Bluttat in Moskau Ein Kriminalfall, der die russischen Staatsmedien verstummen lässt

In Moskau begeht eine Usbekin einen grausamen Mord - und die russischen Staatsmedien berichten nicht darüber. Nimmt der Kreml plötzlich Rücksicht auf Migranten und Muslime?

Von Julian Hans, Moskau

Es war die Nachricht des Tages in Russland, aber in den Sendern des staatlich gelenkten Fernsehens kam sie nicht vor: Am Montagmorgen wurde in einer Moskauer Metrostation eine Frau festgenommen, die den Kopf eines Kindes in der Hand hielt.

Inzwischen ist geklärt, dass es sich bei der 38-Jährigen aus Usbekistan um die Kinderfrau des Opfers handelt. Die wahrscheinlich geisteskranke Frau tötete das vierjährige Mädchen in ihrer Obhut, trennte den Kopf vom Rumpf und steckte die Wohnung in Brand, soweit die Ermittlungen.

Darüber, ob die Frau zehn Minuten oder fast eine Stunde mit dem Kopf unterwegs war, gibt es unterschiedliche Aussagen. Oppositionelle merkten sarkastisch an, mit einem Kreml-kritischen Plakat in der Hand hätte es wohl keine fünf Minuten bis zur Festnahme gedauert.

Unterdessen ist in Zeitungen und Blogs eine Debatte darüber im Gange, ob es zulässig war, die Gräueltat der "blutigen Nanny" zu verschweigen. Hauptargument der Befürworter ist, dass damit Panikstimmung und Hass gegen usbekische Migranten und Muslime vermieden werden sollte. Die Tat habe keine gesellschaftliche Dimension und über "alltägliche" Morde aus persönlichen Motiven oder in der Familie würde in der Regel nicht berichtet.

Schrecklich - und meistgelesen

Der Fall habe durchaus eine gesellschaftliche Dimension, sagen andere. Immerhin habe die schwarz gekleidete Frau gerufen, sie sei eine Terroristin und wolle sich in die Luft sprengen.

Wenn es wirklich so wäre, dass die Menschen derlei schreckliche Nachrichten lieber nicht sehen würden, dann hätten nicht 16 der 20 meistgelesenen Artikel auf russischen Webseiten an diesem Tag eben das zum Thema gehabt, schreibt der Journalist Alexander Pljuschew von Radio Echo Moskaus in seinem Blog. Es komme eben darauf an, wie berichtet werde; das Video, das im Internet kursiert, müsse man ja nicht zeigen.

Das Argument, die Nachricht nicht zu bringen, um keinen Hass gegen Migranten und Muslime zu schüren, findet Pljuschew verdächtig: "Das würde ja bedeuten, die russischen Sender hätten mit der aufgeblasenen Nachricht von der angeblich vergewaltigen Lisa bewusst Unruhen in Deutschland provoziert."