Bankgebühren Die Zeit der kostenlosen Bankkonten ist vorbei

Einige Banken bieten noch kostenlose Giro-Konten an, wenn ausschließlich das Online-Banking benutzt wird.

(Foto: imago/Martin Bäuml Fotodesign)
  • Wegen der niedrigen Zinsen bieten einige Banken nun keine kostenlosen Konten mehr an.
  • In München haben die Stadtsparkasse und die Hypovereinsbank zum Juli umgestellt.
  • Verbraucherschützer kritisieren, dass der Kunde trotz neuer Kosten keine weiteren Leistungen erhält.
Von Pia Ratzesberger

Ein Konto kostet nichts, daran haben sie ihre Kunden gewöhnt, damit haben sie ihre Kunden umgarnt. Nun aber müssen die Banken ihre Kunden wohl umerziehen, denn immer mehr der Kreditinstitute verlangen Gebühren für ihre Girokonten. Die Münchner werden es damit zunehmend schwer haben, eine Bank zu finden, bei der sie nichts zahlen müssen. Zumindest eine Filialbank.

Nicht nur viele Kunden der Stadtsparkasse München müssen sich seit dem ersten Juli mit neuen Gebühren abfinden (ab 2,95 Euro monatlich), auch die Hypo-Vereinsbank (HVB) stellt die Konten ihrer Kunden von diesem Monat an um. Je nachdem, ob die ausschließlich im Internet ihr Geld verwalten, in der Filiale Beratung suchen oder weltweit umsonst abheben möchten, verlangt die Bank in der Regel zwischen 2,90 und 14,90 Euro im Monat.

Bei der Münchner Bank (ab 2,50 Euro) oder der Deutschen Bank (ab 4,99 Euro) kosten die Girokonten ohnehin, auch die Raiffeisenbank München-Süd verlangt Abgaben, sobald jemand mehr als fünf Buchungen im Monat tätigt (ab 4,00 Euro). Die Postbank bietet derzeit zwar noch ein Girokonto ohne Gebühren an, allerdings wohl nicht mehr lange: Belege kosten bereits Geld, und auf Nachfrage heißt es, man habe zwar noch keine Entscheidung getroffen, doch es sei "klar, dass die Postbank ihre Dienstleistungen dauerhaft nicht grundsätzlich kostenlos anbieten kann."

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Klar sei das, weil die Zinsen so niedrig sind, argumentieren die Banker. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) verharrt seit März bei null; Geschäftsbanken, die über Nacht Geld bei der EZB anlegen, müssen inzwischen sogar 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Eigentlich verdient eine Bank, indem sie von ihren Schuldnern etwas höhere Zinsen verlangt, als sie ihren Gläubigern zahlt, die Differenz ist ihr Gewinn. Null Zinsen aber - null Gewinn.

Gerade Institute wie die HVB, die lange mit einem kostenlosen Girokonto warben, müssen sich vor ihren Kunden rechtfertigen, warum die jetzt zahlen sollen. Eine Sprecherin der Hypo-Vereinsbank begründet das mit "vielen Vorteilen", etwa dass ein Kunde mit einem sogenannten Exklusivkonto in allen Ländern kostenlos abheben könne sowie die Bank "mehr Services" böte. Die HVB hat in den vergangenen Jahren zwar einen Großteil ihrer Filialen modernisiert - allerdings im Raum München auch zahlreiche Standorte geschlossen.

Die Institute verlangten also mehr Geld, der Kunde aber habe davon gar nichts, bemängeln Verbraucherschützer. "Die Banken decken mit den zusätzlichen Einnahmen alleine ihre Kosten", sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern. Er warnt besonders vor Modellen, bei denen Institute keine Pauschalgebühr erheben, sondern Posten für Posten abrechnen, wie etwa beim neuen Girokonto Individual der Stadtsparkasse München. Kunden zahlen hier 2,95 Euro an Grundgebühr, mit jeder Buchung aber weitere 30 Cent. Wer nicht ständig prüft, wie hoch die Gebühren sind, muss am Ende des Monats womöglich hohe Summen zahlen.

Ohnehin sollten sich Bankkunden noch mehr Zeit nehmen als bisher, um Angebote miteinander zu vergleichen, denn jede Bank hat eigene Modelle kreiert, ihre eigenen Regeln aufgestellt. Bei der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg etwa ist ein Girokonto noch immer kostenlos, wenn im Monat mehr als 1250 Euro eingehen und man auf gedruckte Kontoauszüge und Überweisungen verzichtet. Bei der Commerzbank dagegen liegt die Grenze für solch ein Konto um 50 Euro niedriger.

Wer sein Geld ohnehin im Internet verwaltet, sollte zudem die Angebote der Direktbanken durchsehen: Sie müssen ihre Kunden wohl erst einmal nicht umerziehen. Ein Konto kostet nichts, das gilt bei vielen von ihnen noch immer.

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