Presseschau zur Wahl in Frankreich "Ein Erdbeben ohnegleichen"

Eine Montage französischer Zeitungen, die den Ausgang des ersten Wahlgangs am Sonntag auf ihre Titelseiten gestellt haben.

(Foto: AP)

Den ersten Wahlgang bei der Präsidentschaftswahl bewerten nicht nur französische Zeitungen als umwälzendes Ergebnis. Aber nicht alle äußern sich vorbehaltlos optimistisch. Ein Blick in die Presse.

Das Ergebnis des ersten Wahlgangs in Frankreich ist kein Überraschendes. Die Umfragen sollten bei dieser Präsidentschaftswahl Recht behalten. Dennoch ist die Aufregung in der französischen Presse groß. Von einer noch nie dagewesenen politischen Lage ist die Rede, von einem Schock und von einer einschneidenden Zäsur.

Dabei zeigt man sich zum einen erleichtert über das gute Wahlergebnis Emmanuel Macrons. "Die Sensation Macron", titelte Le Parisien und "Die Rechten K.O." war auf der Titelseite von Le Figaro zu sehen. Gleichzeitig ist man sich aber auch bewusst, dass mit dieser Wahl das etablierte Parteiensystem Frankreichs aus den Angeln gehoben wurde. "Macron-Le Pen: eine neue Ausgangslage" ist in der französischen Tageszeitung La Croix zu lesen.

In Le Monde heißt es: "Macron-Le Pen: ein erwartbares Duell für eine nie da gewesene Wahl". Weiter heißt es: "Mit dem Ausscheiden der zwei großen Parteien, der Bestätigung des Front Nationals als beständiger Teil des Parteiensystems und dem Hervorgehen einer neuen politischen Kraft, die von Emmanuel Macron verkörpert wird und der im zweiten Durchgang als Favorit gilt, wird der Abend die Geschichte der V. Republik dauerhaft verändert haben."

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Auch Le Figaro schließt sich diesem Tenor an: "Die zehnte Wahl der V. Republik hat ein Erdbeben ohnegleichen seit 1958 ausgelöst." Und die Libération sieht die V. Republik "außer Atem". "Diese erste Runde der Präsidentschaftswahl hat unserer Fünften Republik einen heftigen und vielleicht fatalen Schlag versetzt. (...) Sie ist dabei, unfähig zu werden."

20minutes und Francetvinfo hoben trotz des guten Wahlergebnisses des Front Nationals hervor, dass man sich dort mehr Stimmen erhofft hatte. So schreibt Francetvinfo: "Die Spitzenkandidatin des Front National erhält 21,4 Prozent der Stimmen und platziert ihre Partei auf einem noch nie dagewesenen Niveau. Doch hinter diesem Ergebnis hat die Kandidatin Mühe eine halbe Niederlage zu verstecken." Ziel Marine Le Pens war es gewesen, als Siegerin aus dem ersten Wahldurchgang hervorzugehen.

Von einem "historischen Ergebnis" spricht auch die italienische La Repubblica: "Jedenfalls ist das ein historisches Ergebnis: In die Stichwahl gehen zwei Kandidaten politischer Bewegungen, die noch nie zuvor regiert haben. (...) Die Wahlbeteiligung war gut, die Franzosen haben auf den Ruf der Demokratie geantwortet." Und der Corriere della Sera erkennt im Wahlergebnis eine klare Aufforderung nach Veränderung, verknüpft mit einer positiven Überraschung. "Angesichts der hohen Wahlbeteiligung hat Frankreich einen Beweis abgegeben für Schwung für die Zukunft, für Abwehr der Verdammung zum Niedergang und gegen den Angriff des Terrors."