Harald Schmidt bei Sky Deutschland Konsequente Abnabelung von jeglicher Rücksicht auf Publikumsgeschmack

Dass Schmidt so schnell und vor allem gegen die Erwartungen der Branche wieder Unterschlupf gefunden hat und sich nun jenseits der Bezahlschranke auch noch das Wörtchen exklusiv umbinden kann, entbehrt nur auf den ersten Blick einer gewissen Logik. In Wahrheit kann man den nun vollzogenen Schritt als konsequente Beschreitung eines bereits 1992 eingeschlagenen Weges betrachten.

Damals hatte Schmidt die ARD-Samstagabendshow "Verstehen Sie Spaß?" übernommen und betrieb in der Folge konsequente Abnabelung von jeglicher Rücksicht auf den Publikumsgeschmack.

Man muss sich Schmidt leisten können - und wollen

Schmidt dezimierte in den Folgejahren die von den Vorgängern aufgebaute Fan-Gemeinde so konsequent, dass seine Nachfolger danach lange brauchten, die verschreckten Stammzuschauer wieder einzufangen. Auch als er von 5. Dezember 1995 an die Late Night Show im deutschen Fernsehen etablierte, war er nie ein Zuschauermagnet und hatte seine besten Momente immer dann, wenn er tat, was man im Fernsehen auf keinen Fall tun sollte. Er schaltete eine ganze Show lang das Licht ab, moderierte auf Französisch oder spielte Klassiker mit Playmobilpüppchen nach.

Bei seinen jüngsten Sat-1-Shows schalteten in der Regel weit weniger Menschen ein als bei Thomas Gottschalks Vorabendquälerei in der ARD, über deren Quotenarmut sich Schmidt trotzdem konsequent lustig machte. Es gab zwischendrin gar Shows, bei denen sich Schmidt überhaupt nicht mehr um die Menschen an den Bildschirmen kümmerte und stattdessen Späßchen trieb, die nur die Menschen im Kölner Studio verstehen konnten. Die hatte er vorab mit ein paar Nettigkeiten und einigen schlüpfrigen Witzen angefüttert und sich so deren Wohlwollen erkauft.

Für die Sky-Bilanz wird man bei Schmidts sechsstelligen Sat-1-Zuschauerzahlen ziemlich sicher noch einmal eine Null streichen müssen. Den Meister wird aber auch das nicht groß scheren. Er betreibt halt die konsequente Abkoppelung vom Quotendruck als künstlerisches Stilmittel. Für seine Arbeitgeber galt ohnehin immer: Man muss sich Harald Schmidt leisten wollen, und man muss sich ihn leisten können. Sky will, und Sky kann.

Im Jahre 2005 hat Schmidt in einem Interview mal gesagt, man müsse sich zwischen Unsterblichkeit und Karriere entscheiden. Inzwischen muss man annehmen, dass er das mit der Karriere im herkömmlichen Sinne aufgegeben hat. Das stolze Signal, das die Verpflichtung bei Sky nicht nur an Leute wie Manuel Andrack aussendet, klingt nun überdeutlich. Totgesagte leben nun mal länger.

Oder wie es Schmidts früherer Partner, der überaus weise und kompetente Herbert Feuerstein im selben Spiegel-Interview wie der fehlsichtige Andrack ausdrückte: "Ich bin Atheist. Aber an Schmidts Wiedergeburt glaube ich."