Bauarbeiten am Sendlinger Tor Die bisher größte Erneuerung eines Münchner U-Bahnhofs hat begonnen

Am Sendlinger Tor treiben Bohrpfahlgeräte riesige Stahlrohre in die Erde.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die MVG hat den offiziellen Spatenstich am Sendlinger Tor vollzogen.
  • Der U-Bahnhof soll bis zum Jahr 2022 umgebaut werden.
  • Sowohl Autofahrer als auch Fahrgäste der MVG müssen mit Beeinträchtigungen rechnen.
Von Andreas Schubert

Wer am Sendlinger Tor in die Siebzigerjahre abtauchen will, hat nicht mehr lange Gelegenheit dazu. Der große Umbau des U-Bahnhofs hat Fahrt aufgenommen. Am Montag hat Ingo Wortmann, der Geschäftsführer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), den offiziellen Spatenstich vollzogen. Für die Fotografen hat er sich in eine der riesigen baggerähnlichen Baumaschinen gesetzt, ein sogenanntes Bohrpfahlgerät. Eine einfache Schaufel in der Hand wäre der Dimension der Arbeiten vermutlich nicht gerecht geworden.

So läutete eben ein symbolischer Bohrpfahlgerätestich die bisher größte Erneuerung eines U-Bahnhofs in München ein. Bis zum Herbst werden an der Wallstraße, Ecke Blumenstraße sowie am Sendlinger Tor-Platz die Baumaschinen Rohre mit einem Durchmesser von 90 respektive 66 Zentimetern etwa 28 Meter tief in die Erde rammen. Fachleute sprechen von der Bohrpfahldeckelbauweise. Dazu werden mit einer Bohrschnecke Löcher ins Erdreich gebohrt, gleichzeitig wird ein Stahlrohr mit nach unten geführt.

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Anschließend wird die Bohrschnecke herausgezogen, zurück bleibt das Stahlrohr, das mit Beton verfüllt wird. Zieht man dann das Rohr heraus, bleibt ein Betonpfahl stehen. Das geht so lange, bis eine stabile Mauer in der Tiefe entsteht. Danach wird ein Deckel hergestellt, der die spätere Abschlussdecke des Bauwerks bildet. Unter diesem Deckel wird dann der Boden in dem von den Bohrpfählen umgebenen Bereich ausgehoben.

Daher kommt der sperrige Name der Bautechnik - doch den meisten Verkehrsteilnehmern dürfte die Art und Weise, wie da jetzt ein neuer U-Bahnhof entsteht, egal sein. Fest steht: Während die Arbeiten an der Wallstraße den Verkehr an der Oberfläche nicht nennenswert beeinträchtigen, wird es in der Sonnenstraße von April an eng. Sowohl am Süd- wie auch am Nordende entsteht ein neues Zugangsbauwerk, um mehr Platz im U-Bahnhof zu schaffen. Das bedeutet, dass dort aufgegraben werden muss.

Am Sendlinger-Tor-Platz haben sie zwischen Matthäus-Kirche und Brunnen bereits Absperrungen errichtet. Hier wird eine provisorische Fahrspur gebaut, über die der Verkehr, der vom Stachus kommt, in die Lindwurmstraße geleitet wird. Statt zweier wird es nur noch eine Rechtsabbiegespur geben, was im Berufsverkehr voraussichtlich zu Staus führen wird. Diese Verkehrsführung soll für die nächsten zwei Jahre gelten. Am 10. April soll die Fahrbahn an diesem Abschnitt der Sonnenstraße verlegt werden, damit die Bohrpfahlgeräte loslegen können. Dann wird es mitunter recht laut, wie man zum Beispiel am Luise-Kiesselbach-Platz und ähnlichen Baustellen hören konnte, bei denen es in die Tiefe ging.

Ingo Wortmann, Geschäftsführer der Münchner Verkehrsgesellschaft, vollzog am Montag den Spatenstich.

(Foto: Florian Peljak)

150 Millionen Euro kostet der Umbau, der bis 2022 dauern soll. Auch im Untergrund müssen die Passagiere während der Arbeiten mit Einschränkungen rechnen. Von Ende 2019 an wird die Treppenanlage für den Umstieg zwischen U1/U2 und U3/U6 neu gestaltet. Phasenweise müssen die Fahrgäste dann beim Umsteigen längere Umwege in Kauf nehmen. Aber vorher müssen erst einmal die Erweiterungsbauwerke hergestellt werden. Die größte Herausforderung dabei ist, in etwa 20 Metern Tiefe den Anschluss der Neubauten an die bestehenden U-Bahnröhren herzustellen.

Dies wird bergmännisch geschehen, mit Hilfe der sogenannten Baugrundvereisung. Bei diesem Verfahren wird das Wasser im Erdreich so weit abgekühlt, dass es gefriert. Der Baugrund wird dadurch verfestigt und undurchlässig für Wasser - und somit stabiler und sicherer, um zu arbeiten. Gefroren wird der Untergrund mit minus 196 Grad kaltem, flüssigem Stickstoff, von dem zirka 4000 Tonnen für das aufwendige Verfahren benötigt werden.

Der Umbau erfolgt wie schon am Marienplatz mit einer Wanderbaustelle. Das bedeutet, dass einzelne Bereiche abgesperrt werden, wenn die Arbeiten dort abgeschlossen sind, geht es anderswo weiter. In den Jahren 2021 und 2022 geht der Umbau dann in den "Endspurt", wie es die MVG nennt. Dann werden die Erweiterungsbauten und das Sperrengeschoss fertig, das - wie auch die Bahnsteige selbst - in frischen Farben und einem modernen Lichtdesign daherkommen wird.

Der Untergrund soll so mehr Aufenthaltsqualität bekommen, in neuen Läden können sich die Passagiere unter anderem mit Imbissen und Getränken versorgen. Auf den Simulationen sieht das alles recht schick aus. Nur eines scheint sich für die Fahrgäste nicht zu ändern. Auf Nachfrage, ob denn auch eine Toilette in den U-Bahnhof eingebaut wird, verweist die MVG auf die bereits vorhandene, oberirdische Anlage im Sendlinger Tor. Die ist bekanntlich nicht gerade ein Schmuckstück.

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