Livemusik im Untergrund: Jürgen Schmidt, 70, und die ehemalige Militärpolizistin Gloria veranstalten in einem Kellergewölbe in der Volkartstraße intime Blues- und Rockkonzerte.
Legendäre Faschingsbälle, riesige Bierhallen und Konzertcafes mit Livemusik: In den goldenen Zwanzigern war Neuhausen das Zentrum des Münchner Nachtlebens. Das Tanzcafé Kolibri in der einstigen Amüsiermeile Donnersbergerstraße - auch Reeperbahn genannt - galt beispielsweise als Geheimtipp für ausgelassene Partys. Heute ist davon nichts mehr zu sehen: In dem Jugendstilhaus residieren Fachpraxen, und auch sonst ist das einstige Arbeiterviertel schon lange nicht mehr die erste Adresse für wilde Feste.
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Ein paar ehrwürdige Cafes, ein, zwei schrullige Kneipen und ein Irish Pub ist alles, was den Neuhauser Nachtschwärmern geblieben ist. Spätestens um eins werden aber auch hier die Bürgersteige hochgeklappt. Von einem Nachtleben könnte man kaum noch sprechen, gebe es nicht das Hide-Out 2. Hinter einer unscheinbaren Holztür in der Volkartstraße führt eine Treppe hinab in ein Kellergewölbe, das zu späterer Stunde ziemlich voll und verraucht werden kann. Der kleine Liveclub ist einer der wenigen Orte, wo die Vergangenheit des Viertels lebendig geblieben ist.
Die Zahl 2 steht für die Nachfolge des Hide-Outs, das vor einigen Jahren vom Rotkreuzplatz in den kleinen Keller mit den rosa Wänden gezogen ist. Noch immer wird donnerstags gejazzed und gejammed, am Wochenende gibt es Blues- und Rockkonzerte. Das reine Unplugged-Programm sorgt für eine intime Atmosphäre. An der Bar kann man die ein oder andere Legende aus der Musikszene und andere seltsame Gestalten des Münchner Nachtlebens kennenlernen. Hotdogs und Pizzabaguettes stillen den nächtlichen Heißhunger, Bier und Schnaps werden oft bis morgens serviert.
Aus dem Hardrockclub ist ein Familienbetrieb geworden
An diesem Freitagabend steht eine Blondine in Zirkusuniform auf der Bühne und imitiert Tina Turner. Hinter der Bar wiegt sich Gloria im Rhythmus und singt lautstark mit - schnell wird klar, wer im Hide-Out 2 der eigentliche Star ist. In ihrem früheren Leben war die Amerikanerin bei der Militärpolizei in San Francisco, heute ist sie der Mittelpunkt des Hide-Outs 2. Manche Gäste behaupten sogar sein ganzer Charme.
Besitzer Jürgen Schmidt, der seit vielen Jahren mit Glorias Großcousine verheiratet ist, ist für den Barbetrieb inzwischen zu alt. Dennoch sitzt er Abend für Abend, ein Glas mit Wasser vor sich, an seiner eigenen Theke. Ein ganzes Leben lang hat der 70-Jährige mit dem imposanten Schnauzbart in Kneipen gearbeitet, bevor er 1989 das Hide-Out aufgemacht hat. Aus den USA brachte er die Idee mit der Livemusik mit.
Anfangs spielten in seinem Club vor allem Hardrockbands, später kamen Pop, Blues und Jazz dazu. Zahlreiche Plakate an der Wand erinnern an legendäre Auftritte. "17 Liveclubs gab es Ende der achtziger Jahre in München, inzwischen ist die Szene so gut wie tot", erzählt Schmidt. Seit sein Hide-Out vor ein paar Jahren in die Volkartstraße umziehen musste, hat auch er Bekanntschaft mit der lärmempfindlichen Münchner Nachbarschaft gemacht. Aufgeben will der 70-Jährige dennoch nicht.
Und so klingt die Neuhauser Vergangenheit auch im Hide-Out 2 inzwischen ein wenig leiser - die meisten Konzerte finden ganz ohne Schlagzeug und Verstärker statt. Ganz verklungen ist sie in dem rosa Kellergewölbe in der Volkartstraße aber noch lange nicht.
Hide-Out 2, Volkartstrasse 22, 80634 München. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 20 bis 3 Uhr, Veranstaltungsbeginn: 21 Uhr. Mehr Informationen unter www.hideout-muenchen.de
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(sueddeutsche.de/wib)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
Die neueste Antwort
Das sind meist Neu-Münchner (und Neu-Bayern!!) die sich zuerst für unsere charmanten Gründerzeitviertel interessieren, die Preise in die Höhe treiben und sobald sie dort eine Wohnung ergattert haben sämtliche Institutionen der Nachbarschaft (Liveclubs, Biergärten, Wirtsgärten, Freischankflächen, etc.) bekämpfen, indem sie Bezirksausschüssen und Bezirksinspektionen die Türen einrennen. Von der aussterbenden Art der echten Münchner werden sie abwertend "Isar-Preißn" genannt.
"Und so klingt die Neuhauser Vergangenheit auch im Hide-Out 2 inzwischen ein wenig leiser"
Ein wenig leiser ist doch ziemlich untertrieben, Rockmusik im klassischen Sinn ist im Hide-Out leider schlicht nicht mehr aufführbar.
Mich würde mal interessieren;
Waren die Nachbarn früher toleranter? Oder sind die Menschen einfach durch täglichen Lärm und Stress empfindlicher geworden.