Ermittlungen zum Anschlag am OEZ Staatsanwaltschaft überprüft Chat-Kontakte von David S.

Die Ermittlungen zum Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum sind noch nicht abgeschlossen.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • David S. soll Kontakt zu dem Amerikaner William A. gehabt haben, der im Dezember zwei junge Menschen in New Mexico ermordet hat.
  • In einem Fernsehmagazin wurden schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden erhoben. Sie hätten A. nach dem Münchner Anschlag im Visier gehabt, die Informationen aber nicht an die US-Ermittler weitergegeben.
  • Die Staatsanwaltschaft bestreitet Versäumnisse.
Von Martin Bernstein

Der Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum wird nicht zu den Akten gelegt. Die Staatsanwaltschaft München I hat am Mittwoch bestätigt, dass sie "von Amts wegen Ermittlungen zu Art und Umfang" der Kontakte aufgenommen hat, die der neunfache Münchner Todesschütze David S. zu einem jungen Mann aus dem Bundesstaat New Mexico gehabt haben soll, der im Dezember zwei junge Menschen hispano-amerikanischer Herkunft an der Aztec High School ermordete. "Diese Überprüfungen beinhalten auch Anfragen bei US-amerikanischen Behörden", sagt Pressesprecherin Anne Leiding. Aufgrund der laufenden Überprüfung könne man keine näheren Angaben machen.

Auslöser seien Medienberichte über Kontakte der beiden Todesschützen auf der Internet-Spieleplattform "Steam". Dort teilten S. und der Amerikaner William A. Tötungsfantasien und rassistische Hetze. Nur drei Tage nach dem Münchner Anschlag vom 22. Juli 2016 begann A. auf der Wikipedia nachempfundenen Internetseite "Encyclopedia Dramatica" mit einem verherrlichenden Nachruf auf S., in dem er den jungen Mörder nach dessen tödlichen Schüssen auf zumeist junge Menschen mit Migrationshintergrund als "Helden" verherrlichte, dem man in Deutschland nach einer Machtübernahme durch die AfD ein Denkmal setzen werde.

Das Netzwerk der Todesschützen

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In dem Fernsehmagazin "Fakt" sind am Dienstagabend schwere Vorwürfe gegen die deutschen Sicherheitsbehörden erhoben worden. Diese hätten nach dem Münchner Anschlag A. im Visier gehabt, die Informationen jedoch nicht an die US-Ermittler weitergegeben.

Ein Jugendlicher aus dem "Steam"-Umfeld des Münchner Attentäters, der kurz nach dem OEZ-Anschlag verhaftet wurde und bei dem Ermittler Waffen und Chemikalien zur Sprengstoffherstellung fanden, gab nach "Fakt"-Recherchen der deutschen Polizei konkrete Hinweise auf die rassistischen Chatgruppen und bestätigte den Kontakt zu dem US-Amerikaner. Weder die Staatsanwaltschaft München noch die Staatsanwaltschaft Stuttgart hätten diese Erkenntnisse jedoch weitergegeben.

Oberstaatsanwältin Leiding bestreitet Versäumnisse. Sechs Tage nach dem Münchner Anschlag habe die Staatsanwaltschaft ein "Ermittlungsersuchen zu den Onlinespiele-Aktivitäten des David S. eingeholt". Steam habe die angefragten Accounts und Spielernamen, die S. benutzte, mitgeteilt, ebenso Bildinhalte, Online-Verläufe, IP-Adressen und Zahlungsmethoden. Leiding: "Chatprotokolle vor dem 22. Juli 2016 lagen bei Steam nicht mehr vor, da diese innerhalb von zwei Wochen gelöscht werden."

Ein direkter Kontakt zwischen den Todesschützen sei möglich, aber nicht gesichert. Es hätten keine Anhaltspunkte bestanden, dass ein Chatpartner an der Münchner Tat beteiligt gewesen sei oder eine eigene entsprechende Tat geplant habe. Laut Leiding ist es für Strafverfolger nicht einfach, aus einer Gruppe mit 250 Accounts, von denen viele fiktiv seien, Gefährder frühzeitig herauszufinden.

Die Landtagsabgeordneten Claudia Stamm (fraktionslos) und Katharina Schulze (Grüne) wollen von der Staatsregierung Auskunft zur Verbindung zwischen den Attentätern S. und A. sowie zur Rolle deutscher Ermittler.

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