Flüchtlinge in München Doch keine Zeltstadt für Asylbewerber

Die Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Bayernkaserne ist überfüllt. In Zelten müssen die Flüchtlinge trotzdem nicht leben.

(Foto: dpa)

Neuankommende Flüchtlinge in München müssen nun doch nicht in Zelten hausen. Bei einem Ortstermin in der ehemaligen Bayernkaserne haben die Verantwortlichen Alternativen gefunden - alte Garagen und Fahrzeughallen.

Von Bernd Kastner und Melanie Staudinger

In den vergangen Tagen hat sich die Flüchtlingssituation in München dramatisch zugespitzt. Alleine am Donnerstag und Freitag kamen 300 neue Asylbewerber, vor allem Afrikaner und Syrer. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr kamen im Schnitt knapp 50 Asylbewerber pro Tag in Bayern an. Als Erstaufnahmelager können die ehemalige Bayernkaserne und ihre Dependancen höchstens 2200 Menschen aufnehmen - sie sind überfüllt. Bereits am Montag wurde die Einrichtung daher für nicht mehr aufnahmefähig erklärt.

Als Ausweg sahen die Behörden nur noch, die Flüchtlinge in Zelten unterzubringen. Nach SZ-Informationen hat die Bezirksregierung diese sogar schon bei Hilfsorganisationen bestellt. In letzter Minute aber wurde dieser Plan am Samstag abgewendet. Bei einem Ortstermin am Samstagvormittag gaben Katastrophenschutzexperten den Behördenvertretern zu verstehen, dass in Hinblick auf Unwetter und Brandschutz jede Unterbringung in festen Gebäuden besser und sicherer sei als die in Zelten.

Deshalb sollen 500 Neuankömmlinge in Garagen und einer ehemaligen Fahrzeughalle wohnen. Davon ziehen 300 in frühere LKW-Garagen, die die Landeshauptstadt kurzfristig für diese Nutzung überlassen hat, teilt die Regierung von Oberbayern mit. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Bezirksregierung die sogenannte Halle 36, eine ehemalige Fahrzeughalle auf dem Gelände der Bayernkaserne, mit 100 Betten und sanitären Anlagen ausgerüstet und belegt. Am Samstag wurde entschieden, 200 weitere Flüchtlinge dort unterzubringen.

"Wir sehen uns dazu gezwungen", erklärte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Dank der Garagen sei es "wenigstens möglich, jedem neu ankommenden Asylbewerber sofort ein festes Dach über dem Kopf zu bieten", so Hillenbrand. Sozialministerin Emilia Müller zeigte sich erleichtert, dass es in der Bayernkaserne keine Zelte geben wird. "Den Verantwortlichen ist es gemeinsam gelungen, alle verfügbaren Kapazitäten zu erschließen", sagte sie.

Zelte für Asylbewerber gab es in Bayern schon einmal. Im September 2012 baute das Rote Kreuz im damals vollkommen überfüllten Erstaufnahmelager im mittelfränkischen Zirndorf sechs beheizte Zelte auf. 80 Asylbewerber wurden dort einige Zeit untergebracht.