Garching:SEK-Einsatz bei "Reichsbürger"

Lesezeit: 1 min

  • Das SEK hat einen 43 Jahre alten Garchinger tot in dessen Wohnung aufgefunden.
  • Der Mann gehörte der "Reichsbürger"-Bewegung an und soll mehrere Schusswaffen besessen haben.
  • Der Hinweis eines Nachbarn löste den Einsatz aus.

Von Martin Bernstein, Garching

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat am Dienstagmittag einen 43 Jahre alten Garchinger tot in dessen Wohnung aufgefunden. Der Mann gehörte der "Reichsbürger"-Bewegung an und war wohl im Besitz einer oder mehrerer Schusswaffen gewesen. Deshalb ging die Polizei bei ihrem Einsatz mit äußerster Vorsicht vor.

Ein Nachbar des Mannes hatte um 8.10 Uhr einen Zettel "in krakeliger Handschrift" an seiner Tür gefunden. Der 43-Jährige kündigte darauf an, er müsse sich selbst töten. Der Nachbar alarmierte daraufhin die Polizei, die zunächst die übrigen neun Wohnungen in dem zweistöckigen Haus am Mühlfeldweg evakuierte und die Umgebung, in der sich unter anderem eine Grundschule, ein Kindergarten, das Werner-Heisenberg-Gymnasium und ein Hotel befinden, weiträumig absperrte. Anschließend versuchten die Einsatzkräfte mehrmals vergeblich, Kontakt zu dem Mann aufzunehmen. Als sie gegen 13 Uhr durch ein Fenster in die Wohnung eindrangen, fanden sie den Mann tot am Boden liegend. Todesermittler vom Kommissariat 12, Waffenexperten und später auch der Staatsschutz wurden hinzugezogen.

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Der Mann ist der Polizei als "Reichsbürger" bekannt. Bekannt war auch, dass er Waffen besaß. Zunächst wohl legal. Später hätte er die Waffen abgeben sollen, das tat er aber offenbar nicht. Nach BR-Informationen hatte das Landratsamt den 43-Jährigen mehrmals vergeblich dazu aufgefordert, seine Waffen abzugeben.

Im Haus machte der 43-Jährige keinen Hehl aus seiner Gesinnung. Er habe sich immer wieder "eindeutig rechts" geäußert, erzählen Bewohner des Hauses. Auch die schwarz-weiß-rote Reichskriegsflagge habe er schon mal aus dem Fenster gehängt. Bei Versammlungen der Hausgemeinschaft sei es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, weil der 43-Jährige die in der Bundesrepublik geltenden Regeln und Gesetze nicht habe anerkennen wollen.

In Bayern gibt es nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes 2700 "Reichsbürger" und mehr als 2000 weitere Verdachtsfälle. Ein Anhänger der Bewegung hatte im Oktober bei der Razzia seiner Wohnung in Georgensgmünd einen Polizisten erschossen. Seitdem wird die gesamte Bewegung vom Verfassungsschutz beobachtet. Zu welcher der "Reichsbürger"-Gruppierungen der Garchinger gehörte, ist noch offen. Innenminister Joachim Herrmann sagte, es sei "wichtig, die Waffenbesitzer unter den Reichsbürgern konsequent zu identifizieren und sie zu entwaffnen."

© SZ vom 31.05.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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