Von Pädagogen empfohlenes Spielzeug Sand, Wasser, Matsch

Modernes Kinderspielzeug tötet die Phantasie ab? Vielleicht liegt das einfach an der fehlenden Kreativität der Eltern.

Von Cathrin Kahlweit

Seit nunmehr 50 Jahren, sagt Hein Retter mit leisem Stöhnen, erhebe sich rund um Weihnachten ein Wehklagen darüber, dass modernes Kinderspielzeug die Phantasie abtöte und die kindliche Neugier ausbremse. Retter, emeritierter Pädagogik-Professor an der Technischen Universität Braunschweig, Vater von neun Kindern und Großvater von 14 Enkelkindern, hält das für ausgemachten Quatsch.

Der Markt, sagt er, gebe alles her, was das Herz begehre - Eltern müssten nur klug schenken. Ohnehin fehlten den meisten Kindern in ihrer urbanisierten Lebenswelt seltener pädagogisches Spielzeug als vielmehr Wasser, Matsch, Sand, Wiesen und Bäume.

Für Kinder im Grundschulalter und umso mehr für Teenager seien Medienangebote oft wichtiger als Spielsachen; hier müssten Eltern natürlich darauf achten, dass Computerspiele ungefährlich sind, aber auch schlicht darauf, dass der Medienkonsum nicht zum Zeitfresser wird. "Nur wer nicht stundenlang vor der Glotze hockt, hat noch Zeit zum Spielen. Das ist banal, wird aber gern vergessen."

Eltern kleinerer Kinder legt der Pädagoge eine kurze Liste von Anschaffungen ans Herz. Baumaterial wie Lego, Duplo oder Playmobil sei ganz wichtig, allerdings seien Angebot und Konkurrenz so groß, dass man sich auf ein System konzentrieren und dies über die Jahre durchhalten müsse. Besser als Plastiksysteme mit Noppen oder Zapfen sei ohnehin Material aus Holz, weil sich hier andere Spielsachen oder Bau-Materialien besser integrieren ließen.

Ganz wichtig, sagt Retter, seien Puppen oder Stofftiere zum Kuscheln, damit die emotionale Seite nicht zu kurz komme. Und: So nützlich wie unterhaltsam seien sogenannte Legematerialien, also Puzzle oder aber Memory, eine Erfindung aus den sechziger Jahren, die der Erziehungswissenschaftler für so simpel wie unschlagbar hält. Eisenbahnen, traditionell ein Renner unter den Geschenken, seien oft zu spezialisiert; in der Regel müssten die Eltern aufbauen und mitspielen.

Hein Retter räumt übrigens mit dem Glauben auf, Kinder sollten verlieren können, weil man das nicht früh genug lernen könne. Jüngere dürfe man ruhig gewinnen lassen; Spiele, in denen der Zufall den Sieger bestimme, seien für Kinder eine gute Wahl.