Serie "Veep" Das darf doch nicht wahr sein

Nach uns die Sintflut: Republikaner wie Demokraten schätzen Veep - und rechnen Selina Meyer (Julia Louis-Dreyfus, Mitte) dem jeweils anderen Lager zu.

(Foto: Sky Atlantic/HBO)

Seit Jahren ist "Veep" die beste Serie über den US-Politbetrieb. Seit Trump Präsident ist, stellen die Macher fest: "Es ist mitunter erschreckend, wie die Realität unsere Storys einholt."

Von Matthias Kolb, Austin

Ein selbstbezogener Präsident regiert im Weißen Haus, der fehlende Detailkenntnis mit enormem Ehrgeiz kompensiert und vor allem geliebt werden will. Prinzipien gibt es keine, die Prioritäten richten sich nach Umfragezahlen. Die Mitarbeiter sind inkompetent und damit beschäftigt, das alltägliche Chaos zu verwalten und Katastrophen zu verhindern.

Dies ist nicht nur die Bilanz der bisherigen Amtszeit von Donald Trump, sondern auch Hintergrund der vergangenen zwei Staffeln von Veep, der fraglos besten Polit-Satire. Julia Louis-Dreyfus spielt darin US-Präsidentin Selina Meyer, die sich aus dem Amt der Stellvertreterin bis ins Oval Office intrigiert hat. Fünf Mal in Folge hat sie dafür den Emmy erhalten, 2015 und 2016 wurde Veep als beste Komödie ausgezeichnet. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf Staffel sechs, die Mitte April bei HBO und in Deutschland bei Sky startet. Beim "South by Southwest"-Festival in Austin warten Hunderte Fans mehr als eine Stunde, um von Showrunner David Mandel und Louis-Dreyfus erste Details zu erfahren.

Gekonnte Persiflage des Washingtoner Politikbetriebs

"Ich will keine Trump-Anspielungen machen", sagt die 56-Jährige auf die Frage von Chuck Todd, die hier alle beschäftigt. Todd ist als Moderator der NBC-Talkshow Meet the Press eine jener Figuren des abgehobenen Washingtoner Politikbetriebs, den "Veep" so gekonnt persifliert. Momentan sind es vor allem die Late-Night-Moderatoren, die das Handeln einer Regierung satirisch überhöhen müssen, das an Absurdität kaum zu überbieten ist - siehe die "alternative facts" von Kellyanne Conway.

Der Plot der neuen Veep-Staffel stand längst fest, als Trump Kandidat wurde und die Show vermeidet Anspielungen ohnehin. "Wir haben ein Paralleluniversum erschaffen, in dem Ronald Reagan der letzte Bezugspunkt ist", erklärt Louis-Dreyfus. Dies schütze die Autoren davor, die Realität zu kommentieren. "Wir konkurrieren nicht mit Saturday Night Live", sagt Louis-Dreyfus, deren Karriere in den Achtzigern bei SNL begann, bevor sie mit Seinfeld bekannt wurde. SNL sei momentan brillant, schwärmt sie, doch eine Serie könne mit der absurden Gegenwart nicht mithalten.

Neben Louis-Dreyfus und Chefautor Mandel sitzen in Austin sieben Hauptdarsteller auf der Bühne und alle berichten, nun besessen die Nachrichten zu verfolgen. Anna Chlumsky, der Ex-Kinderstar aus My Girl, spielt die Büroleiterin von Präsidentin Meyer und empfand zunächst viel Sympathie für die Mitarbeiter von Politikern: "Das ist komplett weg - wie kann man nur Trump helfen?" Alle nicken, als Chlumsky sagt: "Satire hat etwas Inklusives, auf das sich alle einigen können. Wir lachen gemeinsam über Politiker, aber geben nicht vor, welche Inhalte richtig sind."