"Verratene Freunde" im Ersten Moralisch geht nicht

Scharf auf die Frau des anderen: Peter (Heino Ferch) und Heike (Barbara Auer) haben schon eine Weile eine geheime und leidenschaftliche Affäre.

(Foto: obs)

Das Grimmepreis-bewährte Team Stefan Krohmer und Daniel Nocke hat einen furiosen Beziehungskrimi inszeniert, bei dem Matthias Brandt als klemmiger Moralist und Heino Ferch als porschegroßkotziger Macker aneinander geraten. Am Schluss sind alle unmoralisch. Denn wenn Frauen im Spiel sind, geht das nicht anders.

Von Barbara Gärtner

Warum wohnt das Gewissen eigentlich immer im Altbau? Deutsche Fernsehmacher, so scheint's, führen einen ideologischen Krieg gegen zeitgenössische Gestalter. Die feisten Lackaffen hocken im Betonkasten und dimmen das Licht mit der Fernbedienung. Peter (Heino Ferch) ist so einer; ein Leben hart am Effekt, porschegroßkotzig, selbst wenn er Gutes tut, das Gewissen hat er eh an die Gattin (Katja Riemann) outgesourced. Doch die mag nicht mehr die Wohlfahrtstussi sein, beim Abendessen mit Freunden blafft sie alles raus, das Fremdgehen und Fremdfinanzieren, die Villa, Betonwand für Betonwand aus Spendengeldern gegossen. Das Schaut-her-wie-geil-wir-sind-Dinner: ruiniert.

Zwei Paare beim Essen, die Weingläser gut gefüllt, das Leben zur Hälfte gelebt, schon viele Filme haben zu solchen Abenden geladen; zum Dessert wurden Lebenslügen und Enttäuschungen serviert.

Auch bei Stefan Krohmers Verratene Freunde geht es um Betrug, den ehelichen und den strafrechtlich relevanten. Peter, der Mäzen, der sich vor allem selbst alles gönnt, zweigt bei seinem bauunternehmerischen Mackertum Geld, das eigentlich für ein Behindertenförderzentrum überwiesen wurde, zur Eigenheimförderung ab.

Wo endet Freundschaft? Was tun, wenn ein Freund Unrechtes tut? Um diesen Konflikt baut Autor Daniel Nocke (mit Krohmer ein Grimme-Preis-bewährtes-Team) seine Geschichte. Es ist keine dieser weltfernen Fernsehideen, solche Fälle gibt es ja tatsächlich, die Sozialhansel, die im Maserati durch Berlin brausen, über die sich alle aufregen, hinterher, wenn es in der Zeitung steht. Auch diese vermeintlich Schamlosen haben Freunde. Oder zumindest Menschen, die ihnen zuprosten.

Peter und Andreas, das wird schnell klar, waren nie Freunde, sondern bloß scharf auf die Frau des anderen. So wird das, was als Drama angelegt ist, flugs zur Farce, zu einem Duell der Männer, besser: Männertypen. Denn Andreas und Peter sind fernsehfies archetypisiert:

Interieur und Dialoge funkeln

Andreas (Matthias Brandt) ist ein näselnder, klemmiger Schulleiter, und damit auch alle kapieren, dass er die Moral in der Geschichte ist, wohnt er mit Bücherwänden, regalweit Reclam, im gediegenen Altbau. Kein Blingbling, die Thonet-Stühle um den Tisch wirken ehrlich gealtert, der Mann ist schließlich stets bemüht ums richtige Maß.

Verratene Freunde ist so unterhaltsam wie ein sehr gutes Buch, das man bisweilen weglegen muss, weil das, was da steht, unangenehm ist. Interieur und Dialoge funkeln, die Schauspieler sind furios. Und doch interessiert sich Verratene Freunde ein wenig zu sehr für die Oberfläche, wie Menschen wohnen, wie man eine Geschichte geschmeidig zu Ende bekommt, als dafür, wie sich diese Protagonisten winden und wandeln.

Ein Duell endet normalerweise damit, dass einer tot am Boden liegt. Hier wird der eine ein bisschen besser und der andere ein bisschen böser, am Schluss sind also alle unmoralisch - der Frauen wegen, klar - und versammeln sich dann wieder um den Abendessenstisch. Dass es ihnen schon wieder schmeckt - man kann es dieser Geschichte nicht ganz glauben. Prost.

Verratene Freunde, ARD, Mittwoch, 20.15 Uhr.