Kanzlerfotograf will "Focus" verklagen Prominente Pose

Gibt es ein Recht an einer Körperhaltung? Die Anwälte des Fotografen Konrad Rufus Müller werfen dem "Focus" vor, das Kohl-Motiv auf einem Cover unzulässigerweise übernommen zu haben.

Von Marc Felix Serrao

Es gibt Tausende Bilder von Helmut Kohl. Aber wenn es nach dem als "Kanzlerfotograf" berühmt gewordenen Bildkünstler Konrad Rufus Müller, 70, geht, dann gibt es nur eines wie dieses: "mit dunkler Krawatte, weißem Hemd, den Daumen unter das Kinn und den Ringfinger der linken Hand an die Lippen gelegt, den kleinen Finger am Ringfinger angelegt, vom Betrachter aus gesehen rechts an diesem vorbeiblickend." Dazu noch das Licht von links, das die rechte Gesichtshälfte "etwas dunkler" macht.

So steht es in einer Unterlassungserklärung der Münchner Kanzlei Burkert, Basler & Hempel, die am 26. Januar an den Focus ging. Der Vorwurf: Das Burda-Magazin beziehungsweise dessen Fotograf Daniel Biskup hätten das Motiv des Altkanzlers unzulässigerweise von Müller übernommen.

Die Anwälte fordern, dass der Verlag das Cover mit dem Bild aus der vergangenen Woche ("Kohls Sohn bricht sein Schweigen") nicht mehr verbreitet. Zudem stünden Müller (mit "Verletzerzuschlag") 20.000 Euro Honorar zu. Focus wies die Forderungen zurück. Müller will Heft und Fotograf verklagen.

Die Streit wirkt bizarr, könnte für die Medienbranche aber Folgen haben. Es geht um die Frage, ob es so etwas wie ein Recht an einer Pose gibt. Müllers Anwälte sagen ja. Sie verweisen auf eine Entscheidung des Landgerichts München, "wonach bereits die Fotografie eines Unterarms mit aufgekrempeltem Hemd Werkqualität hat, sofern sie Individualität dergestalt aufweist, dass sie über das rein handwerkliche Vermögen hinausgehend die persönliche Handschrift eines Fotografen trägt".

Legt man den Focus-Titel neben Müllers Bild (es ist auf den Covern von Kohls mehrbändigen Memoiren zu sehen), sticht die Ähnlichkeit in der Tat ins Auge. Aber war das Absicht? Und spielt es wirklich eine Rolle?

Laut Focus war es purer Zufall. Biskup, 48, der als freier Fotograf in Augsburg und Berlin arbeitet, habe "glaubhaft versichert, dass die von Konrad Müller ins Blaue hinein aufgestellten Spekulationen unrichtig sind", teilte ein Verlagssprecher mit.

Das Bild sei beiläufig auf einer Reise entstanden. Es sei nichts nachgeahmt oder übernommen worden: "Kohl saß nun einmal so da."