Fahrradverleiher Obike zieht Großteil der Leihräder aus München ab

Nicht nur am Odeonsplatz liegen die gelben Leihräder am Boden. Die steigende Zahl der Vandalismus-Fälle ist nun der Grund, warum sich Obike großteils aus München zurückzieht.

(Foto: Stefanie Preuin)
  • Bis Ende April will Obike 6000 von fast 7000 Leihrädern aus München eingesammelt haben. Sie sollen später auf andere Städte verteilt werden.
  • Das Unternehmen aus Singapur reagiert damit auf die steigende Zahl kaputter Räder, die teils in Bäumen hängen oder in die Isar geworfen werden.
  • Die Münchner Verkehrsbetriebe dagegen bauen ihre Fahrrad-Flotte aus. Mit dem Rückzug von Obike wird es dann bis Ende 2018 trotzdem nur die Hälfte der ursprünglich geplanten 12 000 Räder in München geben.
Von Philipp Crone

Obike wird vom 4. April an 6000 seiner insgesamt 6800 Leihräder einsammeln, die seit vergangenem Sommer in München stehen. "Falls alles nach Plan läuft", sagt Hanno Focken, bei Obike für Government Relations und Business Development zuständig. Man sei derzeit noch mit der logistischen Planung des Einsammelns beschäftigt. Die Räder waren über die vergangenen Monate hinweg immer wieder beschädigt worden, viele Münchner beklagten sich über Qualität und Masse der Leihräder - das Unternehmen zieht nun die wirtschaftlichen Konsequenzen aus der Zerstörungswut. Die Stadt beklagt zwar, dass München eher mehr als weniger Leihräder bräuchte, bescheinigt Obike aber, zu viele Fehler gemacht zu haben.

Seit im vergangenen Sommer auf einen Schlag Tausende gelber Leihräder an allen größeren Plätzen der Stadt aufgetaucht sind, hat das Unternehmen stark polarisiert. Zuletzt wurden über die Wintermonate viele Räder von Obike zerstört. Sie auf den Kopf zu stellen, war noch die harmloseste Variante, in den vergangenen Wochen lagen regelmäßig Räder in der Isar, hingen an Bäumen, manch einer zerschnitt die Bremskabel oder das Polster der Sitze.

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Das Unternehmen reagiert nun offensichtlich darauf. "Die Entscheidung beruht auf wirtschaftlichen Faktoren", sagt Obike-Sprecherin Maria Bause. Durch die steigende Zahl kaputter Räder hätten die Reparaturkosten das Budget überschritten, das für Wartungen vorgesehen ist. "Ziel ist es, bis Ende April die Räder einzusammeln und zwischenzulagern, bis diese dann auf andere Städte umverteilt werden."

Bislang hatte Obike versucht, durch einen besseren Service und ein schnelleres Einsammeln der Räder bei den Münchnern zu punkten. Bei Obike hatte man wohl nicht mit dem Missmut der potenziellen Nutzer gerechnet, nachdem im vergangenen Sommer auf einmal überall gelbe Räder herum standen. Dazu gab es zunächst eine hohe Kaution. Diese wurde im Laufe der Zeit wieder abgeschafft, aber viele klagten über die Qualität der Räder, die sich nur in einem niedrigen Gang fahren lassen.

Die Reduzierung der Obike-Räder sei ein überfälliger Schritt, sagt Florian Paul, Radverkehrsbeauftragter im Planungsreferat, der im regelmäßigen Austausch mit den Leihrad-Anbietern der Stadt steht. "Dass die Räder eingesammelt werden, ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Das entspannt die Situation, was die mutwillige Zerstörung der Fahrräder angeht." Tausende Räder, die kaputt wochenlang im Stadtbild herum stehen - das könne nicht funktionieren. Die Räder des Unternehmens aus Singapur, kritisiert er, seien kaum gewartet worden. Mit einer stark verkleinerten Flotte könne der Service nun verbessert werden.

Damit wäre das Unternehmen auch wieder attraktiv für Kunden. "Es zeigt sich einfach: Wenn man ein System ohne große Sorgfalt schnell aufbaut, hat das negative Begleiterscheinungen." Das müsse eine Lehre sein, sagt Paul, "dass man nicht mit einer Hau-Ruck-Aktion vorgeht, sondern behutsam". Und vor allem müsse man, was Obike im vergangenen Sommer gar nicht gemacht habe, die Bürger besser informieren. "Das hat sich Obike letztlich selbst zuzuschreiben."

Dennoch findet es Paul schade, dass es nun erst einmal deutlich weniger Leihräder in München geben wird. Der Leihrad-Plan für München im Jahr 2018 sieht vor, dass die blauen Räder der Münchner Verkehrsbetriebe (MVG), von denen es derzeit 1200 an mittlerweile 120 Stationen gibt, aufgestockt werden. "2000 neue Räder der MVG sind bestellt", sagt Florian Paul, "und werden von Sommer an in die Flotte eingereiht." Mit neuen Bordcomputern ausgerüstet sollen diese Räder noch schneller und besser über die Smartphone-App lokalisiert werden können.

Im Vergleich zu anderen Städten hat München dann aber immer noch wenige Leihräder, die Bürgern und Touristen zur Verfügung stehen. Nach Studien für die urbane Mobilität bräuchte die Stadt eigentlich 30 000 bis 45 000 Leihräder. Nach dem Rückzug von Obike wird es nun Ende des Jahres statt der geplanten 12 000 Rädern nur die Hälfte in München geben, darunter auch 1200 Räder von der Deutschen Bahn.

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