ARD-"Brennpunkt" zur Hitze Zu Kopf gestiegen

Claudia Schick moderierte den ARD-Brennpunkt zur Hitzewelle.

(Foto: ARD.de)

Es ist Sommer, es ist heiß, es gewittert. Was im Juli jedes Jahr passiert, war der ARD am Sonntag einen "Brennpunkt" wert - ein Nachrichtenformat, das dem Besonderen gewidmet ist. Wenn das schon sein muss, wären ein paar Plattitüden weniger schön gewesen.

Von Matthias Kohlmaier

Es ist Ende Juli. Das bedeutet für Deutschland: Hochsommer. Soweit alles wie gehabt. Gut, ein bisschen heißer als im durchschnittlichen deutschen Hochsommer war es in den vergangenen Wochen vielleicht. Die badische Stadt Rheinfelden war am gestrigen Sonntag mit 38,6 Grad der heißeste Ort Europas. Und was folgt auf solche Temperaturen zumeist? Genau, ein Sommergewitter. So weit, so alljährlich.

Aber dabei wollten es die Verantwortlichen der ARD nicht belassen. Im Ersten Deutschen Fernsehen haben sie schießlich ein wunderbares Format, um Besonderheiten wie die aktuelle "Gluthitze" zur besten Sendezeit aufzuarbeiten: den Brennpunkt. Folglich lief am Sonntagabend nach der Tagesschau fast eine Viertelstunde lang die Sendung: "Gluthitze und Unwetter über Deutschland".

Ein Brennpunkt, dieses letzte journalistische Mittel der ARD, um auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren, zum Wetter also. Gab es erst vor wenigen Wochen, als sich Sigmund Gottlieb zu den Überschwemmungen in boulevardesken Katastrophenbeschreibungen erging. Aber sind ein paar heiße Tage im Sommer mit folgendem Gewitter wirklich ein Brennpunkt-Thema? Geht es nach Twitter, muss die klare Antwort heißen: Nein.

Andere Kommentatoren beließen es nicht bei ironischen Anmerkungen:

Was die Zahlen angeht, scheint die ARD allerdings alles richtig gemacht zu haben. Der Brennpunkt war am Sonntag die meistgesehene Sendung mit mehr als 9,5 Millionen Zuschauern - deutlich mehr als die vorangegangene Tagesschau und der folgende Tatort. Das Wetter interessiert die Menschen. Und was interessiert, ist grundsätzlich einer journalistischen Aufarbeitung wert.

Bleibt die Frage nach dem Format: Sind ein paar heiße Tage im Sommer mit folgendem Gewitter wirklich ein Brennpunkt-Thema? Aus ARD-Perspektive lautet die Antwort: leider ja. Die Tagesschau trägt ein enges Programm-Korsett, auf eine aktuelle Großlage kann dort nicht näher eingegangen werden. Bleibt der Brennpunkt, der nach Gutdünken eingeschoben werden kann. Gewöhnlich passiert das zwar nur bei wirklich wichtigen Themen wie Naturkatastrophen oder Rücktritten ranghoher Politiker. In diesem Fall genügte der ARD das Small-Talk-Thema Hitzewelle als Aufhänger.

Schattenseiten und Strand-Sauna

Aber wenn das Wetter schon im Sensations-Format Brennpunkt abgearbeitet werden muss, wären ein paar Plattitüden weniger schön gewesen. In den etwa 14 Brennpunkt-Minuten wurden hauptächlich Phrasen gedroschen. Hagelkörner, groß wie Tennis- oder Golfbälle seien vom Himmel gefallen. Ein um seine Ernte bangender Bauer nennt das Wetter "schon verrückt". Der aus Dresden zugeschaltete Kollege sagt den Kalauer-verdächtigen Satz: "Die Hitze hat nämlich auch Schattenseiten". Die von Noderney zugeschaltete Kollegin übertrifft diese Sinnfreiheit sogar noch: "Wenn es am Strand nicht so schön ist, gibt es einen heißen Tipp, nämlich die Strand-Sauna hier auf Norderney."

Mit Journalismus hat das kaum etwas zu tun. Die Dame auf Norderney beschließt ihren Beitrag gar mit dem Hinweis, es seien "noch Hotelzimmer zu bekommen". Wenn die ARD die Hitzewelle schon für eine Katastrophe derartigen Ausmaßes hält, dann muss sie sich dem Thema auch mit angemessener Sorgfalt widmen - und Informationen liefern, die über Urlaubstipps und Plattitüden hinausgehen.