"Heute-Journal"-Moderator Claus Kleber Zu Kopf gestiegen

Claus Klebers Vergleich der Tagesschau mit nordkoreanischem Regierungsfernsehen ist absurd - erst recht, wenn man sich darin erinnert, wie der Anchorman des "Heute-Journals" den Antisemiten Ahmadinedschad gewähren ließ.

Von Willi Winkler

Es gab eine Zeit, und es war ja nicht alles schlecht damals, da zog sich Mutter eigens um für die "Tagesschau", denn es kam doch der nette Herr Köpcke zu Besuch, und da sollte alles manierlich aussehen im Wohnzimmer. Karl-Heinz Köpcke war alles andere als ein Ausbund an Männerschönheit, er nahm Claus Kleber in keiner Weise vorweg, er trug ein Toupet, aber vor allem die Nachrichten der "Tagesschau" so vor, als hätte er sie nicht bloß selber formuliert, sondern höchstpersönlich erlebt.

Diese allabendlich millionenfach bestätigte Prominenz, die sich Köpcke in 28 Dienstjahren auf dem Bildschirm redlich erwarb, ist manchem zu Kopf gestiegen. Hatte sich Köpcke noch damit beschieden, einen sofort vergessenen Roman zu veröffentlichen, drängte es die Nachrichtenaufsagerin Susan Stahnke schon nach Hollywood, während ihre Nachfolgerin Eva Herman das Mutterrecht mit von früher her bewährten Argumenten neu interpretierte. Das Schöne dabei ist: Die "Tagesschau" der ARD hat die Sperenzien ihrer Sprecher überstanden, ohne sichtbaren Schaden zu nehmen. Seit sechzig Jahren sendet sie, im amtsmännischen Ton der reinen Sachlichkeit vorgetragen, Tag für Tag eine strenge Auswahl an Weltnachrichten.

Bei einer vermutlich ordentlich honorierten Veranstaltung der weltbekannten Kreissparkasse Waiblingen gelang Claus Kleber, 57, jetzt das Bonmot, "das trockene Nachrichtenablesen" gebe es "heutzutage nur noch um 20 Uhr und im nordkoreanischen Fernsehen". Offensichtlich hört Kleber nie Radionachrichten, und auch die "Heute"-Sendung seiner ZDF-Kollegen um 19 Uhr scheint er regelmäßig zu verpassen. Auf den absurden Vergleich mit dem nordkoreanischen Regierungsfernsehen kann nur jemand verfallen, der es für eine journalistische Idee hielt, dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad die Gelegenheit zu geben, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen seine antisemitischen Tiraden loszuwerden. Claus Kleber moderiert selber zu später Stunde - und auch deshalb mit erheblich geringerem Zuschauerinteresse als bei der "Tagesschau "- das "Heute-Journal" im ZDF. Die Berufsbezeichnung für diese Tätigkeit lautet gut amerikanisch Anchorman, also Ankermann, und verlangt vor allem einen Gesichtsausdruck, der beweist, dass der Vortragende die ganze Last der Welt auf seinen Schultern trägt.

Vor Jahren hat Kleber das Angebot abgelehnt, Chefredakteur beim vorübergehend herrschaftslosen Spiegel zu werden. Kleber blieb, aber nur, weil ihn der damalige ZDF-Intendant Markus Schächter aus der Tarifstruktur entließ und ihm ein höheres Gehalt als sein eigenes zugestand. Mutti zieht sich für einen wie Kleber schon lange nicht mehr eigens um, aber es kann sein, dass auch ihm die Verwechslung der Nachrichten mit ihrem Botschafter zu Kopf gestiegen ist. Der Jurist Kleber schreibt zwar keine Romane, und ob es mit Hollywood noch etwas wird, ist doch eher zweifelhaft. Zur Not tut's aber auch ein Bambi für Selbstgerechtigkeit

Seid umarmt, Senioren

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