Schwesternküsse, Schlafzimmerblick und spätrömische Zustände: Das ist Germany's Next Topmodel. Ein Länderbericht aus Heidiland 2010.
"Afghanistan ist nicht Heidiland", meinte kürzlich der CDU-Abgeordnete Armin Schuster vor dem Bundestag klarstellen zu müssen. Das ist, zumindest für eingefleischte Pro-Sieben-Zuschauer, eine überflüssige Information. Denn es gibt - zum Glück - wenige Szenarien, die im Heidiland von Germany's next Topmodel (GNT) weniger vorstellbar wären als posende Mädels in Burkas.
Neue Staffel, neue Jury - nur die Diva bleibt die gleiche: Heidi Klum. Sie ist die Sonnengöttin in Heidiland. (© Foto: ProSieben)
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Trotzdem stellt das junge, erst fünf Staffeln alte Machtgebilde made by Heidi Klum eine nicht zu unterschätzende Bedrohung dar. Scharen junger, zum Teil gut ausgebildeter und des Deutschen mächtiger Nachwuchskräfte wandern ab, pilgern an die Pforten Heidilands. Über 2000 Mädels mit dem Lebensziel "Topmodel" waren am Donnerstagabend auf Pro Sieben zu sehen, die um Einlass in die glamouröse Glamourwelt kämpften - so viele wie nie zuvor bei einem GNT-Casting.
Die Mädels fühlen sich angesprochen von den Lehren der Model-Mama. Sie predigt Sekundärtugenden (Disziplin! Professionalität! Mehr Leistung!), mit denen man auch 30 Schlecker-Filialen leiten könnte.
In den vagen Heilsversprechen der Model-Mama (Fashion Week, Editorial Posing, Versandhauskatalog) sehen sie eine Alternative zum drögen Ernährungswissenschaftenstudium oder dem Job bei Schlecker, sodass sie Heimat, Freunden und Familie den Rücken kehren.
In Regierungskreisen ist das Problem erkannt, die weitere Vorgehensweise jedoch strittig. Mehrere Strategien - diplomatische Verhandlungen forcieren, humanitäre Zwangsernährung einleiten (Roger Willemsen würde sechs Sorten Torte spenden) oder gewaltsam einmarschieren - stehen zur Debatte. Um in der Zukunft kein Desaster zu provozieren, wurde von Experten ein "Länderbericht Heidiland" erstellt, der sueddeutsche.de vorliegt und aus dem wir hier erstmalig Auszüge veröffentlichen.
Länderbericht Heidiland
(...)
Hauptstädte: Los Angeles - Bergisch Gladbach - New York
Staatsform: Pseudo-Matriarchat. Forschungskreise glauben unter dem Deckmantel der Alma-Model-Mater Züge einer rigiden Militärdiktatur zu erahnen: Eine Fachzeitschrift identifizierte die Staatsgründerin als "kaltschnäuzige Scharführerin" und verlieh ihr den Titel "Pascha des Monats" (siehe EMMA - Das politische Magazin von Frauen. Jg. 22, Heft 3/2009.).
Regierungsform: Erinnert an die römische Kaiserzeit. Der Autokratin und Kaiserin sind - pro forma - zwei hochdekorierte Konsuln beigestellt, zwischen denen sie als prima inter pares erscheint. Die Konsuln wirken/sind professionell und/oder sehen gut aus, sind jedoch den Urteilen der Kaiserin gegenüber machtlos. Wie ihre antiken Vorgänger, die zum Amtsantritt Gladiatorenkämpfe, Seeschlachten oder Wagenrennen auszurichten hatten, werden die Konsuln mit öffentlichkeitswirksamen Aufgaben betraut: Sie organisieren Challenges wie Wet-Bikini- und Unterwasser-Shootings oder Begegungen mit exotischen und/oder ekligen Tieren (Krokodil, Vogelspinne, Elefant). Außerdem rapportieren sie der Kaiserin, falls sie nicht im Lande ist.
