Restaurant Hostaria Rò e bunì Aus dem Herzen Italiens

Wo einst der Stammgrieche von Alt-OB Ude zuhause war, schmeckt es nun wie in der Emilia Romagna.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Meer ist fern, die Pasta deftig: Die Hostaria Rò e bunì beeindruckt durch authentische Küche aus der Emilia Romagna. Hier kocht "la nonna", urig und rustikal - und so lecker, dass man sich kaum entscheiden kann.

Von Kurt Kuma

Von Bologna aus nach Westen. Nach einer halben Stunde auf der Landstraße links abbiegen, einige Kilometer durch die Allee, und hinauf in die sanften, grünen Hügel, welche die Südhälfte der Emilia Romagna prägen. Aus diesem Winkel der Erde, so scheint es, hat ein außerirdisches Raumschiff die Hostaria Rò e bunì aufgesogen und mitten nach München-Schwabing verpflanzt. Und so wie im Herzen Italiens ist die Küche geblieben. Das Meer ist fern, die Pasta deftig.

Das Logo des Lokals mit seiner Frakturschrift wirkt zunächst fast etwas geckig, ebenso wie das rustikale Holzgebälk unter der Decke des Gastraums, das eher dekorative als statische Zwecke erfüllt. Tatsächlich jedoch hat sich in jenen Gasträumen, in denen einst OB Ude die Souvlakis seines Stammgriechen genoss, ein ungewöhnlich authentischer und ungewöhnlich unprätentiöser Italiener angesiedelt. Hier gibt es keine Pizza quattro stagioni, und es wird auch nicht mit Langostinos, Rucola und Thunfisch-Carpaccio herumgefinkelt. Hier kocht la nonna. Urig, rustikal, ehrlich.

Bloß nicht die Pasta übersehen

Es braucht eine ganze Weile, um das im Stil einer Waschmaschinen-Gebrauchsanweisung gelayoutete Speiseangebot durchzusehen. Aber es lohnt sich. Schon eine schlicht klingende Vorspeise, salumi misti, erwies sich als stattliche Platte erlesener Wurstwaren, für deren Bereitstellung am heimischen Esstisch man schon einen außergewöhnlichen Delikatessenladen aufsuchen müsste (11,80 Euro).

Ein Dreiklang vegetarischer Antipasti war zudem nicht einfach nur ein Teller in Öl getränkter, zusammengewürfelter, mit dem obligatorischen Aceto Balsamico befeuchteter Gemüseteller, sondern kam wie drei separate kleine Gerichte an den Tisch. Die Paprikaschoten wurden in Zwiebelsud gedünstet und wie eine Peperonata mariniert. Der Radicchio war leicht gegrillt und auf elegante Weise seiner Bitterkeit entledigt. Erwähnt sei auch das in diesem Lokal einzigartige Vitello Tonnato (11,50 Euro).

Nach dem üppigen Einstieg könnte man in Versuchung geraten, auf die Hauptgerichte zu schielen. Vorsicht jedoch, denn so würde man die Königsdisziplin dieses Lokals achtlos übergehen: la pasta! Als Besonderheit (und in München auch Seltenheit) empfanden wir die Version, bei der die Teigwaren in Brühe als kleines Suppentöpfchen serviert werden. Unter den verlockenden klaren Fettaugen des Suds garten frisch zubereitete Teigwaren vor sich hin, von Tortellini bis Tortelloni, wahlweise auch exotisch anmutende Nudelvarianten wie kleine handgeschabte Passatelli, die auf der Zunge von selbst zu zerfließen scheinen.

Selbstverständlich wird - die authentisch bissfeste - Pasta auch in klassischer Manier, etwa mit Tomaten-Basilikum-Sugo serviert. Überraschender fanden wir allerdings einen Teller Strozzapreti mit frischem Fenchel, knusprig gebratenen Wammerlstückchen und - als Frische verströmendem Geschmacknachbrenner - karamellisierter Zitronenzeste (9 Euro).