ZDF-Doku "Heiliger Krieg" Kein Krieg ist heilig

Von den Kreuzzügen bis zum Dschihad: Guido Knopp und das ZDF dekonstruieren den "Heiligen Krieg" in einer fünfteiligen Doku-Reihe. Der Tod Osama bin Ladens hat den Film noch einmal verändert.

Von Moritz Baumstieger

Dschihad, so erklärt der Politologe Asiem El Difraoui in der ersten Folge dieser Fernsehreihe, Dschihad bedeute weit mehr als "heiliger Krieg". Das Nomen leite sich vom arabischen Verb "dschahada" ab, das sich am besten mit "eine große Anstrengung unternehmen" übersetzen lässt. Unter diese Anstrengung falle alles, was aus dem Gläubigen einen besseren Muslim macht. Also auch Almosen, Fasten und Gebete.

Wenn Guido Knopp die große Anstrengung unternimmt, die Geschichte der Glaubenskriege zu erklären, ist die Stoßrichtung schnell klar: "Kein Krieg ist heilig", so das Credo. "Am Ende", verrät schon der Trailer, ringen die Kriegsherren "nur um irdische Herrschaft". Die Religion als vorgeschobener Kriegsgrund, daran habe sich im Prinzip von den Kreuzzügen des Mittelalters bis zu den Anschlägen vom 11. September nichts geändert. Die jähren sich bald zum zehnten Mal, weshalb Knopp und die ZDF-Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft den Bogen von der Frühgeschichte des Islam bis in die Zeitgeschichte spannen. So mutet die fünfteilige Dokureihe Der Heilige Krieg an wie öffentlich-rechtliche Volkserziehung mit Actionszenen. Männer mit Krummsäbeln rufen "Allahu Akbar" (Gott ist größer), bevor sie 732 zum Sturm auf das Abendland ansetzen. Männer in Kettenhemden rufen "Deus lo vult" (Gott will es), als sie 400 Jahre später mit dem Schwert die Herrschaft des Kreuzes über Jerusalem errichten wollen. Und zwischendrin erklären Experten, wie fruchtbar doch die Zeiten der friedlichen Koexistenz beider Religionen waren.

Klar, das Terrain ist vermint: Seit den Anschlägen von New York und Washington sehen sich Islamkritiker darin bestätigt, dass der Koran ein Buch sei, das zur Gewalt aufrufe. Nicht wenige Muslime hingegen erkennen in der Reaktion des Westens einen neuen Kreuzzug, den der damalige oberste Kriegsherr George W. Bush auch noch als einen solchen bezeichnete.

Also beginnen Guido Knopp und seine Mitstreiter erst mal mit einem Grundkurs Islamwissenschaft: Erzählen von der Entstehung der künftigen Weltreligion in der arabischen Wüste und geben sich dabei alle Mühe, dem Propheten Mohammed ja kein Gesicht zu geben, um Muslime nicht zu brüskieren. Zeigen dann in umso drastischeren Bildern, wie sich der Islam durch das "Schwert des Propheten" (so der Titel von Folge eins) erst im Nahen Osten ausbreitet und Karl Martell 732 schließlich in Tours und Poitiers zur Entscheidungsschlacht über die Zukunft Europas zwingt. Nur: Ging es den Muslimen darum, die in ihren Augen einzig wahre Religion durchzusetzen - oder schlicht um Beute?

Knopp entscheidet sich für die zweite Möglichkeit, erklärt aber nicht so recht, wann den muslimischen Kriegern die Beute wichtiger wurde als der Glaube. Und auch Karl Martell und seine Leute werden auf weltliche Motive reduziert, auch wenn sie die Reliquie des "Heiligen Schwammes" als Talisman mit in die Schlacht nahmen. Für alle Anhänger der "Clash of Cultures"-Theorie da draußen also noch einmal zum Mitschreiben: Kein Krieg ist heilig.

Natürlich bleibt sich Knopp auch bei der Darstellung treu: Nachgestellte Historien-Szenen, in denen viel Kunstblut fließt, unheilvolle Blicke, von dramatischen Geigen untermalt. Und doch war das Team bei aller Routine dieses Mal gezwungen, ein wenig zu improvisieren: Als man im vergangenen Mai die letzte Szene der Doku drehen wollte, die Flucht Bin Ladens aus den Bergen Afghanistans, erreichte das Team die Nachricht vom Tod des echten Terrorfürsten. Knopp blieb nichts anderes übrig, als eine große Anstrengung zu unternehmen - und umzuschreiben. Als drei Monate später ein selbsternannter Tempelritter in Norwegen ein weiteres Kapitel des "Heiligen Krieges" beginnen wollte, war die Serie aber schon abgedreht.

Der Heilige Krieg, ZDF, fünf Folgen, von 16. August an jeweils dienstags um 20.15 Uhr und sonntags um 19.30 Uhr.

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