Dachau Trauer um Stanislav Zámecník

Der KZ-Überlebende Stanislav Zámecník erlag einer schweren Krankheit. Im Dezember sollte er den Zivilcourage-Preis der Stadt Dachau erhalten.

Von Helmut Zeller

Bei einem großen Festakt wollte Dachau den KZ-Überlebenden Stanislav Zámecník mit dem Zivilcourage-Preis ehren - jetzt aber ist der tschechische Historiker in einem Prager Krankenhaus gestorben. Der 88-Jährige erlag am Mittwoch einer schweren Krankheit. In Dachau wurde die Nachricht von seinem Tod mit Erschütterung aufgenommen. "Das ist ein schwerer Schlag", sagte Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU). Stanislav Zámecník hat die Gedenkstättenarbeit und die Erinnerungskultur in hohem Maße geprägt. Der Zivilcourage-Preis der Stadt, der erste für einen ehemaligen KZ-Häftling, wird jetzt posthum an den Mann verliehen, dem sich die Stadt Dachau zu großem Dank verpflichtet fühlt.

Der Oberbürgermeister reagierte am Freitag, als er vom Tod Zámecníks hörte, fast sprachlos. "Ich kann jetzt gar nichts sagen. Ich muss darüber nachdenken", erklärte Bürgel. Völlig klar sei jedoch, dass der Zivilcourage-Preis posthum an Stanislav Zámecník verliehen werde. Am 7.Juni hatte der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung der Entscheidung der Jury zugestimmt, den seit 2005 in zweijährigem Turnus ausgelobten Preis an den Prager Historiker zu vergeben. Die Jury - der Historiker Wolfgang Benz, die Historikerin und Filmemacherin Sybille Krafft und der Dachauer Künstler Martin Schmidl - war einem Vorschlag des Auschwitz-Überlebenden und Vizepräsidenten des Internationalen Dachau-Komitees (CID), Max Mannheimer, gefolgt.

Stanislav Zámecník lag zu diesem Zeitpunkt bereits im Krankenhaus und konnte sich nicht mehr öffentlich zu dem Preis äußern. Klar war bereits, dass er den Zivilcourage-Preis nicht wie geplant im Dezember entgegennehmen wird können. Am Mittwoch dann ist Stanislav Zámecník im Krankenhaus gestorben, wie Zdenek Posusta, Mitglied der Tschechischen Lagergemeinschaft, der Süddeutschen Zeitung mitteilte. Am Montag um zwölf Uhr findet im Prager Krematorium Strasnice die Feuerbestattung statt. Ob nun die posthume Ehrung Zámecníks vorgezogen wird, müsse man erst sehen, sagte Bürgel.

Max Mannheimer, Ehrenbürger der Stadt Dachau, erklärte zum Tode Zámecníks: "Er war ein guter Freund, ein wahrhaft mutiger Mann, der vielen Häftlingen im Konzentrationslager das Leben gerettet und sich dabei selbst in größte Gefahr gebracht hat." Eben deshalb wollte Dachau ihn mit dem Zivilcourage-Preis ehren, der an Personen geht, "die sich mit Mut, Phantasie und Engagement für die Rechte von Verfolgten und diskriminierten Minderheiten eingesetzt haben". Zámecník war erst 17 als er von der Wehrmacht verhaftet und schließlich in das KZ Dachau verschleppt wurde. Als Historiker und Zeitzeuge in einer Person hat er, wie Mannheimer sagt, in besonderer Weise gewirkt. Er hat das Konzentrationslager erlebt und dessen Geschichte erforscht. 2000 legte Zámecník seine Monographie "Das war Dachau" vor. Auch an der KZ-Gedenkstätte wurde Zámecníks Tod mit Bestürzung aufgenommen. (Seite 5)