert sind, die südliche Lindwurmstraße/Ecke Poccistraße, wo es zweimal gekracht hat, oder die Donnersbergerbrücke/Ecke Arnulfstraße. Hier war im Jahr 2015 ein Radler von einem Lastwagen beim Abbiegen übersehen worden, er starb bei dem Unfall.

Die drei genannten Stellen sind in der Umfrage am häufigsten angegeben worden. Insgesamt hat die Polizei eine Liste mit 15 Brennpunkten erstellt (siehe Grafik), die seit Montag zwei Wochen lang verstärkt überwacht werden. Die Beamten wollen Autofahrer vor allem auf ihre Fehler beim Abbiegen aufmerksam machen. Dazu gehört laut Polizei, dass Kraftfahrer oft nicht rechtzeitig blinken und den Blick über die rechte Schulter vergessen.

Rücksicht im Straßenverkehr

Außerdem sollen sie darauf hingewiesen werden, dass sich die Rechtslage für Radler seit Januar geändert hat. Für sie gelten nun dieselben Ampeln wie für die Autofahrer, sofern es keine gesonderte Radampel gibt. Wenn also Fußgänger schon Rot haben und Autos Grün, dann dürfen die Radler weiterfahren.

Wie viele Fahrräder es in München gibt, dazu gibt es keine Statistik. Bei mehr als 1,5 Millionen Einwohnern dürfte es aber mehr Räder geben als Autos, von denen rund 715 000 in München angemeldet sind. Feiler appelliert deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, sich rücksichtsvoll zu verhalten.

Radfahrern rät er insbesondere, auch mal auf ihre Vorfahrt zu verzichten, wenn sie nicht sicher seien, ob der Auto- oder Lastwagenfahrer sie auch wirklich gesehen hat. Besonders gefährlich ist der tote Winkel beim Abbiegen. Im vergangenen Jahr starben eine Radfahrerin, zwei Fußgängerinnen und eine Inlineskaterin, weil sie übersehen worden waren.