Ebay-Gründer Pierre Omidyar 250 Millionen für unabhängigen Journalismus

Der Ebay-Gründer Pierre Omidyar plant gemeinsam mit dem ehemaligen "Guardian"-Journalisten Glenn Greenwald eine neue Medienplattform. Mindestens 250 Millionen Dollar sollen in die Website fließen. Mit viel Idealismus geht Omidyar an das Projekt, das kritischen Journalismus fördern soll.

Der Ebay-Gründer Pierre Omidyar hat auf seinem Blog bestätigt, dass er eine neue Medien-Plattform gründen wird, an der auch der ehemalige Guardian-Journalist Glenn Greenwald beteiligt ist. Greenwald gelang in den vergangenen Monaten mit seinen Artikeln über Edward Snowden und dessen Enthüllungen über die Späh-Praktiken der NSA ein riesiger Scoop. Am Mittwoch wurde bekannt, dass er den Guardian verlässt. Der britische Reporter, der in Brasilien lebt, nannte als Grund ein "journalistisches Traumangebot".

Zu diesem Projekt werden nun erste Details öffentlich. Omidyar will eine Website schaffen, die ein breites Themenspektrum abdeckt. Er sei überzeugt, dass unabhängiger Journalismus nicht die nötige Kontrollfunktion übernehmen kann, wenn er nicht die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums erreicht. Die neue Nachrichtenwebsite soll daher kein Nischenprodukt sein, das sich auf investigativen Journalismus beschränkt, sondern auch Themen wie Sport, Wirtschaft, Unterhaltung und Technik abdecken.

Auf seinem Blog schreibt der Unternehmer weiter, dass die neue Medienplattform, die bereits einen Namen hat, den er aber noch zurückhält, losgelöst sein werde von seinen bisherigen Engagements. Der Ebay-Gründer, dessen Vermögen auf mehr als acht Milliarden Dollar geschätzt wird, hat unter anderem bereits die investigative Nachrichtenwebsite Honolulu Civil Beat und einen "Demokratie-Fonds" finanziell unterstützt.

"Die Grundausrichtung ist, unabhängige Journalisten aus verschiedenen Themenbereichen zu unterstützen und zu stärken." Er wolle Reporter und ihre Arbeit auf größtmögliche Weise fördern, und das im öffentlichen Interesse. Er wolle erreichen, dass normale Leser zu engagierten Bürger würden, so der 46-Jährige.

Dem amerikanischen Journalisten Jay Rosen sagte Omidyar in einem Telefonat, dass er und sein Team auf der Suche nach "unabhängigen, erfahrenen Journalisten" seien, die nicht alle in die gleiche Arbeitsstruktur gepresst werden sollen, sondern stattdessen auf ihre Weise ihren Job machen sollen. Fest steht wohl auch, dass Juristen für die Redaktion engagiert werden. Denn die Art von Journalismus, die er umsetzen möchte, sei fähig, einige der wichtigsten Menschen weltweit anzugreifen, so Omidyar.

250 Millionen Dollar

Neben Glenn Greenwald sind auch die Journalistin Laura Poitras, die gemeinsam mit Greenwald an den Enthüllungen über Snowden gearbeitet hat, und Jeremy Scahill (Democracy Now, The Nation) an dem Projekt beteiligt. Er glaube daran, dass Journalisten wie Greenwald, Poitras und Scahill eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen, so Omidyar.

Der 46-Jährige hatte zunächst Interesse daran, die Washington Post zu kaufen. Der Zuschlag ging jedoch im August an Amazon-Gründer Jeff Bezos, der 250 Million Dollar investierte. In Folge dieses Verkaufs habe er darüber nachgedacht, wie Einfluss genommen werden könne, wenn jemand dieselbe Summe in ein völlig neues Projekt stecke, schreibt Omidyar in seinem Blog-Post. Umso mehr Enthüllungen von Snowden im Sommer bekannt wurden, umso mehr habe er sich mit dem Gedanken befasst, wie viel Druck auf Journalisten ausgeübt werde und umso mehr sei der Wunsch gereift, eine neue Nachrichtenplattform zu schaffen.

Erste Versuche, sich mit Glenn Greenwald zu verabreden, scheiterten, erst im Oktober kam ein Treffen zustande. Zu diesem Zeitpunkt planten Greenwald, Poitras und Scahill bereits ein eigenes Online-Projekt. Weil sich im Gespräch jedoch herausstellte, dass sie sehr ähnliche Vorstellungen von einer solchen Plattform hätten, habe man beschlossen, die Kräfte zu bündeln, so Omidyar.

Welchen Job Greenwald genau übernehmen wird, ist offensichtlich noch nicht klar. Der Entschluss, zusammenzuarbeiten, sei noch so neu, dass man bisher noch nicht über Positionen oder Verantwortungen gesprochen habe. Fest stehe lediglich, dass sie gemeinsam etwas Neues schaffen wollten.