Die Amtszeit der Konsuln obliegt Heidis Gutdünken. In dieser Staffel lösen Fashion-Fotograf Kristian Schuller und Marketing-Experte Qualid "Q" Ladraa den Booker Peyman Amin und Casting-Direktor Rolf Schneider ab, wodurch sich die Jury deutlich verjüngt. Kristian Schuller ist ein ambitionierter Fotograf, der zunächst "rein intellektuell" Bedenken an einer Mitarbeit bei GNT 2010 geäußert hatte. Nun hat er es sich zur Aufgabe gemacht, dem drohenden Brain-Drain der Show entgegenzusteuern. Ob allein seine giganteske Ironie-Brille den gewünschten Effekt, das Eindringen von GNT in Berliner Ironie-Salons haben wird, bleibt abzuwarten.
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Unnütze Hygienemaßnahmen
Ich will auch ein Land!
Bevor Ihr hier noch mehr über diese langweilige Person textet, schreibt mal lieber ein paar nette Eintopfrezepte auf.
sorry, aber diese Nachkritik, die sich an der Oberfläche mit dem Phänomen Germany's Next Topmodel dermaßen ernsthaft auseinandersetzt, ohne in einem Satz das systemische Problem dahinter zu benennen oder zu erkennen, ist fast so unerträglich wie die Sendung selber.
Die Autorin scheint das Geschehen um Q und Schuller und Klum sehr sehr genau studiert zu haben und ernst zu nehmen. Sie spiegelt geradezu die Problematik, die diese Sendung in der Tat gesellschaftlich aufwirft, in sich selber und ihrer Reaktion als Frau darauf wieder.
Den Vorrezensenten stimme ich auch nicht zu: die Sendung hat in meinen Augen Gefahrenpotenzial. Sie wird schon von 8-Jährigen konsumiert, die hier erleben, dass es nur alleine darauf ankommt, wie man aussieht, dass man darauf sein ganzes Sein bitte konzentrieren möge, vor allem auf den Körper, denn Gesichtsschönheiten vermag Frau Klum nun wirklich nicht auszuwählen oder tut es einfach nicht. (um Schönheit geht's in dieser Sendung ja wohl NULL)
Am Körper kann man ja bekanntlich mehr "arbeiten" als am Gesicht und das stundenlang: Bodybuildung etc.pp und das soll dann Inhalt, Lebensinhalt, Freizeitinhalt sein? Zusammen mit Shopping, Labels und dem Versuch, irgendwie ins TV zu kommen, um all das Genannte wiederum zu finanzieren. Ein Irrsinn. Eine getarnte Verkaufsshow...
Interessant ist nur: die Autorin sagt, hier werde Leistung gepredigt: doch im Grunde wird hier NICHTS geleistet: hier geht's doch, wie in den meisten Casting-Shows, genau darum, wie man OHNE jede (vorherige) Leistung, OHNE Ausbildung ganz nach oben kommen kann. Lediglich die Sendung müssen die willkürlich ausgesuchten Mädchen durchstehen.
Frau Klum macht die Sendung wohl eher, um sich selber zu featuren. (Wer sonst nennt in seinem Sendungsnamen so penetrant seinen eigenen Namen? außer bei Talk-Sendungen üblich) und uns das Glück (natürlich als Grundvoraussetzung eine gewisse gottgegebene Schönheit und Cleverness), das sie hatte, als Resultat harter Arbeit zu verkaufen. Da arbeiten andere, jede Krankenschwester, weitaus härter. Und diese Frauen geraten gesellschaftlich immer mehr ins Abseits. Die bewundert keiner: im Gegenteil. Immer weniger junge Frauen entscheiden sich für einen solchen Berufsweg. Warum auch?
Für mich ist das FDP pur: eine, die es nach ganz oben geschafft hat in einem kapitalistischen Markt, der aus Werbung etc. besteht, will uns das als Superleistung verkaufen, um diesen Status Quo gesellschaftlich zu zementieren. Jetzt wissen wir, warum d
An anderer Stelle war zu lesen, das Frauen immer noch weniger verdienen als Männer.
Könnte da ein Zusammenhang bestehen?
Ich weiß gar nicht was ihr alle habt:
Hübsche Frauen, ein Bier dazu und ein bischen berieseln lassen! Ab und zu bringen die Mädels ja auch echt lustige/dumme Sachen, da kann man sich schon mal ein Stündchen amüsieren
;-)
Paging