Zensur statt Dialog - da wummert das Netz. Wer sich derart mit der Blogger-Szene anlege wie Heuking und Sauerland bekomme "Klassenkeile. Wie kann man nur so verrückt sein, in einem solchen Fall mit dem Urheberrecht zu kommen?", fragt sich nicht nur Kocks.Es gibt im Fall Duisburg viele Fragen und einige von ihnen haben auch mit der seltsamen Krisen-PR der Stadtverwaltung und ihres traurigen Chefs Sauerland zu tun. Erst machte er die Opfer ein Stück für ihren Tod selbst verantwortlich. Dann sollten die Polizisten auch Schuld sein. Später duckte er sich weg, wurde zur Symbolfigur für den feigen Bürokratenstaat.
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Am 6. August holte sich die Kanzlei Heuking einen in Krisenangelegenheiten erfahrenen Berater an die Seite. Es handelte sich um den früheren Düsseldorfer Büroleiter von Focus, Karl-Heinz Steinkühler, der sich in der Region als ziemlich ruppiger, aber erfolgreicher Enthüller einen Namen gemacht hat. Steinkühler hat seit Mai eine Kommunikationsfirma. Sein Job in Duisburg war es, den stumm gewordenen Sauerland sprachfähig zu machen. Ein schwieriges Unterfangen: Der OB gab zwei Interviews, die am Wochenende verbreitet wurden, und war authentisch ahnungslos. "Wir haben versucht, die Adressen der Toten zu bekommen. Wir haben sie bis heute nicht", sagt er beispielsweise in die Kameras des WDR beim Kreuzverhör. Dabei hatte sein Standesamt die Sterbeurkunden der 21 Toten der Loveparade ausgestellt.
"Leerer Anzug in Übergröße", urteilt der modisch unkonventionelle Kocks: "Der tat so, als sei er ,,der Richter und dabei ist er der Angeklagte". Offenbar ist Sauerland nicht zu helfen. Steinkühlers Auftrag ist beendet. Von der Urheber-Geschichte, die so viel Wirbel machte, soll der Ex-Journalist nichts gewusst haben.
Aber früher liefen solche Auseinandersetzungen auch anders. Der Spiegel hatte vor vielen Jahren in einer Skandalgeschichte über den Milliardär Friedrich Flick und dessen Majordomus Eberhard von Brauchitsch aus der 122 Seiten dicken Schutzschrift eines Anwalts zitiert, in der es unter anderem um Bakschisch-Politiker ging. Der Anwalt verwies auf sein Urheberrecht und ein Gericht gab ihm recht. In einem Buch über den Flick-Fall mussten die aus der Schutzschrift entnommenen Passagen geschwärzt werden. Solidarität unter den Zeitungskollegen gab es damals nicht. Es gab vielmehr Neid oder Desinteresse, obwohl die Auseinandersetzung für die gesamte Branche nicht unwichtig war.
Das Netz, das gleichermaßen Platz für Amateure und Profis bietet, reagiert offenkundig anders als der auf Konkurrenz angelegte Betrieb der holzverarbeitenden Industrie. Einst konnte man eine Sache per Gericht stoppen, in der Internetgemeinde wird sowas als Zensur verstanden. Das Netzwerk wird dann zur Waffe.
Vor ein paar Monaten veröffentlichte Greenpeace im Internet ein Video, in dem ein Nahrungsmittelkonzern heftig kritisiert wurde, weil er für Riegel ein bisschen Palmöl aus den Regenwäldern Indonesiens verwendet. Der Konzern sorgte dafür, dass der Spot von der englischen YouTube-Seite verschwand und pochte auf sein Urheberrecht. Da brach der Sturm erst richtig los. Zum Schluss war das Image des Konzerns dramatisch eingebrochen, obwohl er sich am Ende professionell um Schadensbegrenzung bemüht hat.
Andererseits: Kann Sauerlands Image noch schlechter werden?
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(SZ vom 19.08.2010/leja)
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Fluch und Segen!
Das handeln des OB von Duisburg war unverantwortlich und er hat nicht die Kraft zurückzutreten.
Gut dass seine Taten aufgedeckt werden konnten.
Leider wird das Internet auch zu Verleumdungen und Hetzkampagnen benutzt.
Oder für Untaten wie Google-Street-View!
Solches Treiben der politisch Verantwortlichen - in diesem Fall sogar direkt Verantwortlichen - muss veröffentlicht werden - und in diesem Fall geht das nur über's Internet.
Wenn diese nicht weiterwissen - drohen diese prompt mit Zensur!
Schön, dass deren Schuld offengelegt wurde!
Welche Beweise braucht's noch?
Ab in den Knast mit diesem Bürgermeister, der wohlwissentlich - der Veranstalter hatte ihm diese Zahlen von einer zu erwartenden Besucherzahl von über 1 Mio genannt - zugestimmt, diese Masse an Leuten auf einen Platz - der höchstens 300.000 Leute fassen konnte - zu quetschen!
Somit ist der Tatbestand nach gültiger deutscher Rechtslage eindeutig: Fahrlässige Tötung!!!!
Das Problem der Vergangenheit war der sog. "Bratwurstjournalismus".
Nicht minder gering gegenüber dem heutigen Gossenjournalismus im Web..!
Ein Problem für die verwöhnten Bratwurstkenner und -Schätzer!
Ja, das ganze ist ahnungslos.
Es zeigt (ein weiteres Mal), dass unsere Politiker (und deren beauftragte Anwälte) nicht die geringste Ahnung haben, wie das Internet funktioniert.
Zumindest ein vernünftiger Anwalt hätte von diesem Schritt abraten müssen, wenn er seiner Pflicht nachgekommen wäre und Ahnung der Materie besäße.
Das schlimmste ist, dass solche Menschen versuchen, Gesetze für das Internet zu entwerfen.
Gossenjournalismus at its best.