Neue Polit-Talkshow "Absolute Mehrheit" Beck wurde schon im Oktober angefragt

An sich ist das kein unüblicher Vorgang. Ein Bundesminister im Rededuell mit einem unbekannten Hinterbänkler aus einer Oppositionsfraktion, dazu würde kein Medienberater der Welt raten. Doch Beck ist kein Hinterbänkler, sondern als streitbarer Fraktionsmanager gern gesehener Gast in vielen Talkshows. Auch mit Bundesministern hat er sich schon gemessen.

Dass Gäste ausgeladen werden, ist prinzipiell auch nicht ungewöhnlich. Ändert sich die aktuelle Lage und damit das Thema der Sendung, muss eine Talk-Show-Redaktion umdisponieren, neue Gäste finden und den Eingeladenen absagen.

Allerdings haben sich die Themen gar nicht geändert. Wie geplant - und Beck gegenüber angekündigt - geht es um Steuergerechtigkeit, Energiewende und soziale Netzwerke. Eine Sendung zum Thema Umweltpolitik ohne einen Grünen zu machen, das ist schon einigermaßen bemerkenswert. Und was soziale Netzwerke angeht, wären Altmaier und Beck geradezu eine Traumbesetzung: Beck kann bei Twitter auf 26.000 Follower verweisen, Altmaier auf 27.000.

Merkwürdig ist der Vorgang auch angesichts der anderen Polit-Gäste. Mit Thomas Oppermann (6100 Twitter-Follower) wird ein Mann bei Raab zu Gast sein, der wie Beck bei den Grünen parlamentarischer Geschäftsführer der SPD ist. Nahezu unbekannt ist der Linken-Abgeordnete Jan van Aken (auf Twitter nicht vertreten). Dass er Vize-Chef von Partei und Fraktion ist, wissen wohl nur Polit-Junkies. Einzig Wolfgang Kubicki (ebenfalls nicht auf Twitter), Fraktionschef der FDP in Schleswig-Holstein, kann es in Sachen Prominenz mit Beck und Altmaier aufnehmen.

"Die Behauptung ist schlicht falsch"

Noch am Montag standen alle diese Politiker auf Raabs Gästeliste, "und natürlich Herr Beck", wie aus einer Mail von Brainpool an Beck hervorgeht, die Süddeutsche.de vorliegt. Beck ist bereits Anfang Oktober von Brainpool angesprochen worden, ob er sich vorstellen könne, Gast in der Sendung zu sein.

Altmaier wiederspricht via Twitter vehement, dass er Druck auf Brainpool ausgeübt haben soll. "Die Behauptung ist schlicht falsch. Ich bin mit Volker Beck befreundet, war mit ihm in vielen Talkshows und werde das gerne auch wieder tun". Auch gegenüber Süddeutsche.de macht er klar: "Ich hab mit der Person Beck keinerlei Probleme, er ist mein Freund!"

Das macht die Sache für Brainpool kompliziert. Die Produktionsfirma wollte sich auf SZ.de-Anfrage nicht äußern, auch der Sender ProSieben zeigt sich wortkarg. Die Zusammensetzung sei eine "redaktionelle Entscheidung", die man nicht weiter kommentieren wolle. Man rechne aber damit, am Sonntagabend eine lebhafte Diskussion zu sehen.