Neue Serie von Judd Apatow bei Netflix Ein Facebook-Post bestimmt dein Schicksal

Die Stadt ist so groß, dass sich das Leben im Auto abspielt: Gillian Jacobs und Paul Rust als junge Menschen in Los Angeles.

(Foto: Suzanne Hanover/Netflix)

Judd Apatow ist einer der erfolgreichsten Komödienmacher Hollywoods. Seine neue Serie "Love" erzählt eine unerträglich hoffnungslose und doch versöhnliche Geschichte der Liebe.

Von Anne Philippi

Judd Apatow verbringt den Morgen in gleich mehreren unattraktiven Zimmern eines Landhotels in Pasadena. Er gibt Interviews, die Luft ist schlecht, doch die vielen iPhones auf dem Tisch wollen besprochen werden - und zwar mit Antworten über Apatows neue Serie Love, die er für Netflix produziert hat.

Der Mann ist eine große Ausnahme in Hollywood: Er wirkt nicht wie mit einer Glasur überzogen, er erscheint nicht wie eine 3D-Animation wie, sagen wir, Amal und George Clooney. Der Mann ist außerdem erschöpft. Seine Augen sind glasig, vielleicht war heute morgen keine Zeit zum Meditieren nach der Methode von Ram Das, dem Guru, oder für die Lektüre von Apatows Lieblingsbuchs When things fall apart: Heart Advice for difficult times.

Trailer: "Love" von Judd Apatow

Unerträglich hoffnungslos und doch versöhnlich. Eine Studie der Liebe in unserer Zeit. mehr ...

Reden wir also schnell über Love, bevor Judd Apatow zu müde wird. Sein neues Werk zum Thema Liebe in der durchtechnologisiertesten Stadt 2016, also in Los Angeles. Trotz des Alltags an der Westküste hat Apatow zunächst das Tempo rausgenommen. "Wir folgen den beiden Hauptfiguren wirklich jeden Tag. Wir lassen nichts aus. Wenn sie sich streiten und sich ein paar Tage nicht sehen, dann zeigen wir das und verlangsamen alles", sagt Apatow.

Love ist ab und an etwas zu langsam, zu peinlich, zu unerträglich hoffnungslos, und dann doch wieder sehr komisch und versöhnlich. Aber Mickey und Gus sind keine Fantasiefiguren. Sie sind eine Frau und ein Mann im Los Angeles des Jahres 2016. Das heißt: Die beiden versuchen in einem Umfeld zu kommunizieren, in dem Emoticons, ungelenke Formulierungen von Textmessages oder Facebook-Einträge ganze Lebensläufe und Schicksale bestimmen.

Ein Umfeld, in dem wegen der Größe von Los Angeles das halbe Leben im Auto stattfindet, und eine Tankstelle sich als der romantischste Treffpunkt herausstellt, an man sich zufällig trifft und vor Erschöpfung vom Leben auf dem Freeway oft heulen muss und es auch tut.

Der Druck, unter dem ein Lehrer steht, wenn sein Schüler reich ist

Mickey (Gillian Jacobs) und Gus (Paul Rust) haben Jobs, treffen gelangweilt Freunde und kämpfen trotzdem gegen Windmühlen wegen Sucht (Mikey) und Suche nach Anerkennung ihrer kreativer Leistung (Gus), der gerne Serien schreiben würde, aber als Lehrer auf einem Studioloft einen Instagram-süchtigen Kinderstar (grandios gespielt von Judd Apatows Tochter Iris) unterrichten muss.

"Ich mochte es, den Druck zu zeigen, unter dem ein Lehrer steht, wenn ein Kind schon reich ist und es nicht erst später erst werden muss." Seine Tochter ist jetzt reich. Erstens wegen ihres Vaters, zweitens wegen ihrer kommenden Teen-Karriere. Judd weiß nicht, wie er das finden soll, ein Lächeln bei dem Thema kommt nicht zustande.

Judd Apatow war als Kind nicht reich und hat bis heute kein Interesse daran, so auszusehen. Sein kreisrunder Bart könnte der eines Erdkundelehrers sein, auch Hemden gehören nicht zu den großen Themen in Apatows Leben. Über das Karohemd schafft Apatow es selten hinaus.

Er widmet sich jetzt den Frauen

Aber wenn man Boxoffice-Hits wie Brautalarm, Jungfrau (40), männlich, sucht oder Immer Ärger mit 40 landete, Seth Rogan, James Franco und Adam Sandler entdeckte und gefördert hat, interessiert die Menschen in Hollywood kein Hemdengeschmack mehr. Es ist dann vollkommen egal.

Judd Apatow, 48 (rechts neben Netflix-Programmchef Ted Sarandos), ist Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Seit seinem Regiedebüt Jungfrau (40), männlich, sucht hat er zahlreiche erfolgreiche Komödien gedreht.

(Foto: Eric Charbonneau/Netflix)

Vor Kurzem erst hat Judd Apatow beim Meditieren Ego-Ballast abgeworfen und sich in eine neue Form des Hollywood-Impresario verwandelt. Er widmet sich jetzt den Frauen. Er half Lena Dunham als Produzent, um deren Serie Girls bei HBO auf den Weg zu bringen.

Der Grund war simpel: "Lena ist ein Genie, und es gab kein einziges Drama. Ein gutes Zeichen. Wenn Sie sich mit den falschen Leuten einlassen, die nicht wissen, wovon sie reden, werden sie sich über Jahre mit diesen bekriegen, als gäbe es kein Morgen."