Werbung mit Guttenberg Ein Minister schaut nach vorn

Eine Schweizer Modefirma wirbt mit dem ehemaligen Verteidigungsminister, ohne ihn zu fragen - und macht sich auch noch über ihn lustig.

Von Marc Felix Serrao

Das Foto ist so wenig neu wie die Häme über den Abgebildeten. Eine Schweizer Firma für Sportbekleidung versucht trotzdem, sich noch mal mit einer einseitigen Anzeige im aktuellen Stern über den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg lustig zu machen.

Das Bild zeigt ihn im August 2010 anlässlich eines Truppenbesuchs in Afghanistan, mit entschlossener Miene und einer Sportjacke, die das Firmenlogo ziert. "Schauen Sie nach vorne", steht im Werbetext, "auch die besten Alpinisten kehren manchmal vor dem Gipfel um."

Ein Sprecher des Unternehmens erklärte auf Anfrage, dass seine Firma Guttenberg nicht um Erlaubnis gefragt habe, ob sie so mit ihm werben dürfe. Man habe die Idee juristisch geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass der 39-Jährige eine Person des Zeitgeschehens sei und deshalb ohne Zustimmung gezeigt werden dürfe. Eine auch juristisch interessante These.

Guttenberg selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Der Sprecher der Modefirma sagte, dass er nicht damit rechne, dass Guttenberg gegen die Anzeige vorgehe: "Wenn, dann wäre da schon etwas gekommen." Schließlich habe das Unternehmen bereits am vergangenen Sonntag mit dem Bild auf einer kompletten Seite in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) für sich geworben.

"Die Idee hatten wir selbst", sagte der Sprecher. Seine Firma sei für freche Werbung, die auf "Aktualitäten" reagiert, bekannt. Was auch immer er damit meint. Die erste Schweizer Werbung zum Thema Guttenberg ist inzwischen fast schon einen Monat alt. Da war er noch im Amt, und die NZZ warb mit dem Slogan "Summa cum laude - Universität Bayreuth". Das war witzig, damals. Jetzt ist es witzig gemeint.

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