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Verkehr in München:Rechtsabbiegen als tödliche Gefahr

Ghostbikes - das sind weiß gestrichene Räder - sollen in München an tödliche Gefahrenstellen für Radfahrer erinnern.

(Foto: Stephan Rumpf)

Jeder siebte Unfall, bei dem ein Radfahrer oder Fußgänger in München verletzt wird, passiert dabei. Deshalb hat die Polizei nach besonders gefährlichen Stellen gefragt - und mehr als tausend Antworten bekommen.

Von Martin Bernstein

Ein weißes Fahrrad steht an der Knorrstraße. Ein "Ghostbike" - ein Mahnmal für eine 53-jährige Radfahrerin, die an dieser Stelle getötet wurde. Weil ein Lastwagenfahrer beim Rechtsabbiegen die vorfahrtsberechtigte Frau übersah. An vielen Stellen in München müssten solche Geisterräder stehen und mahnen. Denn nach Erkenntnissen der Münchner Polizei passiert jeder siebte Unfall, bei dem ein Radler zu Schaden kommt, weil ein rechts abbiegender Pkw- oder Lkw-Fahrer den in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer übersehen hat. An der Triebstraße in Moosach übersah im vergangenen Herbst ein Brummifahrer eine 30-jährige Radfahrerin. Auch sie starb.

Rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge - eine der großen Gefahren für Radfahrer, aber auch für Fußgänger. "Deshalb haben wir die Münchner Radfahrer gebeten, uns Kreuzungen oder Einmündungen mitzuteilen, an denen sie selbst oder andere bereits häufiger durch entsprechende Abbiegevorgänge in Gefahr gebracht wurden", sagt Michael Reisch von der Verkehrsabteilung im Präsidium.

2142 Ergebnisse der Online-Umfrage waren verwertbar. Die Münchner nannten 1165 aus ihrer Sicht gefährliche Ecken. Spitzenreiter: die Berg-am-Laim-Straße an der Kreuzung mit dem Leuchtenbergring. Insgesamt 51 Mal wurde diese Stelle genannt. Vier Abbiegeunfälle registrierte die Polizei dort im vergangenen Jahr.

Weitere brenzlige Ecken für Radler sind: Sonnenstraße zur Herzogspitalstraße (32 Nennungen), Lindwurmstraße an der Kreuzung mit der Poccistraße (insgesamt 47), Donnersbergerbrücke zur Arnulfstraße (28), Maximilianstraße stadtauswärts an der Steinsdorfstraße (27), Paul-Heyse-Straße in nördlicher Richtung an der Schwanthalerstraße und ein paar Meter weiter noch einmal an der Arnulfstraße (36), Zweibrückenstraße an der Einmündung der Erhardtstraße, Dachauer Straße an der Sandstraße, Ludwigsbrücke an der Steinsdorfstraße, Schenkendorfstraße zur Leopoldstraße, Landshuter Allee an der Arnulfstraße und Seidlstraße an der Marsstraße.

Nicht ganz so gefährlich erscheint den Fahrradfahrern die Abbiegespur vom Wintrichring zur Menzinger Straße. Dabei ereigneten sich 2016 allein dort vier Unfälle. Die Polizei will jetzt die Autofahrer, aber auch die Radler in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Fahrradklub ADFC sensibilisieren. Und sie will Gefahrenstellen genau untersuchen. Etliche der neuralgischen Punkte hatten SZ-Leser bereits vor drei Jahren online in einem Gefahren-Atlas markiert.

© SZ vom 28.03.2017/infu
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