Ableger von Pegida Das bunte München setzt ein Zeichen

"Platz da! Für Vielfalt und Miteinander": Unter diesem Motto versammeln sich die Gegner von "Bagida" auf dem Sendlinger-Tor-Platz.

(Foto: dpa/Tobias Hase)
  • Unter dem Namen Bagida ruft zum ersten Mal der offizielle Münchner Ableger von Pegida zu einer Demonstration auf. 300 Teilnehmer waren angemeldet. Es nehmen dann aber 1500 Islamgegner teil.
  • Die Bündnisse "München ist bunt" und "Bellevue die Monaco" haben eine Gegendemonstration am Sendlinger Tor organisiert. 20 000 Menschen versammeln sich schon vor Beginn der Bagida-Demo. Der Titel der Kundgebung: "Platz da! Für Vielfalt und Miteinander".
  • Die mit Bagida konkurrierende Gruppe "Muegida" hat ebenfalls eine Demonstration in München angemeldet, auf dem Weißenburger Platz in Haidhausen. Doch dort kommen nur etwa zwei Dutzend Islamgegner zusammen.

Wie es am Sendlinger Tor losgeht

Eine Bühne für Künstler und Redner auf der einen Seite, Absperrgitter auf der anderen Seite: Auf dem Sendlinger-Tor-Platz in der Münchner Innenstadt kommt es an diesem Abend zum Aufeinandertreffen von Tausenden Bürgern, die für eine weltoffene Stadt eintreten, mit "Bagida". Der örtliche Ableger der Pegida-Bewegung hat erstmals zu einer Kundgebung aufgerufen. Die Polizei ist mit 800 Beamten im Einsatz.

"Bunt is gsund - Koabagida"

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Was bei den "Bagida"-Gegnern passiert

"Platz da! Für Vielfalt und Miteinander" ist das Motto der Kundgebung von "München ist bunt" und "Bellevue di Monaco", die um 17.30 Uhr auf dem Sendlinger-Tor-Platz begann. Die Polizei berichtet von 20 000 Teilnehmern. Erster Redner ist Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Mit Blick auf die Terroranschläge von Paris sagt er: "Wenn wir Angst haben, dann haben sie gewonnen." Er beendet seine Rede mit den Worten "Nous sommes Charlie, mes amis".

Der Aufruf zu dieser Kundgebung wurde unterstützt von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, zahlreichen weiteren gesellschaftlichen Gruppen. 12 000 Menschen hatten via Facebook ihre Teilnahme zugesagt.

Wie die Demos der Islamgegner ablaufen

Auch der offizielle Münchner Pegida-Ableger "Bagida" trifft sich am Sendlinger Tor, angemeldet waren 300 Demonstranten. Nach Polizeiangaben sind es schließlich aber 1500 Islamgegner geworden.

Zunächst skandieren sie "Wir sind das Volk!" - was im Pfeifkonzert der Gegner untergeht. Gegen 18.30 Uhr setzt Bagida sich zu seinem Marsch vom Sendlinger-Tor-Platz Richtung Stachus in Bewegung. Die Polizei hat die Gitter so aufgebaut, dass die Islamgegner zunächst durchkommen - begleitet von "Nazis raus!"-Rufen der Gegendemonstranten, die den Weg säumen. Vor einer Woche waren "Muegida"-Demonstranten nach wenigen Metern gestoppt worden.

An diesem Abend berichtet die Polizei auf Twitter von einer "aufgeheizten Stimmung" zwischen beiden Lagern. Zu größeren Zwischenfällen kommt es aber zunächst nicht. Gegen 20 Uhr meldet die Polizei fünf Festnahmen, davon vier aus dem Kreis der Gegendemonstranten und eine auf Bagida-Seite. Zudem seien drei Beamte verletzt worden. Insgesamt verläuft der Abend nach Einschätzung der Polizei angesichts der vielen Menschen friedlich, bis auf wenige Ausnahmen. Gegen 20 Uhr ist die Bagida-Demo offiziell beendet.

Zeitgleich zu Bagida kommen die konkurrierenden Islamgegner von Muegida auf dem Weißenburger Platz in Haidhausen zusammen. Dort allerdings ist der Andrang deutlich geringer. Statt der angemeldeten 100 bis 200 Muegida-Anhänger sind es es nur etwa zwei Dutzend. Die Kundgebung endet um 19.12 Uhr.

Was Bagida und Muegida unterscheidet

Für den Bagida-Marsch haben nicht nur bekannte Islamhasser wie Michael Stürzenberger mobilisiert, Bundesvorsitzender der Partei "Die Freiheit". Auch bekannte Rechtsextremisten wie Karl Richter, Münchner Stadtrat der "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA), und Philipp Hasselbach, Kreisvorsitzender der Neonazi-Partei "Die Rechte". Bagida hat den Segen der Pegida-Zentrale in Dresden. Nach Angaben des Antifaschistischen Dokumentationsarchivs Aida haben an diesem Abend sowohl Neonazis als auch mindestens ein AfD-Funktionär auf Seiten von Bagida demonstriert.

Hinter Muegida steht Thomas Weiß, der ehemalige bayerische Generalsekretär der Partei "Die Freiheit", der sich allerdings mit Parteichef Stürzenberger überworfen hat. Die Leute von Bagida halten Muegida für eine Gruppe von Trittbrettfahrern. Allerdings war Weiß fixer: Zwei Veranstaltungen hat er schon in München organisiert, zur ersten, kurz vor Weihnachten, kamen etwa 30 Islamgegner, zur zweiten dann etwa 120, darunter auch Fritz Schmude, Stadtrat der AfD.

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