Bundeskanzlerin bei Anne Will "Ich habe aus meinem Herzen gesprochen"

Angela Merkel bei Anne Will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sitzt am 07.10.2015 TV-Moderatorin Anne Willgegenüber vor Beginn des TV Interviews im Studio in Adlershof in Berlin. In der TV-Talkshow spricht Merkel mit Will unter anderem über die aktuelle Flüchtlingskrise. Foto: Michael Kappeler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Es ist eine neue Kanzlerin, die da bei Anne Will sitzt. Angela Merkel verteidigt ihren Kurs in der Flüchtlingskrise, die schon längst zu ihrer Krise geworden ist.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Kanzlerin Angela Merkel hat einiges zu erklären. Ihr Alleingang in der Flüchtlingskrise irritiert nicht nur die Staats- und Regierungschefschefs in Europa und anderswo. In ihrer CDU, deren Parteivorsitzende sie ist, bekommen Kritiker ihres Kurses immer mehr Oberwasser. Und erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit sinken ihre Popularitätswerte in den Umfragen. Es ist also ein Krisengespräch, zu dem sich Anne Will da am Mittwochabend mit Merkel in der ARD verabredet hat. Ein Gespräch über die Flüchtlingskrise. Und eines über Merkels ganz persönliche Krise.

Der Titel der Sendung gibt die Richtung vor: "Können wir es wirklich schaffen, Frau Merkel?" Das hat Merkel den Deutschen und ein Stück weit wohl auch sich selbst versprochen: "Wir schaffen das."

Kann Merkel nicht mehr zurück hinter das Versprechen?

Vor allem in der Union wird der Druck größer. Merkel soll runter von dem Satz, soll sagen, dass es Grenzen gibt, Grenzen der Zuwanderung. Manche wollen die Grenzen in Europa wieder hochziehen. Andere das Asylrecht schleifen. Ein Deckel soll her, Obergrenzen für Zuwanderung. Das alles soll sie sagen.

Sagt sie aber nicht. Sie wiederholt den Satz: "Wir schaffen das, da bin ich ganz fest davon überzeugt." Die Frage ist nur, was das heißt. Was sie meint: An inneren Prozessen muss gearbeitet werden, an Europa, an den Fluchtursachen.

Hat sie sich mit dem Satz nicht die Falle selbst gebuddelt? Will fragt danach. Kann sie also gar nicht mehr zurück hinter das Versprechen?

Merkel schüttelt den Kopf. "Ich bin ein Mensch, der immer an die Dinge herangeht, dass wir das schaffen werden." So war es mit der Bankenkrise. So war es mit der Griechenlandkrise. Merkel lässt sich nicht beirren. Das ist ihre unzweideutige Botschaft an die Deutschen. An ihre Parteifreunde. Im Gegensatz zu manchen anderen ist sie nämlich "stolz, dass wir die Flüchtlinge freundlich empfangen". Sie will "keinen Wettbewerb, wer behandelt sie am unfreundlichsten, dann werden sie schon nicht kommen".

Aber ist Merkel vielleicht zu freundlich? Will bringt das Selfie ein, das Handy-Foto, auf dem sie mit einem Flüchtling in die Kamera lächelt. Ein Fehler? Merkel hält dagegen: "Glauben Sie denn, dass Hundertausende Menschen ihre Heimat verlassen, weil es so ein Selfie gibt? Dass die deswegen mit dem Schlauchboot fahren?" Die Antwort muss Merkel gar nicht geben.

Grenzen schließen - unmöglich

Was ist dann mit den anderen Vorschlägen? Grenzen dicht, zum Beispiel. Merkel: "Sie können die Grenzen nicht schließen." Das hat in Ungarn nicht geklappt, an anderen Stellen auch nicht. Also keine neuen Zäune. Keine Abschottung. Dafür Zusammenarbeit. Mit den Griechen, den Türken. Und gemeinsam die Fluchtursachen bekämpfen. Große Aufgaben.

"Ich werbe dafür, für meinen Weg Verbündete zu haben", sagt Merkel. "Ich habe die Zuversicht. Dass das geschafft werden kann." Immer wieder dieses Worte, wie ein Mantra: Wir schaffen das. "Ich bin Vorsitzende einer christlichen Partei", sagt sie, als wenn damit alles erklärt wäre.

Dabei ist noch vieles unklar. Wie viele Flüchtlinge kommen noch? Wie lange dauert die Krise? Bis wann soll es geschafft sein? Merkel hat darauf keine Antworten. Niemand, der das Thema seriös angehe, habe darauf eine Antwort, sagt Merkel. Aber was sie weiß: "Das wird harte Arbeit."

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